2017 war ein gutes Jahr für die deutsche Chemie

Chemiekonjunktur – Branche bleibt auf Wachstumskurs, Produktion legt zu, Kapazitäten gut ausgelastet

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Das Wachstum der Weltwirtschaft beschleunigte sich im Verlauf dieses Jahres. Erstmals seit mehreren Jahren erfasste die Erholung nahezu alle Länder. Besonders dynamisch entwickelten sich die Industrieländer. Die US-Wirtschaft nahm nach dem schwachen Jahr 2016 unter Präsident Trump Fahrt auf. Japan überraschte mit starkem Wachstum. Und in Europa setzten sich überall die Wachstumskräfte durch. Auch die Schwellenländer entwickelten sich 2017 positiv: Die chinesische Wirtschaft blieb allen Unkenrufen zum Trotz robust. Dies stabilisierte den Aufwärtstrend in den asiatischen Schwellenländern. Mit anziehendem Ölpreis stabilisierte sich die russische Wirtschaft. Und Brasilien konnte die Schwächephase überwinden.
Zwar stieg die politische Unsicherheit durch Brexit oder die neue US-amerikanische Wirtschafts- und Handelspolitik („America first“). Doch die Realwirtschaft und die Finanzmärkte zeigten sich davon unbeeindruckt. Positiv wirkten sich billiges Öl, ein schwacher Euro und niedrige Zinsen auf die konjunkturelle Entwicklung aus.
In diesem weltwirtschaftlichen Umfeld konnte die deutsche Wirtschaft unerwartet stark expandieren. Das deutsche Bruttoinlands­produkt stieg 2017 dank eines starken Konsums um 2,5 % (Grafik 1). Damit lag das Wachstum zum dritten Mal in Folge über dem Potenzial-­wachstum. Mittlerweile befürchten einige Ökonomen bereits eine konjunkturelle Überhitzung. Von der hohen wirtschaftlichen Dynamik in Deutschland konnte die heimische Industrie anders als im Vorjahr kräftig profitieren. Die Industrieproduktion legte 2017 um 3,5 % zu. Insbesondere der deutsche Exportsektor hat Fahrt aufgenommen.

Chemie zieht positive Bilanz für 2017
Die chemisch-pharmazeutische Industrie kann 2017 auf eine erfreuliche Entwicklung zurückblicken. Im Jahresverlauf nahm die Industriekonjunktur nicht nur im Inland, sondern auch in den Europäischen Nachbarländern an Fahrt auf. Beim Handel mit Kunden in Übersee profitierten die Unternehmen von der robusten Nachfrage aus China, einer Belebung der Wirtschaft in den USA und der wirtschaftlichen Stabilisierung in Brasilien, Russland und anderen Schwellenländern. Dank der Belebung der Chemienachfrage auf allen wichtigen Märkten, konnte die deutsche Chemieindustrie ihre Produktion im Gesamtjahr 2017 um 2,5 % ausweiten.

Die deutsche Chemieproduktion lag damit erstmals seit 2010 wieder über dem Vorkrisenniveau. Die Kapazitäten der Branche insgesamt waren vor diesem Hintergrund mit knapp 87 % sehr gut ausgelastet.

Alle Sparten im Aufwind
Von der konjunkturellen Belebung profitierten alle Segmente der Branche. Das zeigt der Blick auf die Entwicklung in den einzelnen Sparten (Grafik 3): In der ­Basischemie konnten die Unternehmen ihre Produktion nach den Rückschlägen der vergangenen Jahre wieder deutlich ausweiten. Die Produktion von anorganischen Grundstoffen stieg im Gesamtjahr um 4 %. Auch die Produk­tion von Polymeren, zu denen Kunststoffe und Chemiefasern zählen, legte mit einem Plus von 3 % kräftig zu. Allein die Produktion von petrochemischen Grundstoffen verbuchte im Gesamtjahr noch ein Minus von 1,5 %. Aber auch hier scheint die Trendwende geschafft: Im zweiten Halbjahr lag die Produktion um 1 % höher als ein Jahr zuvor.
Die gute Industriekonjunktur in Deutschland und Europa belebte auch das Geschäft mit Fein- und Spezialchemikalien. Ihre Produktion stieg 2017 um 2,5 %. Die Konsumenten zeigten sich in Kauflaune. Davon profitierten auch die Hersteller von Seifen, Wasch- und Reinigungsmitteln oder Kosmetika. Die Hersteller konsumnaher Produkte konnten die Menge um 4 % ausweiten. Die Nachfrage nach pharmazeutischen Erzeugnissen legte im In- und Ausland kräftig zu. Das Produktionsplus beträgt 4,5 %.

