Chemische Industrie Baden-Württemberg sieht Entwicklung verhalten positiv

Die Geschäfte der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Baden-Württemberg waren 2016 schwach: Um nur 0,2% auf 20,2 Mrd. EUR stiegen die Umsätze der Branche. Das erläuterten die Chemie-Verbände Baden-Württemberg am Mittwoch in Stuttgart auf ihrer Wirtschaftspressekonferenz. Die Aussichten für das laufende Jahr sind laut einer Branchenumfrage etwas besser: Deutlich mehr als die Hälfte der Unternehmen rechnet 2017 mit leichten Umsatzzuwächsen.

Entgelttransparenzgesetz
Die Chemie-Arbeitgeber sprachen sich erneut gegen das geplante Entgelttransparenzgesetz aus: „Dieses Gesetz ist überflüssig und schädlich“, so Markus Scheib, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg. Es gebe objektiv keine durch ein Gesetz behebbare Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen. Vielmehr müssten die Rahmenbedingungen geändert werden, um Frauen bessere Karriere- und damit Entlohnungschancen zu ermöglichen: „Die Arbeitgeber haben kein Interesse an einer anderen als einer leistungsgerechten Entlohnung ihrer Mitarbeiter“, bekräftigte Scheib.

Chemie-Standort Baden-Württemberg und die Weltwirtschaft
Mit einer gewissen Sorge blickt die Chemie auf die Entwicklungen in Großbritannien und den USA. Peter Dettelmann, Vorsitzender des baden-württembergischen Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), erklärte: „Diese Märkte sind von existentieller Bedeutung für uns.“ Besonders die umfangreichen Pharmaexporte nach Großbritannien könnten durch den Brexit gefährdet werden. Für den VCI-Vorsitzenden steht fest: „Wir brauchen den Freihandel. Für die Exportnation Deutschland ist er unverzichtbar – und auch für ein Land wie die USA“. Derzeit beträgt der Anteil der Auslandsumsätze in der baden-württembergischen Chemie- und Pharmaindustrie 61%, in der Teilbranche Pharma sogar knapp 70%.

Chemie-Konjunktur 2016
Die Inlandsumsätze der Branche gingen 2016 um 2,5% auf 7,9 Mrd. EUR zurück. Dagegen wuchs das Auslandsgeschäft um 2% auf 12,3 Mrd. EUR. Innerhalb der Teilbranchen sei die klassische Chemie das Sorgenkind, so Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer der Chemie-Verbände. Ihre Umsätze gingen um 5,6% auf 10,4 Mrd.

EUR zurück.

Die pharmazeutische Industrie dagegen – mit 35% die größte Teilbranche – habe der Gesamt-Branche „die schwarze Null gerettet“, so Mayer weiter. Ihre Umsätze stiegen 2016 um 7,1% auf 9,8 Mrd. EUR. In der gesamten Chemie- und Pharmabranche wuchs die Zahl der Beschäftigten 2016 um 1,7% auf 56.800.

Konjunkturumfrage 2017
In einer Ende Januar durchgeführten repräsentativen Konjunkturumfrage schätzten die Chemie-, Pharma- und Lack-Unternehmen das Jahr 2017 verhalten positiv ein. Befragt wurden 101 Unternehmen mit 32.692 Beschäftigten. 57% der Unternehmen rechnen im Jahresverlauf mit Zuwächsen bei ihren Umsätzen, nur 10% mit einem Rückgang. Dabei sehen sie die Chancen im Inland ebenso wie im Ausland. Die Auslandsumsätze werden im Wesentlichen in der EU sowie in Südostasien steigen. Skeptischer werden die Absatzmärkte Nord- und Südamerika beurteilt. Aber auch dort hoffen die Unternehmen insgesamt auf Zuwächse.

Ihre Produktion wollen 55% der Unternehmen ausweiten. Etwa die Hälfte wird im gleichen Maße wie im Vorjahr investieren. Gut ein Drittel plant sogar, mehr zu investieren. 50% der Unternehmen rechnen damit, dass die Erzeugerpreise für Chemieprodukte steigen werden. 45% erwarten, dass sie mindestens auf dem Niveau von 2016 bleiben werden.

2017 wird die Beschäftigung in der Chemie nach Angaben der Unternehmen stabil bleiben oder leicht steigen – 87% gehen von einer gleichbleibenden oder steigenden Mitarbeiterzahl aus.

Die Chemie-Verbände erwarten für die Branche 2017 in Baden-Württemberg ein Umsatzplus von gut 1% bei leicht steigender Produktion.

Statistischer Hinweis
Die zitierten Umsatzzahlen und Veränderungen sind Angaben des Statistischen Landesamtes bzw. Berechnungen auf Basis dieser Daten. Hier werden nicht alle Chemie-Unternehmen erfasst, die auch Mitglied bei den Chemie-Verbänden Baden-Württemberg sind.
 

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