Interview mit dem Altana-Vorstandsvorsitzenden Dr. Matthias L. Wolfgruber über die aktuelle Situation des Spezialchemieunternehmens und seine künftigen Wachstumsziele.Bis 2007 war Altana ein Mischkonzern mit einer Pharma- und einer Chemiesparte. Im Juni 2007 wurde die Pharmasparte an Nycomed verkauft, seitdem firmiert das Chemiegeschäft unter dem Namen Altana und glänzt mit einer im Branchenvergleich hohen Ertragskraft. Dr. Michael Reubold sprach mit dem Altana-Vorstandsvorsitzenden Dr. Matthias L. Wolfgruber.
CHEManager: Herr Dr. Wolfgruber, wie hat sich die „neue" Altana seit 2007 entwickelt, wie hoch war die durchschnittliche Wachstumsrate?
Dr. Matthias L Wolfgruber: Die durchschnittliche nominale Wachstumsrate seit 2007 war trotz der Krise von 2008/2009 ungefähr bei 5 %, aber mit kleineren Akquisitionen. Unsere langfristige Wachstumsrate über 10 Jahre liegt selbst einschließlich der Krise noch bei 9 %. Auch 2011 konnten wir im Umsatz weiter zulegen.
Wie hat Altana das Jahr 2011 abgeschlossen? Sie hatten im ersten Halbjahr einen Umsatzanstieg von 9 % verkündet, nach neun Monaten waren es noch 6 %. Das entspricht dem Branchentrend mit dem sich im zweiten Halbjahr 2011 verlangsamenden Wachstumstempo.
Dr. Matthias L Wolfgruber: Das Geschäftsjahr 2011 wird sich in etwa auf dem Niveau bewegen, auf dem sich das dritte Quartal oder der Zeitraum Januar bis September bewegt hat. Wir werden ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Bereich erzielen, allerdings bei einem leichten Ergebnisrückgang. Das Ergebnisniveau ist dennoch im Industrievergleich weiterhin hoch, die im Jahr 2010 erreichten Rekordergebnisse waren auch durch die vergleichsweise noch niedrigeren Rohstoffkosten begünstigt. Wir können mit dem Geschäftsjahr 2011 insgesamt durchaus zufrieden sein. Das Jahr hatte allerdings sprichwörtlich zwei Gesichter: wir waren nach den ersten sechs Monaten wieder auf Rekordkurs, im zweiten Halbjahr hat das Wachstum dann aber in allen Regionen und Bereichen doch merklich nachgelassen.
Welchen Einfluss haben im Moment Rohstoffpreise und Rohstoffverfügbarkeit auf Ihr Geschäft?
Dr.
Matthias L Wolfgruber: Hinsichtlich der Verfügbarkeit von Rohstoffen sehe ich für uns aktuell keine größeren Engpässe. Anfang des Jahres 2011 gab es in bei einzelnen Rohstoffen aber durchaus Versorgungsprobleme. Diese Situation hat sich nicht zuletzt auch aufgrund der abnehmenden Nachfrage im zweiten Halbjahr deutlich entspannt. Für das Gesamtunternehmen haben sich jedenfalls die durchschnittlichen Rohstoffkosten in 2010 um rund 20 % und im letzten Jahr noch einmal um ungefähr 15 % verteuert. Wir konnten diesen Preisanstieg zwar weitgehend am Markt weitergegeben, aber in 2011 eben nicht in vollem Umfang kompensieren. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir von einer leichten Erholung der Rohstoffkosten aus.
Wie sind aufgrund der vielen Unsicherheiten im Markt Ihre Erwartungen für das Geschäftsjahr 2012? VCI und CEFIC gehen für die Chemieindustrie von einem leichten Wachstum im Bereich von 1 bis 1,5 % aus. Würden Sie sich dem anschließen?
Dr. Matthias L. Wolfgruber: Ja, das entspricht auch unseren Erwartungen. Im Basisszenario unserer Planung gehen wir von einem geringen Volumenwachstum in der Größenordnung von 1 % bis 2 % aus. Dazu erwarten wir zusätzliche Wachstumsimpulse über Preis- und Akquisitionseffekte. Insgesamt rechnen wir für das Jahr 2012 mit einem moderaten Umsatz- und Ergebniswachstum. Aber wie gesagt das beschreibt unser Grundszenario. Aber, die Unsicherheit bleibt hoch und auch wir haben keine Kristallkugel. Umso wichtiger ist es in dieser Situation sich so aufzustellen, dass auf abweichende Entwicklungen schnell reagiert werden kann. Genau aus diesem Grund haben wir auch Maßnahmenpakete in der Schublade, auf die bei entsprechender Entwicklung zurückgegriffen werden kann.
Wie sehen diese Maßnahmen denn aus?
Dr. Matthias L. Wolfgruber: Wir haben in der Krise 2008/2009 - wobei die Situation mit der jetzigen nicht vergleichbar ist - sehr schnell reagiert und insgesamt 10 % unserer Fixkosten eingespart, wodurch wir selbst in diesem schwierigen Jahr noch ein ganz passables Ergebnis erzielen konnten. Von dieser Erfahrung und von den dabei umgesetzten Maßnahmen profitieren wir noch heute. Aus heutiger Sicht stellen wir uns aber wie gesagt auf moderates ein Wachstum ein, planen alle Instrumente entsprechend und versuchen nicht schon in Erwartung einer davon abweichenden Entwicklung Zukunftsinvestitionen zu kürzen. Wenn es dann anders kommt, wissen wir, wie wir zu handeln haben.
Welchen langfristigen Effekt haben die während der letzten Krise getroffenen Maßnahmen für Sie gehabt?
Dr. Matthias L. Wolfgruber: Wir haben versucht, mehr Kosten zu variabilisieren. Wir haben das Instrument der Kurzarbeit effektiv und extensiv genutzt. Aber wir haben keinen Stellenabbau vorgenommen und wir haben weder die Forschungsmittel noch in der Ausbildung bzw. Personalentwicklung gekürzt. Wir haben im Gegenteil bei allen Treibern zukünftigen Wachstums eher Gas gegeben. Unser Credo ist, nicht die Zukunftsinvestitionen zu vernachlässigen. Sich zyklisch zu verhalten, wenn sich das Wachstum ein bisschen verlangsamt, beschneidet künftige Wachstumsmöglichkeiten.
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