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Integration durch Ausbildung

11. Wiesbadener Gespräche

30.09.2015 -

Wie man jungen Menschen die Integration in den Arbeitsmarkt ermöglicht, diskutierten heute u.a. der hessische Sozialminister, Stefan Grüttner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, Dr. Frank Martin, Vertreter der Initiative Joblinge und weitere Experten. Der Arbeitgeberverband HessenChemie lud zum Thema „Gemeinsam gegen Jugendarbeitslosigkeit – das Erfolgsmodell Joblinge“ ins Wiesbadener Kurhaus ein. Mit 200 Besuchern verzeichnete der Veranstalter vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation ein sehr großes Besucherinteresse.

Die Gründe für Jugendarbeitslosigkeit sind vielfältig: schlechte Schulnoten, schlechte Deutschkenntnisse, Migration oder schlicht Orientierungslosigkeit bei der Berufswahl. Gelingt der Einstieg in die Arbeitswelt nicht, haben diese jungen Menschen kaum eine Chance auf ein selbstbestimmtes Leben und Teilhabe an der Gesellschaft.

Der hessische Sozialminister und Schirmherr der Joblinge Frankfurt Rhein-Main, Stefan Grüttner, stellte in seiner Rede unter anderem die Unterstützung des Landes bei der weiteren hessenweiten Expansion der Joblinge in Aussicht. „Die Joblinge sind wegweisend für die Zukunft des Übergangssystems zwischen Schule und Beruf“, so der Minister. Mit einer möglichst engen Einbindung der Wirtschaft, mit mehr Offenheit für unkonventionelle Rekrutierung und mit hohen Praxisanteilen werde es gelingen, die nachhaltige Vermittlung junger Menschen in Arbeit und Ausbildung zu beschleunigen. Es sei ihm „ein wichtiges Anliegen, dass die erfolgreiche Arbeit der Joblinge auf weitere Standorte in Hessen ausgeweitet wird“. Auch die Öffnung der Joblinge-Initiative für junge Flüchtlinge gehöre zu seinen zentralen Anliegen.

Joblinge wurde im Jahr 2007 als gemeinsame Initiative der Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW und The Boston Consulting Group (BCG) gemeinsam mit Experten aus Politik, Wirtschaft und gemeinnützigem Sektor ins Leben gerufen. Die Initiative ist derzeit an 15 Standorten bundesweit aktiv, bisher wurden über 3.000 Jugendliche unterstützt. Etwas 1.200 ehrenamtliche Mentoren und über 1.400 Unternehmen sind bei der Unterstützung eingebunden. In Hessen gibt es Standorte in Frankfurt, Offenbach, Wiesbaden, der Bergstraße und seit Mai auch in Darmstadt. „Dass die Joblinge so erfolgreich sind, liegt vor allem an dem Zusammenspiel von Öffentlicher Hand, Unternehmen und Zivilgesellschaft“, so Kadim Tas, Regionalleiter der Joblinge Frankfurt Rhein-Main.

„Unternehmen müssen künftig auch jene Bewerber stärker berücksichtigen, die sie nach herkömmlichen Auswahlkriterien nicht einstellen würden. Sie werden sich verstärkt mit Flüchtlingen und Jugendlichen aus fremden Kulturen befassen müssen. Sie werden Kandidaten mit Sprachproblemen und Schwierigkeiten im sozialen Umfeld stärker in Betracht ziehen müssen“, erklärte Hartmut G. Erlinghagen, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes HessenChemie. Die Arbeitgeber könnten jedoch nur Angebote machen, wenn Bleiberecht und Arbeitserlaubnis geklärt seien. Hier sei jetzt zunächst die Politik gefordert, um die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und die Verfahren zu beschleunigen.

Berufsvorbereitende Maßnahmen und Praktika wie die Programme der Chemie-Sozialpartner „Start in den Beruf“ und „StartPlus“ seien bereits erfolgreiche Instrumente im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit, die modifiziert auch für die Integration von Flüchtlingen eingesetzt werden könnten. Aber gerade auch mit den Joblingen habe man sehr positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht, an die man anknüpfen wolle. „Wir trauen dieser Initiative auch in der Arbeit mit Flüchtlingen einiges zu“, so Erlinghagen.

Aufbauend auf den Erfolgsfaktoren entwickelt die Initiative, die heute schon im Rahmen des klassischen Joblinge-Programms Flüchtlinge betreut, derzeit ein spezifisches Konzept. „Arbeit, gesellschaftliche Integration und die Würde jedes einzelnen, diese Faktoren hängen untrennbar zusammen“, so Ulrike Garanin, Vorstand der Joblinge-Dachorganisation. „Junge Flüchtlinge unmittelbar nach ihrer Ankunft zu qualifizieren und sie so früh wie möglich in Arbeit zu bringen, das ist das gemeinsame Ziel.“