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Chemiekonjunktur – US-Chemiegeschäft bleibt hinter Erwartungen zurück

2016 stieg die US-Industrieproduktion und damit die Chemienachfrage im Inland nicht mehr.

27.02.2017 -

Am 20. Januar 2017 hat der neue Präsident Donald Trump die Regierung der USA übernommen. Allmählich werden erste Konturen seines wirtschaftspolitischen Programms zur Stärkung der US-Wirtschaft und zur Re-Industrialisierung der USA erkennbar. Sein Policy-Mix besteht im Wesentlichen aus einer expansiven Fiskalpolitik, einer Deregulierung der Energie- und Finanzmärkte, einer Beschränkung der Zuwanderung sowie einer protektionistischen Industrie- und Handelspolitik. Diese neue Wirtschaftspolitik der größten Wirtschaftsnation der Welt wird erhebliche Auswirkungen haben. Wirtschaftsforscher erwarten, dass sich das Wachstum der US-Wirtschaft durch Steuersenkungen und eine Ausweitung der öffentlichen Investitionen kurzfristig beschleunigt. Ob die neue Wirtschaftspolitik jedoch dauerhaft zu einer Revitalisierung der US Wirtschaft und zu neuen Industriejobs führt, ist heftig umstritten. Kritiker bezweifeln, dass Trump seine Ziele verfehlen (erreichen?) wird. Sie werfen ihm eine überhastete Politik vor, die nicht an den richtigen Stellschrauben drehe. So werde kein langfristiges und qualitatives Wachstum erreicht. Vielmehr sehen viele Gegner seiner Handels- und Wirtschaftspolitik den Wohlstand der USA durch die Abschottungspolitik gefährdet.

Unbestritten ist aber, dass die US-Wirtschaft dringend Impulse braucht. 2016 war das Wachstum insgesamt nur verhalten. So konnte das Bruttoinlandsprodukt lediglich um 1,6% zulegen. Das war nicht nur eine deutliche Abkühlung, sondern niedriger als das Potenzialwachstum. Die versprochene Re-Industrialisierung der USA lässt auch noch auf sich warten. Im vergangenen Jahr stagnierte die Industrieproduktion auf dem Vorjahresniveau. Dasselbe gilt für die Chemieindustrie – trotz der günstigen Energie- und Rohstoffkosten. Neue Infrastrukturprojekte und Steuererleichterungen werden aber – voraussichtlich schon in diesem Jahr – für eine Belebung der US-Wirtschaft sorgen. Und angesichts der massiven Investitionen der vergangenen Jahre wird auch die Chemieproduktion wieder deutlich zulegen. (Grafik 1)

Wachstumspause der Chemieproduktion

Das kommerzielle Fracking von Schiefergas im großen Stil löste in den USA einen Investitionsboom aus, vor allem auch in der Chemieindustrie. Seit Beginn des Jahres 2014 kamen mehr und mehr Neuanlagen ans Netz und die Chemieproduktion stieg dynamisch. Die niedrigen Energie- und Rohstoffkosten puschten vor allem die Produktion von Grundchemikalien. 2016 wurde das Wachstum in der US-Chemie allerdings unterbrochen. Zum einen stieg die US-Industrieproduktion und damit die Chemienachfrage im Inland nicht mehr. Zum anderen schmolz mit starkem Dollar und niedrigen Ölpreisen der Wettbewerbsvorteil der US-Chemie deutlich ab. Zu Jahresbeginn 2016 begannen die Hersteller von Chemikalien ihre Produktion zu drosseln. Die schlechte Lage auf dem Weltmarkt – vor allem die anhaltende Wachstumsschwäche der asiatischen Schwellenländer – dämpfte die Nachfrage zusätzlich. Zum Jahresende ließ der Abwärtstrend aber bereits wieder deutlich nach (Grafik 2). Die Kapazitätsauslastung bewegte sich parallel zur Produktion: Sie ist bis 2015 stetig gestiegen. Die Wachstumsschwäche 2016 beendete aber vorrübergehend den Aufwärtstrend.

