Anlagenbau & Prozesstechnik

Enterprise-Mobility-Trends

Mobile Datengewinnung im Ex-Bereich

28.06.2017 -

Belastbare Analysen und Auswertungen von Anlagenzustand und Prozessqualität erfordern ein lückenloses Datennetz, das sich auch über Ex-Bereiche erstreckt. Was dürfen wir von den Anbietern erwarten, und wie lässt sich der Produktivitätsgewinn beschleunigen?

Der Wunsch nach dem Blick in die Glaskugel ist so alt wie die Menschheit. In der Verfahrenstechnik ist der Wunsch zum Greifen nah. Entwicklungen wie Mobile Enterprise, Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge (IoT) machen es heute technisch möglich, Anlagen zustandsbasiert statt turnusmäßig zu warten und rechtzeitig in Prozesse einzugreifen, bevor es zu teuren Stillständen oder ungewollten Produktbeeinträchtigungen kommt. Die dafür notwendigen Echtzeitanalysen und Datenauswertungen sind jedoch nicht ohne eine durchgängige Informationsbasis einschließlich der Ex-Bereiche. Genau dort ist der Bedarf an einer passenden Infrastruktur am größten.

Wo stehen wir heute?
Zwar gibt es inzwischen viele Mobilgeräte mit entsprechender Zertifizierung am Markt. Die entscheidende Frage ist aber, wie sich die beabsichtigte Vernetzung der Anlagen in den Ex-Bereichen nicht nur gesetzeskonform, sondern auch wirtschaftlich abbilden lässt. Weder IT-Administratoren noch Einkäufer haben ein Interesse daran, verschiedene Plattformen für Ex- und Nicht-Ex-Bereiche anzuschaffen. Ebenso wenig freuen sich Anwender, wenn sie beim Zonenwechsel ihr Gerät wechseln müssen. Um dem Standardisierungstrend in den Unternehmen zu folgen, hat Bartec mit der Agile X Linie eine systemisch durchgängige Mobility-Plattform auf den Markt gebracht, die unterschiedliche Anforderungen wie Leistung, Displaygröße und Betriebssystem abdeckt. Egal ob Zone 1, 2 oder Nicht-Ex – das Mobile Device Management und das Infrastrukturequipment ist bei jedem Gerät der Agile X Familie einheitlich.

Was können wir schon?
Eine ebenso wichtige Voraussetzung für Predictive Maintenance im Ex-Bereich stellen Gesamtlösungen aus Mobilgerät, Software, Service und Infrastruktur dar. Ein Mobilgerät mit Atex-Zertifizierung ist schließlich noch keine Applikation. Alles muss zusammenpassen. Um schnell innovative Lösungen hervorzubringen, arbeitet Bartec eng mit Software-Partnern und Systemintegratoren zusammenarbeiten. Beispiele für erfolgreiche Projekte sind die integrierte Scan-Engine der Agile X Geräte oder das optionale Erweiterungsmodul zum Auslesen Hart-kompatibler Feldgeräte. Als Ergebnis einer Kooperation mit dem Systemintegrator eVision ist, unterstützen dessen mobile Control of Work-Anwendungen alle Möglichkeiten der modernen Bartec-Technologie, einschließlich Barcode- und RFID-Scanning.

Was werden wir morgen können?
Mit einer solch abgestimmten Kombination aus Hard- und Software können die Unternehmen nicht nur ihre Arbeitsprozesse im Feld signifikant verkürzen, sondern auch den Datenhunger von Predictive Maintenance effektiv stillen. Viel Potential liegt dabei in der visuellen Datenerfassung. In absehbarer Zukunft könnte eine Bilderkennungssoftware die Aufzeichnungen einer Ex-geschützten Helmkamera automatisch auswerten, und so noch während des Kontrollgangs Korrosionsvorgänge identifizieren, durch Bildvergleiche bewerten. Die Ausführung automatisch generierter Checklisten könnten wiederum von der Helmkamera protokolliert und mit Bildern dokumentiert werden. Die Hardware für diese Szenarien ist bereits verfügbar. Bartecs Helmkamera Orbit X kann Bilder in HD-Qualität erfassen, für die Objektverortung stehen den Nutzern ein integrierter Laserpointer und GPS in Verbindung mit dem Smartphone Impact X zur Verfügung. In Kombination mit dem eingebauten Mikrofon und einer Spracherkennungssoftware ließen sich dabei auch körperliche Gefahren weiter verringern. Bei sichtbaren Schäden müsste der Feldarbeiter so gar nicht erst stehenbleiben, um den Schaden zu dokumentieren, sondern könnte dies mündlich im Vorbeigehen tun. Die Hardware-Plattform ist hierfür vorbereitet.

