Emotionen ohne Emissionen

Auch in der Mobilität der Zukunft ist Platz für Individualität, sagt Autovisionär Alois Ruf

  • © The Hidden Champion © The Hidden Champion
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Ein Sportwagen mit dem Porsche-Logo auf der Motorhaube ist an sich schon ein Wert- und Lustobjekt. Ein Sportwagen mit dem Ruf-Signet allerdings ist eine völlig andere Hausnummer, das wissen vor allem Autokenner. Alois Ruf ermöglicht in der gleichnamigen Manufaktur für Hochleistungsautomobile die hundertprozentige Individualisierung des Sportwagens. Doch der Tüftler bastelt auch mit am automobilen Fortschritt. Bereits 2008 hat er mit dem eRuf den ersten elektrisch angetriebenen Sportwagen aus Deutschland vorgestellt. Das Familienunternehmen aus Pfaffenhausen gilt als „Hidden Champion  und ist ein typischer Vertreter des erfolgreichen, aber kaum bekannten deutschen Mittelstands.

Alois Ruf führt ein bewegtes Leben zwischen Motoren, Rädern und Schrauben. Begonnen hat alles 1939, als sein Vater einen Kfz-Betrieb mit Werkstatt gründete. „Seit ich krabbeln konnte, war ich mit in der Werkstatt. Das war nicht immer ungefährlich“, erinnert sich Alois Ruf (Jahrgang 1950). „Einmal fiel ich ins Altölfass, wurde herausgezogen und so meiner Mutter präsentiert – das war meine Taufe.“

Mit dem Pioniergeist und der Improvisationskraft des Vaters begann der Erfolg zu wachsen. „Mit wenig Mitteln viel erreichen – das war seine Devise“, sagt Alois Ruf über seinen Vater. Heute steht der Name Ruf seit mehr als einem halben Jahrhundert für die hohe Kunst, das Spitzenpotenzial guter Sportwagen zu Geschichte schreibenden Einzelstücken zu entwickeln. Überlegene Leistung, exzellentes Handling und kompromisslose Bremsen bilden die Matrix aus perfekt beherrschtem Handwerk, das den straßenzugelassenen Sportwagen-Visionen eine faszinierende Gestalt verleiht. In der Traumfabrik für Erwachsene, wie Alois Ruf sie nennt, werden Wünsche – aber auch Visionen – zur automobilen Wirklichkeit.

Manufaktur für Hochleistungsautomobile

Der Familienunternehmer aus dem bayrisch-schwäbischen Unterallgäu war nach eigenem Bekenntnis nicht der beste Schüler und verbrachte die Zeit lieber in der Werkstatt. „Mein Vater sagte immer: Bub, ist mir gleich welche Noten du hast.

Hauptsache du kommst durch und Englisch musst du können.“ Dem weitsichtigen Vater war schon in den 1950er Jahren klar: wer nicht Englisch kann, der macht kein Geschäft.

Dass Ruf schon bald zu den Spezialisten für Instandsetzung zählte und sich sowohl in Sachen Karosserie und Getriebe als auch Motor einen Namen machte, ist einem Zufall zu verdanken: Im Jahr 1963 wird der Vater Zeuge eines Unfalls, kauft das Unfallfahrzeug auf – ein Porsche 356 – setzt es mit Hilfe des Juniors in Stand und verkauft es unerwartet lukrativ. Durch die Restaurierung, Veredelung und Individualisierung wurde Ruf in den Folgejahren zur eigenen Marke.

„Unsere Basis ist der beste Sportwagen der Welt“, sagt Alois Ruf. Und ihm ist es mit zu verdanken, dass der Porsche 911 überlebt hat. Denn als der schwäbische Autobauer den 911er in Zeiten der Restrukturierung einschlafen lassen und dem 928er Platz machen wollte, waren die Fans entsetzt. Und während die Leistung des Sportwagens ab Werk gedrosselt wurde, bekam der seine Pferdestärken bei Ruf wieder neu verliehen und um einiges mehr gesteigert. So gelangte Ruf immer mehr ins Rampenlicht.

Kompromisslose aerodynamische Effizienz

Die strömungsgünstige Silhouette zeichnet alle Ruf-Fahrzeuge aus: eine windschlüpfige Carbonfaser-Karosserie über einem integrierten Stahlrohr-Überrollkäfig und einem reduzierten Interieur. Ein Fußabdruck, der dem Hochleistungskonzept entspricht. Wenn Alois Ruf seine Geschichte erzählt, dann hängen daran immer auch die Geschichten der Fahrzeuge, die in die Ruf- Werkstatt hinein und völlig verändert wieder heraus rollen.

Aber Alois Ruf ist auch ein Autovisionär und zeigt mit dem eRuf Roadster auf Porsche 911-Basis, dem ersten elektrisch angetriebenen Sportwagen aus Deutschland, wie „Emotionen ohne Emissionen“ funktionieren. Der eRuf sei für ihn kein ökologisches Feigenblatt, sondern ein Herzenswunsch, sagt er in einem Interview mit der „WirtschaftsWoche“, und beteuert: Ich sehe unser Engagement als nachhaltige Investition in eine Antriebstechnologie, die nicht nur durch ihr geballtes Drehmoment aus dem Stand das Herz eines jeden Sportwagenfahrers höher schlagen lässt, sondern die auch ökologisch richtig und sinnvoll ist.

