Strategie & Management

Forschungskooperationen für Innovationen und Nachhaltigkeit

Interview mit Prof. Thomas Müller-Kirschbaum von Henkel

23.01.2014 -

Nachhaltigkeit beim Waschen und Reinigen bedeutet nicht nur, dass effektivere Wasch- und Reinigungsmittel entwickelt werden. Es bedeutet z. B. auch, dass die Temperatur beim Waschgang und der Wasserverbrauch gesenkt werden, dass vermehrt Enzyme zum Einsatz kommen und dass die Ressourceneffizienz erhöht wird. Welche Wege Henkel im Bereich Wasch- und Reinigungsmittel für mehr Nachhaltigkeit geht, erfragte CHEManager von Prof. Thomas Müller-Kirschbaum, Leiter der Forschung und Entwicklung im Unternehmensbereich Laundry & Home Care bei Henkel. Die Fragen stellte Dr. Birgit Megges.

CHEManager: Herr Prof. Müller-Kirschbaum, welche Fragestellungen stehen bei Ihnen derzeit zur Nachhaltigkeitssteigerung im Wasch- und Reinigungsmittelsektor im Vordergrund?

T. Müller-Kirschbaum: Unsere gesamten Aktivitäten richten sich an der Henkel-Nachhaltigkeitsstrategie „Mit weniger Ressourcen mehr erreichen" aus. Innerhalb von 20 Jahren, also bis 2030, wollen wir unsere Effizienz um den „Faktor 3" steigern. Das bedeutet, dass wir den Wert verdreifachen wollen, den wir mit unserer Geschäftstätigkeit im Verhältnis zu unserem ökologischen Fußabdruck schaffen. Daran richten sich alle Tätigkeiten des Unternehmens aus, so auch Produkte aus unserer Innovationspipeline: Alle neuen Produkte tragen zum Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit bei, indem sie den Wertbeitrag durch höhere Leistung steigern und den ökologischen Fußabdruck durch Einsparung bei Energie-, Wasser- und Materialverbrauch bzw. durch Reduktion von Abfall und Abwasser verringern. Bei Wasch- und Reinigungsmitteln entstehen bis zu 70 % des ökologischen Fußabdrucks während der Anwendung. Daher fokussieren sich unsere Forschungsthemen insbesondere auf intelligente Chemie, die bei niedrigerer Anwendungstemperatur gleiche oder zum Teil sogar bessere Leistung erbringt.

Gibt es Beispiele für Produkte, die Sie vor diesem Hintergrund entwickelt haben?

T. Müller-Kirschbaum: Ein Beispiel im Bereich Laundry ist Persil Duo-Caps mit der innovativen Kalt-Aktiv Formel, die durch die neue Angebotsform gleichzeitig bis zu 70 % Verpackungsmaterial einspart und den ökologischen Fußabdruck insgesamt um 15 % reduziert. Unsere Innovation WC Frisch Kraft-Aktiv im Segment der Toilettenreiniger spart nicht nur 55 % Verpackung ein, sondern ermöglicht zudem, den Energieverbrauch bei der Herstellung um 20 % zu reduzieren. Dies sind nur zwei Beispiele für die Ergebnisse unserer intensiven Forschung für mehr Nachhaltigkeit.

Inwieweit spielen die Forschungspartnerschaften, die Sie mit Universitäten und Forschungsinstituten pflegen, bei der Lösung dieser Fragestellungen eine Rolle?

T. Müller-Kirschbaum: Um bei geringerer Dosierung mindestens die gleiche Produktleistung zu gewährleisten, benötigen wir stets die innovativsten Inhaltsstoffe, seien es Polymere, Enzyme oder Katalysatoren. Unser Forschungsaustausch mit Universitäten und Forschungsinstituten, wie zum Beispiel Fraunhofer oder Max-Planck, sind dabei unverzichtbar, um den Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen zu gewährleisten.

Welche Vorteile haben diese Kooperationen gegenüber der Henkel-internen Forschungsabteilung? Sind es bestimmte Fragestellungen, die Sie außer Haus geben?

T. Müller-Kirschbaum: Insbesondere mittel- und langfristige, das heißt grundlegende Forschungsthemen, bearbeiten wir gemeinsam mit Universitäten und Instituten. Die spätere innovative Kombination mit bestehenden Technologien und die Übertragung in die Anwendung setzen wir im eigenen Hause um. Die Vorteile der Universitäten und Forschungsinstituten ist die große Nähe zur und Integration in die Grundlagenforschung.