Welche Interfaces werden wir sehen?
Keine Frage, die Hardware rückt immer näher an den Feldarbeiter heran. Smartphones, Tablets und Helmkameras bringen vielfältige Anwendungen ins Feld, die vom mobilen Büro bis hin zu Kollaborationstools reichen. Selbst Augmented-Reality-Anwendungen (AR) sind damit heute schon möglich. Die vielbeachtete Datenbrille steckt allerdings noch in den Kinderschuhen und wirft zudem praktische Probleme auf. Denn Menschen mit Sehschwäche bekämen durch sie eine zusätzliche Brille fürs Feld, die sie bei Bedarf aufsetzen und anschließend wieder sicher verwahren müssten. Die Augen wären nicht dauerhaft geschützt, die Hände nicht durchgehend frei. Eine aus heutiger Sicht praktikable und kostengünstigere Lösung ist ein am Unterarm befestigtes Smartphone, das drahtlos mit einer Helmkamera verbunden ist. Eine elegante Lösung mit hohem Inte­grationsgrad könnte künftig ein Implantat für Standardhelme bilden, das die AR-Informationen ins Sichtfeld einblendet.

Welche Infrastruktur ist notwendig?
Die Bereitschaft seitens der Belegschaft, neue Interfaces auszuprobieren, wird angesichts der vielen Digital Natives weiter zunehmen. Akzeptanzfördernd wirkt sich ferner eine gute Nutzenargumentation aus, die klar benennt, welche operativen Entlastungen und welcher Mehrwert mit den neuen multifunktionellen Mobilgeräten und Applikationen verbunden ist. Seitens der Infrastruktur gibt es ebenfalls einiges zu beachten. Während aber die Bandbreite keine große Herausforderung darstellt – WiFi, 3G (UMTS) oder 4G (LTE) sind in der Praxis völlig ausreichend – besteht die Herausforderung eher darin, allen Stahlkonstruktionen zum Trotz eine flächendeckende Netzabdeckung für die Datenkommunikation sicherzustellen. Auch in diesem Bereich ist Bartec weit vorangeschritten und kann heute schon Komplettlösungen aus einer Hand bieten.

Welche Hürden gilt es noch zu beseitigen?
Bis eine mobile Lösung qualifiziert und tatsächlich eingeführt ist, können heute viele Monate ins Land gehen. Die Entscheidungsfindung ist komplex und führt vom Einkauf und der IT-Abteilung über den Arbeitsschutz und Betriebsrat bis hin zu den Führungskräften und Feldarbeitern. Wer zu viel Zeit damit verbringt, mindert aber den Mehrwert der Technik für die gewünschte Produktivitätssteigerung. Um den Prozess zu beschleunigen wäre es wünschenswert, dass die Branchen solch wiederkehrende Qualifikationsverfahren standardisieren. Entsprechenden Initiativen unterstützt Bartec gerne. Um den einzelnen Unternehmen Arbeit abzunehmen, lässt Bartec alle angebotenen Lösungen bereits im Vorfeld von Softwareanbietern verifizieren und bietet zudem Beratungsleistungen an, etwa um über die besonderen gesetzlichen Bestimmungen und Pflichten im Zusammenhang mit dem Ex-Schutz aufzuklären. Internationalen Unternehmen sei unterdes empfohlen, drei bis vier zentrale Anwendungsfälle zu erarbeiten, die sie an den verschiedenen Standorten mit den vorgesehenen Geräten konkret weiterentwickeln. So entsteht am Ende eine wirtschaftliche und praxisnahe Lösung.

Daten sammeln, aber mit Sicherheit!
Die Tools, um über Ex-Zonen hinweg eine solide Datenbasis für Predictive Maintenance zu legen, sind schon heute verfügbar. In Zukunft werden wir viele neue Entwicklungen sehen, mit der sich Daten im Feld umfangreich und effizient sammeln lassen. Die Arbeitswelt wird so noch produktiver werden. Eines darf dabei aber nie vergessen: An erster Stelle steht im Ex-Schutz immer die Sicherheit der Mitarbeiter und nicht der Preis. Diesen Grundsatz gilt es bei allen Zukunftsentscheidungen stets zu beachten, denn dem Betreiber der Anlage obliegt die Bewertung der Sicherheit der mobilen Geräte.

Kontakt

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