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Bayer blickt auf erfolgreiches aber auch schwieriges Geschäftsjahr zurück

Werner Baumann: „Wir haben sowohl operativ wie auch strategisch viel erreicht“

27.04.2019 -

Der Bayer-Konzern blickt auf ein erfolgreiches, aber auch schwieriges Geschäftsjahr zurück. „Wir haben sowohl operativ wie auch strategisch viel erreicht“, sagte der Vorstandsvorsitzende Werner Baumann am Freitag auf der Hauptversammlung in Bonn. Auf der anderen Seite hätten die Aktionäre erhebliche Verluste im Aktienkurs hinnehmen müssen. „Da gibt es nichts zu beschönigen. Die Klagen und die ersten Urteile zu Glyphosat lasten schwer auf unserem Unternehmen und verunsichern viele Menschen“, sagte Baumann. Der wahre Wert des Unternehmens spiegele sich im aktuellen Kurs nicht wider. Bayer arbeite mit Hochdruck daran, sich in den Berufungsverfahren und den kommenden Gerichtsverhandlungen erfolgreich zu verteidigen.

Der Vorstandsvorsitzende ging noch einmal ausführlich auf die Übernahme von Monsanto ein. Bayer sei heute das führende Unternehmen im Agrarbereich. „Aufgrund der hervorragenden Aufstellung unserer Geschäfte, dem großen Potenzial für unsere Kunden, den Möglichkeiten für eine nachhaltigere Landwirtschaft sowie auch im Hinblick auf die wirtschaftliche Logik war und ist der Erwerb von Monsanto der richtige Schritt“, sagte Baumann. Die Integration verlaufe schneller als geplant und insgesamt erfolgreich.

Zudem begründete Baumann die Übernahme als wichtigen Schritt in der strategischen Entwicklung des Unternehmens. „Wir haben unsere Geschäfte in den vergangenen Jahren konsequent an langfristigen Wachstumstrends in attraktiven Märkten ausgerichtet und damit Bayer zu einem fokussierten sowie wachstums- und ertragsstarken Unternehmen entwickelt.“ Als führendes Life-Science-Unternehmen für Gesundheit und Ernährung könne Bayer zur Lösung einiger der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit beitragen – wie der Bekämpfung von Hunger und der Verbesserung der Gesundheitsversorgung.

Im Agrarbereich habe Bayer nun führende Geschäfte im chemischen und biologischen Pflanzenschutz, beim Saatgut und in der digitalen Landwirtschaft. „Wir sind schon heute profitabler als unsere direkten Wettbewerber. Wir haben die richtigen Leute und eine hervorragende regionale Aufstellung. Damit können wir unsere Ertragskraft weiter steigern und in den nächsten Jahren schneller wachsen als der Markt“, so Baumann. „Wir sind darüber hinaus wie kein anderes Unternehmen in der Lage, mit unserer Innovationskraft zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft beizutragen und gleichzeitig eine ausreichende und gesunde Ernährung sicherzustellen.“

Die Transaktion lohne sich auch finanziell: „Wir werden aus der Übernahme von Monsanto ab 2022 Synergien in Höhe von jährlich einer Milliarde EUR realisieren“, sagte Baumann. Mit den kartellrechtlich geforderten Verkäufen an BASF sei ein attraktiver Preis in Höhe von 7,3 Mrd. EUR und ein Gewinn von 4,0 Mrd. EUR erzielt worden. Auch die Finanzverschuldung sei inzwischen deutlich geringer als erwartet.

„Die Sicherheit unserer Kunden steht immer an erster Stelle“
„Bayer steht weltweit für Qualität, Transparenz und Vertrauen. Diese Reputation entspricht unserem Anspruch als führendes Life-Sciences-Unternehmen und ist zugleich ein Ansporn für die Zukunft. Das gilt natürlich auch für das kombinierte Crop-Science-Geschäft, das wir – genau wie alle unsere Geschäfte – nach den Bayer-Maßstäben führen. Ohne Wenn und Aber“, sagte Baumann. „Die Sicherheit unserer Kunden, Patienten und Konsumenten steht für uns alle bei Bayer immer und überall an erster Stelle.“

Der Vorstand habe sich vor Abschluss der Übernahmevereinbarung mit Monsanto im September 2016 sehr eingehend mit den Chancen und Risiken der Transaktion auseinandergesetzt und diese sorgfältig abgewogen, hob Baumann hervor. Dabei seien selbstverständlich auch die Risiken im Zusammenhang mit Glyphosat geprüft worden. Basierend auf allen verfügbaren Informationen habe der Vorstand das Haftungsrisiko im Zusammenhang mit Glyphosat als gering bewertet, so Baumann. Insgesamt habe der Vorstand dabei in jeder Hinsicht pflichtgemäß gehandelt. Zu dieser Einschätzung kommt ein externes Gutachten der renommierten Anwaltskanzlei Linklaters, das der Aufsichtsrat im September 2018 in Auftrag gegeben hatte, sowie ein zweites unabhängiges Gutachten von Prof. Mathias Habersack von der Universität München aus dem Frühjahr 2019.

Der Konzern stütze seine Einschätzung zu Glyphosat auf die Wissenschaft und auf die praktische Erfahrung der Landwirtschaft seit mehr als 40 Jahren, sagte Baumann weiter. Regulierungsbehörden weltweit haben Glyphosat-basierte Produkte zugelassen und immer wieder bestätigt, dass Glyphosat bei sachgerechter Anwendung sicher und nicht krebserregend ist. Nachdem die Internationale Agentur für Krebsforschung – die IARC – im Jahr 2015 Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft hatte, haben die großen Regulierungsbehörden Glyphosat noch einmal gründlich untersucht – und ihre frühere Einschätzung bestätigt. Bayer sei daher nach wie vor von der Sicherheit von Glyphosat überzeugt, sagte Baumann.

