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Dieter Rauschenbach & Wolfgang Szczerba: Pharmatec Integration

26.01.2011 -

er Rauschenbach & Wolfgang Szczerba: Pharmatec Integration - Bosch Packaging Technology hat vor gut einem Jahr, im Juli 2007, Pharmatec in Dresden von Fresenius Proserve übernommen. Zu dieser Transaktion gehörte auch die Pharmatec-Tochter Schoeller-Bleckmann Medizintechnik mit Sitz in Österreich. Mittlerweile ist die Integration des Unternehmens in die Bosch-Gruppe umgesetzt. Pharmatec ist ein mittelständischer Anlagenbauer für die Pharma- und Biotech-Industrie mit Fokus auf hygienische und sterile Prozesstechniken; im Geschäftsjahr 2006 erzielte das Unternehmen mit rund 160 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 30 Mio. €. CHEManager befragte die beiden Geschäftsführer Klaus Dieter Rauschenbach und Wolfgang Szczerba, der gleichzeitig Produktbereichsleiter Pharma bei Bosch Packaging Technology ist, zu den Zielen der Übernahme, der Integration in die Bosch-Gruppe und der weiteren Strategie. Das Gespräch führte Dr. Dieter Wirth.

CHEManager: Herr Szczerba, was waren die Gründe für Bosch Packaging Technology, Pharmatec zu übernehmen? Wie passt das Produktportfolio zusammen?

W. Szczerba: Die pharmazeutische Prozesstechnik wächst immer näher an das Geschäft von Bosch Packaging Technology mit Maschinen und Anlagen für den Bereich Fill and Finish, heran. Die Pharmaproduktion, vor allem aber die Produktaufbereitung mit Pharma-Ansatzlinien, CIP-/SIP-Systemen oder die Produkt-Sterilisierung mit Autoklaven sind mit den Verpacklungslinien sozusagen gekoppelt. Bosch ist Komplettanbieter und somit in der Lage, dem Kunden Lösungen aus einer Hand anzubieten. Zusammen können Bosch und Pharmatec bzw. Schoeller-Bleckmann optimierte Gesamtsysteme bzw. ganze Produktionslinien anbieten. So gesehen passen sowohl Pharmatec wie auch Schoeller-Bleckmann gut zu Bosch. Natürlich glauben wir auch, dass dieses Geschäftsfeld große Wachstumspotentiale bietet.

Die Integration von Pharmatec in Bosch Packaging Technology ist mittlerweile umgesetzt. Wie ging sie vor sich? Was waren die Zielsetzungen?

W. Szczerba: Durch die große Erfahrung mit Firmenakquisitionen und deren Integration in das Gesamtunternehmen auf Seiten von Bosch verfügen wir über gute Instrumentarien, diese Integrationsprozesse professionell umzusetzen. Es wurden gemeinsame Arbeitsgruppen gebildet und ein Steuerkreis ins Leben gerufen. Wir haben die gesetzten Ziele erfüllt und teilweise sogar mehr erreicht, als ursprünglich geplant. Generell ist es unsere Strategie, eine möglichst große Selbständigkeit des integrierten Unternehmens zu erhalten und Synergiepotentiale zu nutzen

K. Rauschenbach: Von der Pharmatec-Seite aus gesehen sind wir mit der Integration und dem Ablauf dieses Prozesses sehr zufrieden. Wir haben bei der Integration auf Augenhöhe mit Bosch gesprochen, die Synergien für Bosch und Pharmatec sind vorhanden, und sie bieten besonders für die Kunden Vorteile. Hierbei sei das Stichwort One-Stop-Shopping zu nennen, Lösungen aus einer Hand.

Mit welcher Zielsetzung/Strategie geht die Bosch-Tochter Pharmatec jetzt vor? Auf welches Portfolio ist das Unternehmen ausgerichtet?

K. Rauschenbach: Das bestehende Produktportfolio von Pharmatec bleibt erhalten. Für die weitere Ausrichtung und Entwicklung steht stets die Frage im Vordergrund, wie wir unser Portfolio strategisch mit der Verpackungstechnik und der Isolatortechnik von Bosch verknüpfen können, um damit Vorteile für die Kunden zu erzielen. Diese Überlegungen gehen auch in das Projekt- und Schnittstellenmanagement, sie sind aber noch nicht ganz abgeschlossen. Zwischenzeitlich können wir sagen, dass das Produktportfolio mit anderen Innovationen erweitert wird und wir eine stärkere Präsenz im Anlagenbau zeigen wollen.

W. Szczerba: Wie können wir Kundennutzen generieren und damit für den Kunden Mehrwert schaffen - diese Frage bestimmt unsere Vorgehensweise. Dabei berücksichtigen wir natürlich die Veränderungen in der Pharmabranche, etwa das verstärkte Outsourcing mit Fokussierung auf die Kernkompetenzen der API-Entwicklung und Vermarktung. Mit Bosch kann Pharmatec globaler agieren. Unsere Produktstrategie zielt darauf ab, die technologische Marktführerschaft wo immer möglich zu erreichen oder weiter auszubauen. Zur Globalisierung des Geschäfts wird unter anderem eine stärkere Standardisierung des Produktportfolios beitragen. Dabei ist die Gesamtlinienbetrachtung des Produktportfolios von Bosch Packaging Technology wichtig, genauso wie der erweiterte Kundennutzen und die Kostenvorteile für die Kunden.