Den Hybridantrieb mit Elektro- und Verbrennungsmotor sieht er kritisch: „Der Hybrid überzeugt mich nicht, weil ich zwei Antriebsarten spazieren fahren muss. Das ist Unsinn. Das Einzige, was ich mir für die Übergangszeit vorstellen könnte, bis die Ladeinfrastruktur und leistungsfähigere Batterien da sind, ist die Lösung, im Elektrofahrzeug einen kleinen Motor als Reichweitenverlängerer unterzubringen.“

Doch mit dem eRuf ist seine visionäre Autozukunft noch nicht vollkommen: „Eines Tages will ich ein Fahrzeug fahren – betrieben aus eigener Wasserenergie“, erzählt er dem Projekt „The Hidden Champion”. So abwegig wie es zunächst klingt ist das nicht, denn als Betreiber mehrerer Kraftwerke sitzt Ruf an der (Energie-)Quelle und schwärmt: „Wir verkaufen nicht nur die Autos, wir erzeugen zugleich die für das emissionsfreie Fahren benötigte Energie: Seit 15 Jahren betreiben wir vier Wasserkraftwerke mit zusammen 32 Megawattstunden Leistung.“ Das reiche, um 3.500 eRuf Roadster pro Jahr jeweils 40.000 Kilometer weit fahren zu lassen. „Der Gedanke der Freiheit macht unsere Marke so wertvoll.“

Und so will Ruf auch in Zukunft die Pole-Position halten, wenn es um die Balance zwischen zeitgemäßer Technik und emotionaler Retrospektive geht. (mr)


Ein Erlebnis der besonderen Art

Ein Sportwagen mit dem RUF-Signet steht für das leidenschaftliche Bekenntnis zum Automobil, für Veredelung und Individualisierung. An der Spitze der Manufaktur für Hochleistungsautomobile aus Pfaffenhausen steht Alois Ruf. Der Auto-Fan ist tief in seinem Herzen ein echter Purist. Doch auch Ruf hat eine visionäre Autozukunft vor Augen und zeigt mit dem eRuf als ersten elektrisch angetriebenen Sportwagen aus Deutschland, wie „Emotionen ohne Emissionen“ funktionieren. Michael Reubold befragte Alois Ruf zu seiner automobilen Leidenschaft und zur Zukunft der Mobilität.

CHEManager: Herr Ruf, steht automobile Höchstleistung, stehen Sportwagen im Widerspruch zu den Zielen des Umwelt- und Klimaschutzes?

A. Ruf: Automobile Höchstleistung steht meines Erachtens nicht im Widerspruch zu den Zielen des Umwelt- und Klimaschutzes. Es geht bei den Sportwagen darum, ein automobiles Kunstwerk und technisches Höchstleistungsfahrzeug darzustellen, das immer wieder auch ein Ideenspender für Großserienfahrzeuge ist. Dies hat sich im Rückblick auf die Vergangenheit immer wieder gezeigt.

Der zunehmende Individualverkehr führt aber zu erhöhten Schadstoffemissionen, zu verstopften Innenstädten und zu immer mehr Geschwindigkeitsbegrenzungen …

A. Ruf: Die natürliche Geschwindigkeitsbegrenzung ist unser Verkehrsaufkommen. Die Tatsache, dass wir theoretisch noch freies Fahren haben, was wir auch in wenigen Momenten immer wieder praktizieren können, fördert unser Image in anderen Märkten, z.B. Fernost oder USA, um den Autos deutscher Herkunft immer noch den höchsten Status zu geben und somit den Vorzug gegenüber Produkten aus dem Ausland.

Für junge Menschen gilt ein eigenes Auto immer seltener als erstrebenswertes Statussymbol. Beunruhigt Sie das?

A. Ruf: Der junge Mensch, der das Auto als Statussymbol und ein Stück Lebensfreude anstrebt, den gibt es nach wie vor auf anderen Kontinenten, und dem können wir unseren Traum von High-Tech in Verbindung mit Historie und Hochleistung verkaufen.

Ein Auto-Trend ist die Integration von Informations- und Kommunikationstechnik bis hin zum autonomen Fahren. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Mobilität aus?

A. Ruf: Das Thema Informations- und Kommunikationstechnik, das zum autonomen Fahren führen wird, wird kommen. Gleichzeitig wird eine kleinere Gruppe von Automobilisten es genießen mit einem Fahrzeug interaktiv zu agieren.

Nicht erst seit „Diesel-Gate“  wird über neue Antriebskonzepte nachgedacht. Mit dem „eRuf“ haben Sie den ersten elektrisch angetriebenen Sportwagen in Deutschland entwickelt. Welches Antriebskonzept wird sich Ihres Erachtens in der Zukunft durchsetzen?

A. Ruf: Das Thema eRUF haben wir vor knapp 10 Jahren schon praktiziert. Ich glaube weiterhin, dass das rein elektrische Auto Zukunft haben wird.

Gerade für die Elektromobilität muss das Fahrzeuggewicht konsequent reduziert werden, ohne dass dafür Kompromisse bei Sicherheit und Komfort gemacht werden. Welche Rolle spielen moderne Leichtbaumaterialien für den Fahrzeugbau?

A. Ruf: Neue Konstruktionsmaterialien wie Carbon und ähnlich revolutionäre Werkstoffe werden in der Zukunft sowohl bei Fahrzeugen mit Elektroantrieb als auch beim Auto mit Verbrennungsmotor weiter Einzug halten.

Was bedeutet Autofahren für Sie?

A. Ruf: Nachts von München aus ohne Geschwindigkeitsbegrenzung eine Ausfahrt machen. Das ist dann eine reine Genussfahrt, ohne andere zu gefährden, ein individuelles Erlebnis der besonderen Art.

Und was ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?

A. Ruf: Ich glaube es gibt kein Geheimnis, sondern nur das typische deutsche Familienunternehmen des Mittelstands. Wir leben ehrbares Unternehmertum – und machen unsere Geschäfte per Handschlag.

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