Höhenflug der Chemikalienpreise
Die Erzeugerpreise für Chemikalien und Pharmazeutika folgen stets mit leichtem Zeitverzug den Rohstoffkosten. Letztere verteuerten sich 2017 kräftig, weil sich der Ölpreis nach dem schwachen Vorjahr im Jahresverlauf wieder deutlich erholte. Mit durchschnittlich 54 USD pro Barrel zahlte man 2017 rund 20 % mehr als ein Jahr zuvor. Auch die Preise für Naphtha, den wichtigsten Rohstoff der Branche, zogen kräftig an. Angesichts gut ausgelasteter Kapazitäten und wachsender Nachfrage konnten die Chemieunternehmen die steigenden Rohstoffkosten an die Kunden weitergeben und Preiserhöhungen durchsetzen. Die Erzeugerpreise stiegen im Gesamtjahr um 3 %, wobei sich der Preisauftrieb zum Jahresende abschwächte (Grafik 4).

Umsätze deutlich im Plus
Ein positives Mengengeschäft mit steigenden Erzeugerpreisen ­sicherte den deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen im zurückliegenden Geschäftsjahr ein kräftiges Umsatzplus. Die Erlöse der Branche legten insgesamt um 5,5 % auf fast 195 Mrd. EUR zu. Der Inlandsumsatz konnte insgesamt um 4,5 % ausgeweitet werden. Noch positiver entwickelte sich das Exportgeschäft. Der Auslandsumsatz erhöhte sich um 6,5 %. Neben dem Europageschäft (+5,5 %) verliefen auch die Verkäufe nach Nordamerika (+3 %) und Asien (+8 %) positiv. Die erst zögerlich einsetzende Erholung in Brasilien wirkte sich hingegen noch einmal dämpfend auf den Export in die Region Lateinamerika aus (-2,5 %).

Aufschwung setzt sich 2018 fort
Aktuell bewerten die Unternehmen ihre Geschäftslage ähnlich positiv wie zuletzt 2010, als sich nach der Weltwirtschaftskrise eine rasante Erholung einstellte. Etwas zurückhaltender werden die Geschäftserwartungen beurteilt. Die Unternehmen sind zum Jahresende 2017 verhalten optimistisch. Zahlreiche politische Risikofaktoren geben Anlass, sich auf weiterhin sehr turbulente Zeiten einzustellen. Dazu gehören z. B. die Unsicherheit, wie und wann eine neue Bundesregierung arbeitsfähig wird und welche Ausprägung ihre Wirtschafts- und Energiepolitik haben wird. Und dazu zählen auch der bevorstehende – möglicherweise harte – Brexit oder die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens.
Bei den Unternehmen überwiegt aber die Zuversicht, dass sich trotz dieser Turbulenzen der Aufschwung im deutschen Chemiegeschäft im kommenden Jahr fortsetzen wird. Der Aufwärtstrend in Europa scheint robust, dadurch dürfte das Exportgeschäft weiter Rückenwind erhalten. Gleichzeitig stehen die Zeichen für die deutsche Industrieproduktion weiterhin auf Wachstum. Vor diesem Hintergrund geht der Verband der Chemischen Industrie (VCI) davon aus, dass die Nachfrage nach Chemikalien und Pharmazeutika weiter zulegen kann – allerdings mit etwas nachlassender Dynamik. Nach dem guten Jahr 2017 und wegen der hohen Kapazitätsauslastung wird sich das Wachstumstempo im kommenden Jahr normalisieren. Im kommenden Jahr kann die Produktion um 2 % zulegen. Bei steigenden Preisen (+1 %) sollte der Umsatz um 3 % steigen und damit 2018 erstmals in seiner Geschichte die 200 Mrd. EUR Marke erreichen. Inlands- und Auslandsgeschäft dürften sich in etwa im Gleichschritt bewegen.

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