Basischemie erlebte schwaches Jahr

Die Nachfrageschwäche hinterließ 2016 in fast allen Sparten ihre Spuren. Während 2015 vor allem die Basischemie wachsen konnte, sank die Produktion 2016 sowohl bei den Anorganika wie auch in der Petrochemie. Lediglich die Polymere konnten noch einmal ein leichtes Plus verzeichnen. Die amerikanische Fein- und Spezialchemie litt 2016 besonders unter der schwachen Industriekonjunktur. Nach dem starken Vorjahr musste sie ihre Produktion deutlich zurückfahren. Und auch die Pharmaindustrie erlebte ein wenig erfreuliches Jahr. Die US-Pharmaproduktion sank 2016 um 1,3% (Tabelle 1).

Erzeugerpreise steigen

Die Erzeugerpreise sind im Jahresverlauf 2016 konstant gestiegen. Allerdings beruhte die Erholung fast ausschließlich auf der Preisentwicklung im Pharmabereich. Die Erzeugerpreise für Pharmaprodukte stiegen im Jahresdurchschnitt mit über 7%. Die niedrigen Energie- und Rohstoffpreise hinterließen ihre Spuren bei den Chemikalienpreisen. Angesichts des niedrigen Ölpreises mussten die amerikanischen Basischemieunternehmen Preiszugeständnisse machen. Die Chemiepreise lagen 2016 erneut unter dem Vorjahresniveau. Allerdings hat sich der enorme Preisverfall von 2015 nicht fortgesetzt. Die Preise stabilisierten sich und konnten zuletzt sogar leicht zulegen. Die Erholung bei den Erzeugerpreisen erfolgt jedoch in kleinen Schritten, denn nach wie vor erlaubt die schwache Chemienachfrage trotz anziehender Rohstoffkosten nur leichte Preiserhöhungen.

US-Exporte unter Druck

Die Wettbewerbsfähigkeit der US-Chemie beruht zu einem großen Teil auf Kostenvorteilen durch niedrige Energie- und Rohstoffpreise. Der Verfall des Ölpreises hat diese Vorteile teilweise zunichte gemacht, indem er die Produktionskosten anderer Standorte, vor allem in Europa und Asiens, senkte. Verbunden mit dem Rückgang der globalen Chemienachfrage und dem starken Dollar gerieten die US-Chemieexporte bereits 2015 unter Druck. Der Abwärtstrend setzte sich 2016 unvermindert fort. 2015 sank der Export um 8,6% und auch 2016 nahmen die Exporte deutlich ab. Der starke Dollar und sinkende Chemikalienpreise haben den Abwärtstrend verstärkt.

Beschäftigungsaufbau

Trotz des Dämpfers im Chemiegeschäft setzte sich 2016 der Beschäftigungsaufbau in der US-Chemie fort. Die Zahl der Beschäftigten steigt seit 2014. Das Beschäftigungsniveau von vor der Krise 2007/2008 ist aber bisher nicht erreicht worden (Grafik 4). Ob dies je geschieht ist fraglich. Die neuen Anlagen sind auf dem neuesten Stand der Technik. Die Branche braucht weniger aber gut ausgebildete Fachkräfte.

Ausblick: Zurück auf Wachstumskurs

Die amerikanische Chemieindustrie ist grundsätzlich optimistisch was die zukünftige Entwicklung angeht. Der Optimismus ist auf mehrere Entwicklungen zurückzuführen. Steigende Ölpreise machen die US-Chemie wieder wettbewerbsfähiger. Zudem dürfte die wirtschaftliche Dynamik 2017 weltweit wieder zunehmen. Und in den USA wird die Trump-Administration versuchen, fiskalpolitische Impulse zu setzen und so der Industrie einen Aufschwung bescheren. Der VCI rechnet für dieses Jahr mit einem Wachstum der US-Chemie in Höhe von 2-2,5%. Noch optimistischer ist der amerikanische Chemieverband, der zuletzt ein Wachstum von 3,5-%-Marke prognostizierte.

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