Kampf dem Krebs

Knapp die Hälfte aller Krebspatienten wird geheilt - neue Therapieansätze machen Hoffnung

  • Auch hier findet der Kampf gegen den Krebs statt: Der Ausbau der Pharmaproduktion ist die größte Investition der letzten Jahre am Roche-Standort Penzberg. Auch hier findet der Kampf gegen den Krebs statt: Der Ausbau der Pharmaproduktion ist die größte Investition der letzten Jahre am Roche-Standort Penzberg.
  • Auch hier findet der Kampf gegen den Krebs statt: Der Ausbau der Pharmaproduktion ist die größte Investition der letzten Jahre am Roche-Standort Penzberg.
  • Pharmaproduktion bei Roche Biologics. In Penzberg produziert Roche Wirkstoffe für verschiedene biologische Medikamente, u.a. die Wirkstoffe für die Krebsmedikamente Herceptin und Gazyvaro.
  • Das Krebsmedikament Gazyvaro enthält den bei Roche in Penzberg hergestellten Wirkstoff Obinutuzumab, einen humanisierten monoklonalen Antikorper.

Die Krebstherapie hat große Fortschritte gemacht. Ermöglicht wurde dies vor allem durch die Entwicklung biopharmazeutischer Arzneimittel und gezielt wirkender Antikörper. Doch der Kampf gegen die Krankheit ist noch nicht gewonnen, die Entwicklung in den Forschungslaboren geht weiter: Vor allem die Kombination existierender Krebsarzneien führt teilweise zu erstaunlichen Ergebnissen.

Die Ärztin Tjoung-Won Park Simon kann ihre Begeisterung kaum zurückhalten: Sie zeigt Grafiken mit abnehmenden Kurven und Fotos, auf denen erst deutlich dunkle Flecken zu sehen sind, während diese auf dem nächsten Bild fast nicht mehr zu erkennen sind. Bestimmte Arten von Brustkrebs, stellt Park Simon fest, können heute gut behandelt werden. Das sei teilweise so normal geworden, dass junge Assistenzärzte den Tumor vielfach nicht mehr als hoch aggressiv wahrnehmen. Möglich machten diese Fortschritte moderne Krebsarzneien, die in Kombination mit einer Chemotherapie verabreicht werden.

Die Universitätsprofessorin Park Simon ist Bereichsleiterin der Gynäkologischen Onkologie und stellvertretende Direktorin der Frauenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie spricht auf einer Veranstaltung des Pharmakonzerns Roche; insofern muss man ihre Begeisterung für die von ihr gepriesenen Krebsmedikamente des Schweizer Konzerns etwas zurechtrücken. Es ist anzunehmen, dass sich das Unternehmen keine kritischen Mediziner zu einer hausinternen Veranstaltung einladen würde.

Erstaunliche Ergebnisse

Andererseits sehen die Resultate, die Park Simon aus der medizinischen Praxis präsentiert, erstaunlich aus: Die Zahl der Rezidiven, also das Wiederauftreten der Krankheit nach einer Krebsbehandlung, ist nach ihren Worten stark zurückgegangen. Die Ärztin verweist auf Studiendaten, wonach sieben von zehn Frauen nach einer Behandlung krankheitsfrei leben. „Im Vergleich zu vielen anderen Tumorentitäten gibt es beim frühen Brustkrebs eine Chance auf Heilung“, sagt Park Simon.

Auch die Behandlung des Non-Hodgkin-Lymphoms, einer schweren Erkrankung des lymphatischen Systems, hat große Fortschritte gemacht.

Langzeitüberleben, eine Chronifizierung der Krankheit, aber auch eine Heilung sind mittlerweile die standardmäßigen Therapieziele. Dr. Martin Dreyling, Professor für Immuntherapie und Molekularbiologie sowie Oberarzt an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III der Ludwig-Maximilians Universität München, berichtet, dass bei Anwendung der Standardtherapie aus Antikörper und Chemotherapie die Krankheit in vielen Fällen um fünf bis sieben Jahre zurückgedrängt werden könne. Einer von fünf Patienten sei nach der Therapie sogar gänzlich krankheitsfrei.

