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EU plant Medikamentensiegel

22.09.2011 -

EU plant Medikamentensiegel. Europa muss nach Ansicht der EU-Kommission stärker gegen den wachsenden Handel mit gefälschten Medikamenten vorgehen.

Industriekommissar Günter Verheugen legte einen Gesetzentwurf vor, nach dem verschreibungspflichtige Arzneimittel künftig mit einem speziellen Siegel versehen werden sollen. Damit könne der Weg der Originalverpackung vom Hersteller bis zum Verbraucher verfolgt werden, sagte der deutsche Kommissar.

2007 wurden nach Angaben der EU-Behörde an den europäischen Grenzen gefälschte Medikamente im Wert von mehr als 2,5 Mio. € entdeckt. 2005 waren es noch Waren mit einem Wert von 561.000 €. Verheugens Plan sieht außerdem vor, dass Arzneimittelhersteller künftig unter bestimmten Bedingungen die Öffentlichkeit direkt, etwa im Internet oder in medizinischen Fachzeitschriften, über ihre Medikamente informieren dürfen. Der Kommissar betonte, das bestehende Werbeverbot bleibe aber bestehen.

Die einzelnen Mitgliedstaaten sollen die Veröffentlichungen der Hersteller überwachen. Kritiker befürchten Schleichwerbung der Unternehmen. Der Kommissar kündigte dazu an Gespräche mit der Industrie an. Der europäische Dachverband für Verbraucherschutz (BEUC) befürchtet, Pharmaunternehmen würden dann noch stärker in die Werbung und Vermarktung ihrer Arzneimittel anstatt in die Forschung investieren.

Mit der Neuordnung des Arzneimittelmarktes will sich die EU weltweit im Pharmasektor behaupten. „Europa soll wieder die Apotheke der Welt werden“, sagte Verheugen. Ziel sei es, innovative und sichere Medikamente preiswert an den Patienten zu bringen. Der europäische Apotheker-Verband begrüßte die Pläne als gute Neuigkeiten für die Patienten der EU. Dem Vorhaben müssen die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen.