Ende Oktober startete der Gründerfonds II. Auch der Spezialchemiekonzern Altana beteiligt sich. Interview mit Dr. Georg F.L. Wießmeier und Dr. Andreas Jerschensky.
CHEManager: Herr Dr. Jerschensky, welche Bedeutung hat die Beteiligung am HTGF II für Altana?
Dr. Andreas Jerschensky: Für Altana sind die Erweiterung von Kompetenzen und das Erschließen neuer Märkte über Innovation und externes Wachstum zwei wesentliche Komponenten der Unternehmensstrategie. Die Beteiligung am HTGF II passt sich hier nahtlos ein: Wir erhalten Zugang zu interessanten Technologieplattformen sowie die grundsätzliche Möglichkeit, uns an jungen, innovativen Unternehmen zu beteiligen. Zudem stellt der High Tech Gründerfonds eine attraktive Finanzierungs- und Förderungsplattform für Unternehmen bereit, die sich - noch - nicht für die Eingliederung in ein größeres Unternehmen eignen. Hier können Ideen zunächst in einem geeigneten Umfeld erprobt werden. Später können und wollen wir mit unseren Kompetenzen bei der operativen Umsetzung dieser Ideen in vermarktungsfähige Lösungen helfen. Gleichzeitig fördern wir mit unserem Engagement junge Technologieunternehmen und stärken die Innovationskraft in Deutschland
Herr Dr. Wießmeier: Haben Sie konkrete Erwartungen was bestimmte Technologiefelder angeht oder wollen Sie sich bewusst von den eingereichten Ideen überraschen lassen?
Dr. Georg F.L. Wießmeier: Da wir hinsichtlich des Wissens über neue Technologien auf dem neuesten Stand sind, rechnen wir nicht mit großen Überraschungen. Die für uns interessanten Technologiefelder stehen im Fokus unserer Technologie-Früherkennung bzw. des Technologie-Monitorings. In den Rahmen dieses Screenings fallen auch Technologie-Start-ups.
Welche Technologien sind denn für Altana besonders interessant?
Dr. Georg F.L. Wießmeier: Insbesondere die Technologiefelder, die unsere übergreifenden Technologie-Plattformen Nanotechnologie, Industrielle Biotechnologie und Gedruckte Elektronik betreffen, sind von Interesse.
Auch im Bereich Batterien und Energiespeicher sind wir aktiv und daher interessiert.
Altana verfügt über fast 50 Service- und Forschungsstandorte weltweit und baut gerade am Hauptsitz Wesel ein neues F&E-Gebäude. Wie viel investieren Sie in Forschung & Entwicklung?
Dr. Georg F.L. Wießmeier: Im Jahr 2010 betrugen unsere Ausgaben für F&E 82 Mio. €, Tendenz steigend. Damit beträgt unsere Forschungsquote mehr als 5 %, d.h. mehr als 5 % unseres Umsatzes investieren wir in Innovation. Auch in Krisenzeiten haben wir diese Quote nicht zurückgenommen und weiter in die Zukunft investiert. Da wir unseren Kunden in erster Linie technische Problemlösungen anbieten, verkaufen sich unsere Produkte - und das ist typisch für die Spezialchemie - im Wesentlichen über deren Performance und weniger über deren chemische Spezifikation, wie z.B. in der Feinchemie. Aus diesem Grunde ist unser Geschäft sehr stark Know-how getrieben und Innovation daher entscheidend für unseren Erfolg und für unser Wachstum. Jeder unserer Geschäftsbereiche ist in unterschiedlichen Nischenmärkten tätig und benötigt daher auch die Freiheit, den eigenen Innovationsprozess optimal daran anzupassen.
Welche Instrumente nutzen Sie, um Innovation - und damit das Wachstum des Unternehmens - voranzutreiben?
Dr. Georg F.L. Wießmeier: Eine unserer Stärken besteht darin, dass wir Synergien zwischen den Geschäftsbereichen nutzen. Dazu haben wir 2008 ein übergreifendes Gremium, das Altana Innovation Council, gegründet. Diesem Council gehören neben dem Chief Technology Officer auf Konzernebene die Forschungsleiter der jeweiligen Geschäftsbereiche an. Auch die bereits erwähnten geschäftsbereichübergreifenden Technologieplattformen dienen diesem Zweck. Ein weiteres wichtiges Instrument ist unsere jährliche, globale Innovationskonferenz, in der sich ca. 150 Forscher und Entwickler aller weltweiten Standorte zwei Tage zu einem intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausch treffen. Im Rahmen dieser Konferenz wird der „Altana Innovation Award" verliehen. Damit werden Forscherteams ausgezeichnet, die in enger und übergreifender Zusammenarbeit ein neues Produkt entwickelt und erfolgreich in den Markt eingeführt haben.
Ein systematisches, übergreifendes Informationsmanagement unterstützt die optimale Vernetzung unserer Forscher und Entwickler. Entscheidend ist, dass Wissen im Unternehmen barrierefrei und schnell zur Verfügung steht. Kernelement des Informationsmanagements ist die intranetbasierte Altana Competence Map, in der alle technologischen Kompetenzen des Unternehmens zusammengefasst wurden.
Welche Instrumente sollte die Politik einsetzen, um den Technologie- und Innovationsstandort Deutschland auch für die Zukunft im zunehmenden internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu machen?
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