Biobasierte Zukunft im Fokus

Straubing setzt auf Forschung, Lehre und industrielle Infrastruktur im Zeichen der Bioökonomie

  • Der Ausbau des Straubinger Wissenschaftszentrums zum vollwertigen Standort der TU München für Nachhaltigkeit und Biotechnologie stärkt Straubing als Bioökonomieregion. (Foto: Herbert Stolz)Der Ausbau des Straubinger Wissenschaftszentrums zum vollwertigen Standort der TU München für Nachhaltigkeit und Biotechnologie stärkt Straubing als Bioökonomieregion. (Foto: Herbert Stolz)
  • Der Ausbau des Straubinger Wissenschaftszentrums zum vollwertigen Standort der TU München für Nachhaltigkeit und Biotechnologie stärkt Straubing als Bioökonomieregion. (Foto: Herbert Stolz)
  • Ann-Kathrin Kaufmann, BioCampus Straubing

Mit der wissensbasierten Bioökonomie sollen Prozesse und Produkte entwickelt werden, die auf pflanzlichen Rohstoffen basieren und so fossile Kohlenstoffquellen ersetzen. Bis heute sind aufgrund des anhaltend niedrigen Ölpreises zwar nur wenige biobasierte Prozesse konkurrenzfähig mit fossilen Standards, aber das Potenzial der Bioökonomie ist hoch. Dies gilt für die europäische Wirtschaft als Ganzes und für die Chemieindustrie im Speziellen.

Bis zu 15% deutscher Chemieproduktion sind bereits biobasiert. Der VCI rechnet bis 2030 mit einem Zuwachs um bis zu 50%, insbesondere in der Spezialchemie. Um dieses Innovations- und Nutzungspotenzial jedoch nachhaltig auszuschöpfen, ist der Forschungs- und vorindustrielle Scale-up-Bedarf unverändert hoch.

 

Für die Bioökonomie spielt die Kooperation der an der Wertschöpfung Beteiligten - von der Rohstoffbereitstellung bis zum Produktvertrieb - eine entscheidende Rolle. Europaweit entwickeln sich regionale Netzwerke wie das Bioeconomy Cluster Leuna, das Industries & Agro-Ressources Cluster IAR in Nordfrankreich oder das Biobased Delta in Flandern und Holland. Dort sind exzellente Forschung, Lehre, Landwirtschaft und Industrie bereits eng vernetzt. Häufig zeichnen sich diese Regionen auch durch eine gute Biomasseverfügbarkeit aus.

Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist Voraussetzung dafür, dass es Prozesse und Produkte der Bioökonomie vom Labor auf den Markt schaffen. Der Freistaat Bayern bündelt deshalb alle Aktivitäten rund um Forschung und Nutzung von Biomassen im niederbayerischen Straubing. Die bioökonomische Profilbildung erfolgt dort an der bayerischen Donau unter der Marke „Straubing - Region der nachwachsenden Rohstoffe“, deren Nukleus das Straubinger Kompetenzzentrum ist.

 

Straubing wird Universitätsstandort

Einen entscheidenden Beitrag dazu liefert die nun angestoßene Stärkung und Profilschärfung im Bereich der Wissenschaft, die mit einem Ausbau des bisherigen Hochschulbetriebs zu einem Universitätsstandort einhergeht. Das Herz bildet das Kompetenzzentrum, das aus dem Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk CARMEN, dem Technologie- und Förderzentrum, dem Wissenschaftszentrum und dem Institutsteil Bio-, Elektro- und Chemokatalyse BioCat des Fraunhofer IGB besteht.

Seit 2015 ist außerdem die Geschäftsstelle des Sachverständigenrats Bioökonomie Bayern in Straubing angesiedelt.

Das Wissenschaftszentrum wird jetzt neu aufgestellt. Bisher waren hier sechs bayerische Universitäten und Hochschulen mit zwölf Professuren und 150 wissenschaftlichen Mitarbeitern zusammengeschlossen. Angeboten wurden ein Bachelor- und ein Masterstudiengang „Nachwachsende Rohstoffe“ mit einem Abschluss an der Technischen Universität München (TUM). Künftig wird Straubing nun ein vollwertiger Standort der TUM mit dem Namen „TU München – Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit“. Die Forschungs- und Lehrschwerpunkte sollen ein eigenständiges Profil innerhalb der Eliteuniversität bilden und in Deutschland einzigartig sein, heißt es aus TUM-Kreisen.

Der Fokus auf industrielle Biotechnologie ist laut TUM-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann entscheidend, da sie technologischen Fortschritt mit dem Nachhaltigkeitsziel verbinde und gerade für diesen Sektor der Chemiewirtschaft Fachkräfte fehlten. Diese Lücke solle von Straubing aus nun geschlossen werden. Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr freut sich über den „Sprung zur Universitätsstadt“ und sieht diese Entwicklung als herausragende Chance für die Zukunftsfähigkeit der Region an. Über 40 Mio. EUR werden daher aktuell in den Bau neuer Lehr- und Laborräumlichkeiten investiert, um die angepeilte Infrastruktur für 1.000 Studenten und 18 zusätzliche Professuren zu realisieren. Man wolle so von Straubing aus Impulse für die Bioökonomie in ganz Europa geben.

 

Invest in individuelle Infrastruktur

Wichtig für den Aufbau einer regionalen Bioökonomie ist jedoch auch der Transfer von Forschung und Entwicklung hin zu industriellen Applikationen. Unterstützt durch den Freistaat Bayern entsteht daher Infrastruktur, die das Alleinstellungsmerkmal Straubings als Standort für Biotechnologie und Bioökonomie weiter hervorheben soll.

Mitte 2016 erfuhr der Fraunhofer-Institutsteil BioCat eine Erweiterung seines Laborgebäudes. Unter Leitung von Prof. Volker Sieber werden dort Prozesse der Bio-, Elektro- und Chemokatalyse entwickelt, um aus Biomasse, Abfallströmen und CO2 neue chemische Produkte zu generieren. Mittelfristiges Ziel der Stadt ist die Entwicklung von BioCat zu einem eigenständigen Institut. Im Hafen Straubing-Sand, wo bereits Clariant eine Demoanlage für Zucker der „zweiten Generation“ (2G) und Bioethanol betreibt, soll darüber hinaus eine offen zugängliche Mehrzweckdemoanlage für Scale-up-Prozesse der industriellen Biotechnologie entstehen.

Das bayerische Wirtschaftsministerium stellt hierfür 20 Mio. EUR zur Verfügung. Nebenan, im BioCubator, können junge Unternehmen neu eingerichtete S1-fähige Labore anmieten. Diese Investitionen in für die Industrie nutzbare Infrastruktur, gepaart mit der deutlichen Stärkung der Wissenschaft, rücken die Bioökonomie am Standort Straubing noch deutlicher in den Fokus – im künftigen Wettbewerb dieser Wachstum versprechenden Branche ein klarer Standortvorteil.

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