Jährlich erkranken in Deutschland rund eine halbe Million Menschen an Krebs. Während Frauen am häufigsten von Brustkrebs betroffen sind, ist bei Männern meistens die Prostata die Ursache. Doch die Chancen auf Heilung stehen heute so gut wie nie zuvor. Wissenschaftler verstehen immer besser, wie Krebs entsteht und entwickeln mithilfe dieser Erkenntnisse gezielt wirksame Therapien. Während in den 1960er Jahren nur einer von drei Krebspatienten seine Erkrankung überlebte, wird heute wird etwa jeder zweite geheilt. Die Berliner Krebsgesellschaft ist zuversichtlich, dass künftig noch mehr Menschen eine Krebserkrankung überleben werden; möglicherweise werde man sogar die Entstehung bösartiger Tumore verhindern können - führende Forscher sind nach Angaben der Gesellschaft relativ optimistisch. Bereits im vergangenen Jahr erklärte Ulrich Keilholz vom Comprehensive Cancer Center der Berliner Charité: „Wir erleben derzeit eine Revolution in der Krebstherapie“. Ähnlich positiv äußerte sich auch Thomas Seufferlein von der Universitätsklinik in Ulm: „Wir können sicher sagen, dass es deutliche Fortschritte in der Behandlung gibt.“ Und Prof. Otmar D. Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft sowie bis 2015 Vorsitzender des Stiftungsvorstandes des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg, stellt fest, dass dank der Fortschritte in der Krebsmedizin Tumorpatienten heutzutage in aller Regel über längere Zeit gut mit ihrer Erkrankung leben können.

Intelligente Kombinationen

Besonderes Potenzial sieht Wiestler darin, das Krebsgewebe eines einzelnen Patienten detaillierter zu studieren und auf dieser Grundlage gezielter behandeln zu können. Dabei werden intelligente Kombinationen von herkömmlichen und neuen Therapieverfahren nach seiner Einschätzung viele der zurzeit noch ungünstig verlaufenden Krebserkrankungen in eine chronische Krankheit umwandeln.

Diesen Ansatz verfolgt auch Roche. Der Konzern setzt bspw. auf die Weiterentwicklung bestehender Antikörper. Dabei handelt es sich um hochkomplexe Molekülstrukturen, die aus lebenden Zellen gewonnen werden. Basis für die Herstellung ist ein Masterzellklon bzw. eine Masterzellbank, aus der immer wieder Zellen zur Teilung entnommen werden. Diese Zellen wiederum sekretieren den Antikörper in eine Kulturflüssigkeit, woraus er schließlich zum hochreinen Medizinprodukt aufgereinigt wird.

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Bereits kleine Veränderungen in dieser unübersichtlichen Zellstruktur können große Effekte in der Wirkweise haben, wie Dr. Thomas Link, Director Cell Culture Process Development von Roche Diagnostics, am Beispiel des Wirkstoffes Obinutuzumab erläutert. Durch eine gezielte Reduzierung eines kleinen Fukose-Zuckers könne eine Rezeptor-vermittelte Aktivierung von Immunzellen bewirkt werden. Dadurch werde die Vernichtung bösartiger B-Lymphozyten bei Chronisch Lymphatischer Leukämie (CLL) verbessert.

Auch die Kombination von Antikörperfragmenten ermöglicht neue therapeutische Ansätze. Auf diese Weise, so Link, könne die Aktivierung des körpereigenen Immunsystems gegen Krebs verbessert werden. Nach Ansicht von Onkologieprofessorin Park Simon bildet bspw. das Roche-Krebsmittel Herceptin als Kombinationspartner von Perjeta, einem anderen Onkologiepräparat, die Basis für die Weiterentwicklung der Therapie des HER2-positiven Brustkrebses.

Diesen Weg schlagen auch andere Pharmaunternehmen ein. Nach Informationen des Branchendienstes Pharmexec.com seien zahlreiche Firmen derzeit dabei, die Wirkung derartiger Kombinationen in der Praxis zu testen und nachzuweisen. Für die Entwickler gehe es nun darum herauszufinden, bei welchem Krebstyp und bei welchen Patienten der Einsatz dieser Combos Sinn mache.

Gefüllte Pipelines

Die Pipelines mit neuen Präparaten sind jedenfalls gut gefüllt. So wird Roche allein in diesem Jahr sieben Zulassungsanträge für neue Krebsarzneien bzw. neue Indikationen bereits existierender Arzneimittel stellen. Im nächsten und übernächsten Jahr stehen jeweils sechs Onkologie-Zulassungsanträge auf dem Plan, für das Jahr 2020 schließlich zehn.

Damit befinden sich die Schweizer in guter Gesellschaft. Die gesamte Branche arbeitet mit Hochdruck an Therapieansätzen der Zukunft: Die Genschere CRISPR/Cas, der Trend zur personalisierten Medizin und die Immuntherapie haben die Forschung dabei zuletzt deutlich vorangebracht. Allein für Deutschland rechnet der Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) im laufenden Jahr mit der Markteinführung von mindestens 30 Medikamenten mit neuem Wirkstoff. Rund ein Drittel davon dürfte gegen verschiedene Krebsarten gerichtet sein. Für künftige Krebspatienten sind das hoffnungsvolle Signale.

Lesen Sie auch das CHEManager-Interview mit Dr. Stefan Frings, Medical Director bei Roche Pharma.

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