Zahl der Klagen erwartungsgemäß weiter gestiegen
Zugleich betonte Baumann die immense Bedeutung von Glyphosat für die weltweite Nahrungsversorgung sowie eine nachhaltige Landwirtschaft mit weniger Flächenverbrauch, weniger Bodenerosion und weniger Freisetzung von Kohlendioxid. „Landwirte auf der ganzen Welt setzen Glyphosat verantwortungsvoll ein, um Ernten zu schützen und Menschen zu ernähren. Aus diesen Gründen werden wir auch im Namen unserer Kunden Glyphosat weiterhin entschieden verteidigen“, sagte er.

Die Zahl der Klagen im Zusammenhang mit Glyphosat ist unterdessen erwartungsgemäß weiter gestiegen. Bis zum 11. April 2019 wurden Monsanto Klagen von etwa 13.400 Klägern zugestellt. „Diese Zahl lässt keine Aussage darüber zu, ob die geltend gemachten Vorwürfe begründet sind oder nicht“, erläuterte Baumann. Zudem gebe es zum aktuellen Zeitpunkt noch kein einziges rechtskräftiges Gerichtsurteil zu Glyphosat, sondern zwei Jury-Entscheidungen in erster Instanz. Gegen die erste Entscheidung im Fall von Dewayne Johnson hat Bayer Berufung eingelegt. Bei der zweiten Entscheidung – im Fall von Edwin Hardeman – wird Bayer ebenfalls Rechtsmittel einlegen.

Erfolgreicher Start ins Geschäftsjahr 2019
Operativ hat Bayer seine Ziele im Jahr 2018 erreicht – gemessen an der Prognose, die nach Vollzug der Akquisition aktualisiert wurde. Um die Aktionäre auch für das Geschäftsjahr angemessen am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen, soll wie im Vorjahr eine Dividende von 2,80 EUR je Aktie fließen. Aufgrund der höheren Aktienzahl ist das insgesamt eine neue Rekordausschüttung für das Unternehmen.

Der Umsatz des Konzerns erhöhte sich 2018 währungs- und portfoliobereinigt (wpb.) um 4,5 (nominal 13,1%) auf rund 39,6 Mrd. EUR. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA legte – trotz negativer Währungseffekte – um 2,8% auf rund 9,5 Mrd. EUR zu. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft übertraf mit 5,94 EUR die Erwartung – der Rückgang um 10,5% hing unter anderem mit der gestiegenen Aktienzahl zusammen.

Auch in das Geschäftsjahr 2019 ist Bayer erfolgreich gestartet. Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal wpb. um 4,1% auf rund 13 Mrd. EUR. Nominal betrug der Anstieg 42,4%, was vor allem an der Akquisition liegt. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 44,6% auf 4,2 Mrd. EUR, wenngleich negative Währungseffekte allein das bisherige Bayer-Geschäft mit 110 Mio. EUR belasteten.

Für das Geschäftsjahr 2019 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von etwa 46 Mrd. EUR. Bereinigt um Portfolioveränderungen und Währungseinflüsse entspricht dies einem Zuwachs von etwa 4%. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA soll im Jahr 2019 auf etwa 12,2 Mrd. EUR steigen und das bereinigte Ergebnis je Aktie auf etwa 6,80 EUR.

Gute Fortschritte bei den angekündigten Portfoliomaßnahmen
Zu den umfassenden Portfolio- sowie Effizienz- und Strukturmaßnahmen, die Vorstand und Aufsichtsrat im vergangenen November beschlossen haben, sagte Baumann: „Wir wollen damit unsere Kerngeschäfte weiter stärken sowie die Produktivität und Ertragskraft des Unternehmens deutlich steigern.“ Zu den Portfolio-Maßnahmen zählen der angekündigte Verkauf der Marken Coppertone und Dr. Scholl’s, der Verkauf des 60%igen Anteils an Currenta sowie der Ausstieg aus dem Animal-Health-Geschäft. „Wir machen bei allen diesen Projekten gute Fortschritte“, sagte Baumann und bekräftigte die am Vortag kommunizierte Absicht, Animal Health zu verkaufen – dabei würden aber weiterhin alle wertmaximierenden Optionen eines Ausstiegs geprüft.

Die Effizienz- und Strukturmaßnahmen gehen einher mit dem geplanten Abbau von weltweit etwa 12.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2021, darunter 4.500 Arbeitsplätze in Deutschland. „Wir sind uns der Tragweite dieser Entscheidungen für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bewusst und setzen die Maßnahmen deshalb fair, verantwortungsvoll und in enger Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern um“, sagte Baumann.

Der Vorstandsvorsitzende bestätigte auch die ambitionierten mittelfristigen Ziele: Ohne Berücksichtigung von Portfoliomaßnahmen und zu konstanten Wechselkursverhältnissen aus dem Jahr 2018 soll das bereinigte EBITDA bis 2022 auf rund 16 Mrd. EUR steigen und das bereinigte Ergebnis je Aktie auf etwa 10 EUR. Ebenfalls bis 2022 will Bayer insgesamt 35 Mrd. EUR in die Weiterentwicklung des Unternehmens investieren – davon mehr als zwei Drittel in Forschung und Entwicklung. „Diese Investitionen stehen für unser Vertrauen in die Zukunft und für unsere Überzeugung, die Zukunft mit innovativen Lösungen zu gestalten“, so Baumann.