Dann wird sich also die Vertriebsstärke von Pharmatec stark erhöhen?

K. Rauschenbach: Ja, wir haben mit dem Vertriebs- und Servicenetz von Bosch Packaging Technology heute wesentliche größere Chancen im Auslandsgeschäft. Diese wollen wir für eine verstärkte Präsenz beim Kunden und für das Wachstum unseres Bereichs nutzen.

Die Denkweise in durchgehenden Produktions- und Fertigungslinien ist für Bosch Packaging Technology sehr wichtig. Wo kann man den Zusammenhang und den Nutzen für den Kunden konkret sehen?

W. Szczerba: Wenn man beispielsweise den Produktionsprozess von hochtoxischen Stoffen betrachtet, dann gibt es da sehr hohe Anforderungen an das Containment - von der Wirkstoffproduktion, der Aufreinigung, der Weiterverarbeitung in den Ansatzlinien bis hin zu den Abfüllmaschinen. Hier kann nun Bosch mit seinen geschlossenen Isolator- und Containmentsystemen durchgängige Konzepte anbieten. Solche Systeme schaffen Mehrwert für den Kunden. Es sind damit schnellere Chargenwechsel durch besser abgestimmte Funktionalität und Ergonomie möglich. Diese Gesamtsysteme erleichtern die Qualifizierung und Validierung und ermöglichen damit einen früheren Produktionsstart.

K. Rauschenbach: Wenn man ein solches Gesamtsystem konzipiert, dann gilt es die bisherigen Schnittstellen, etwa von der Ansatzlinie zur Abfüllung zu vereinfachen und durchgängiger zu machen. Dabei spielt das Containment eine entscheidende Rolle. In einem durchgängigen Produktionsverfahren sind die Faktoren Produktionssicherheit, Bedienerschutz, Reinigbarkeit, Monitoring verbunden mit schnellem Chargenwechsel und hoher Produktionsflexibilität von großer Bedeutung und müssen bereits frühzeitig in die Anlagenkonzeption einfließen. Unsere Aufgabe und Herausforderung ist, gemeinsam mit dem Kunden Lösungen zu erarbeiten, die den oben genannten Anforderungen entsprechen. One-Stop-Shopping von der Prozess- und Sterilisationstechnik über die Isolator und Containment-Technologie bis zum Bereich Fill and Finish bietet den Kunden Gesamtlinien mit hoher Zuverlässigkeit, Effizienz und Flexibilität.

Gibt es Pläne, in den Bereich von Pharmatec zu investieren?

W. Szczerba: Es wird in den Ausbau und die Weiterentwicklung des Produktportfolios und in den Ausbau der Fertigungskapazitäten bei Pharmatec investiert. Wir wollen noch in diesem Jahr mit dem Neubau der Pharmatec-Betriebsstätte in Dresden, ganz in der Nähe des jetzigen Firmensitzes, beginnen. Dadurch werden sich die Montageflächen auf rund 3.000 m2 verdoppeln.

Ausgehend von Reinstwasseranlagen über den Bau von Prozess-Systemen wie Ansatz-Anlagen für sterile Lösungen und CIP/SIP Systeme wurde nun auch der Markt für Bioreaktoren erschlossen. Wie ist der derzeitige Stand von Entwicklung und Bau von Bioreaktoren?

K. Rauschenbach: Es ist richtig, Bosch Packaging Technology hat mit Pharmatec den Markt der biotechnologischen Anlagen einschließlich der Fermentation erschlossen. Mit dieser Entwicklung zeigen wir unseren Kunden, dass wir die Kompetenz und das Know-how im pharmazeutischen Anlagenbau weiter ausbauen. Für Pharmatec sind weiterhin Reinstmedienanlagen, Prozess-Systeme und CIP-/SIP-Systeme von großer Bedeutung und bilden zusammen mit den Bio-Prozess-Systemen das Kerngeschäft. Ganz nach unserem One-Stop-Shopping-Konzept deckt Pharmatec bei biotechnologisch hergestellten flüssigen Pharmawirkstoffen praktisch den kompletten Produktionsprozess inkl. der Aufarbeitung mit verschiedenen Filtrationssystemen ab. Die letzte Lücke, den Bau von Bioreaktoren beziehungsweise Fermentern, haben wir also geschlossen. Vor kurzem wurden die ersten Fermenter an namhafte Kunden ausgeliefert. Für diese Bioreaktoren werden wir nun ein modulares Baureihen-System entwickeln.

Sind Einweg-Bioreaktoren eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Edelstahlfermenter?

K. Rauschenbach: Für den Technikums- und Produktionsmaßstab sehen wir derzeit keine nennenswerte Verschiebung hin zu Einweg-Bioreaktoren. Zukünftig werden aber beide Technologien entsprechend der Produkt- und Produktionsanforderungen ihre Berechtigung haben.

Wie wird sich Pharmatec auf der Messe Technopharm in Nürnberg darstellen?

W. Szczerba: Pharmatec ist Teil des umfassenden Pharmabereichs von Bosch. Die Synergiepotentiale, die durch die Integration in Bosch entstehen, führen zu eindeutigen Kundennutzen. Diese möchten wir unseren Besuchern auf der Messe gerne näher vorstellen.