Im Jahr 2009 haben Sie ein Technology Advisory Board ins Leben gerufen. Wie haben Sie das Gremium zusammengestellt? Aus welchen Forschungsbereichen stammen die Mitglieder?

T. Müller-Kirschbaum: Das Technology Advisory Board besteht aus acht international anerkannten Hochschullehrenden. Dieses Expertenteam verfügt über die umfassende Expertise, die für Innovationen relevant ist - von der Verfahrens- über die Biotechnologie, die verschiedenen chemischen Disziplinen bis hin zur Naturstoffchemie und Allergologie.

Welche Ziele verfolgen Sie im Rahmen der Zusammenarbeit mit dem Technology Advisory Board?

T. Müller-Kirschbaum: Die Zusammenarbeit mit dem Technology Advisory Board dient dem interdisziplinären Austausch zu aktuellen Forschungsthemen. Dabei werden der aktuelle Stand der Forschung und neue Ansätze ebenso wie sich verändernde Konsumentenbedürfnisse und zukünftige Anforderungen an Wasch- und Reinigungsmittel diskutiert. In diesem Jahr standen unter anderem die Themen Ressourceneffizienz, Kompaktierung und Hygiene im Mittelpunkt der Zusammenarbeit. Das Technology Advisory Board ist eines von mehreren Instrumenten, das sicherstellt, dass wir unsere strategische langfristige Orientierung nicht nur intern definieren, sondern - ganz im Sinne von Open Innovation - extern benchmarken und inhaltlich optimieren. Darüber hinaus berät das Technology Advisory Board bei der Auswahl der Nachwuchswissenschaftler, die Henkel mit dem jährlich verliehenen Laundry & Home Care Research Award auszeichnet.

Können Sie konkrete Beispiele nennen, bei dem Forschungspartnerschaften bereits zu einem neuen bzw. verbesserten Produkt geführt haben?

T. Müller-Kirschbaum: Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung in Golm haben wir die Wechselwirkungen von Tensiden und maßgeschneiderten Polymeren optimiert. Insbesondere das Verständnis der molekularen Wechselwirkungen dieser Polymere mit den verschiedenen Textil- und Faseroberflächen hat uns zu verbesserten Formulierungen geführt
Etwas weiter zurück liegt die Zusammenarbeit mit dem Biotechnologie-Unternehmen Brain. Das Ziel dieser Kooperation bestand in der Entwicklung von neuartigen, bei niedrigen Temperaturen aktiven Enzymen.
Die Ergebnisse dieser und weiterer Forschungskooperationen lagen beispielsweise bei der Entwicklung der neuen „Kalt-Aktiv - Leuchtkraft Formel" unseres Universalwaschmittels Persil zugrunde.

In diesem Jahr haben Sie eine Forschungskooperation mit c-LEcta begonnen. Welche Ziele stehen im Fokus dieser Zusammenarbeit?

T. Müller-Kirschbaum: In dem gemeinsamen Forschungsprojekt mit c-LEcta sollen neue Enzyme zur Entwicklung nachhaltigerer Waschmittel identifiziert werden. Im Fokus steht die noch bessere Entfernung von hartnäckigen Flecken, die für Verbraucher besonders relevant sind. Dazu identifiziert und verbessert c-LEcta geeignete Enzyme mithilfe ihrer firmeneigenen Technologie. Henkel überträgt diese Ergebnisse daraufhin exklusiv in nachhaltige Produktinnovationen.

Gibt es neben der Forschung noch zusätzliche Kooperationen aus anderen Bereichen mit dem Ziel der Nachhaltigkeitsoptimierung?

T. Müller-Kirschbaum: Unsere Industriepartner sind die zweite starke Säule bei Kooperationen für Innovationen und Nachhaltigkeit. Sie haben uns in den letzten Jahren vor allem bei kurz- und mittelfristigen Entwicklungen stark unterstützt. Um dies weiter voranzutreiben und einen zusätzlichen Anreiz für unsere Partner aus der Industrie zu schaffen, verleihen wir einmal im Jahr den Sustainability Award für die jeweils besten Beiträge. In den letzten beiden Jahren wurden die Unternehmen BASF und Monosol damit ausgezeichnet.

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