Chemie fordert bessere Investitionsbedingungen in Deutschland

(CMEManager 15-16/2015)     Geschäftslage und -erwartungen     Die Halbjahresbilanz der deutschen Chemieindustrie gibt keinen Anlass zum Jubeln, aber auch keinen Grund zum Klagen (vgl. nebenstehende Meldung). Die Geschäftslage wird von den Unternehmen in der jüngsten IFO-Umfrage überwiegend positiv eingeschätzt (Grafik 1). Die konjunkturellen Risiken drücken jedoch auf die Stimmung. Die Geschäftserwartungen der Branche schwingen seit drei Jahren um die Null­linie. Trotz der wirtschaftlichen Erholung in Europa rechnet die Branche nicht damit, dass sich die Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten signifikant verbessert. Ein Grund liegt in der Verunsicherung über Dauer und Robustheit des Aufschwungs.

Chemieinvestitionen in Deutschland     Die deutsche Chemie investiert zunehmend im Ausland; seit 2012 sogar mehr als im Inland. In Deutschland stagnieren die Sachanlageinvestitionen der Chemieunternehmen seit 25 Jahren, preisbereinigt sinken sie damit. Zwar investiert die Branche hierzulande aktuell den Spitzenwert von über 7 Mrd. EUR in Anlagen und Gebäude, aber seit 1991 bewegen sich die Investitionen auf einem durchschnittlichen Niveau von 6,4 Mrd. EUR pro Jahr (Grafik 2). Ein Grund: die Kosten. Selbst im chemischen Mittelstand wirkt sich das Kostenargument jetzt auf Investitionsentscheidungen aus. Seit 2008 werden immer mehr Investitionen von KMU im Inland zeitlich aufgeschoben.

Chemieinvestitionen im Ausland     Die Investitionen der deutschen Chemie in Produktionsanlagen und Gebäude im Ausland haben sich in den vergangenen 25 Jahren auf aktuell 8,6 Mrd. EUR verdoppelt (Grafik 3). Damit hinken die Investitionen im Ausland zwar dem Auslandsumsatz hinterher, der sich seit 1991 nahezu verdreifacht hat, aber der Trend ist klar: Die Globalisierung verlagert den Aufbau neuer Produktionskapazitäten und F&E-Zentren zunehmend in Wachstumsregionen.

Allerdings geschieht dies nicht nur zur Erschließung von neuen Märkten – wie in den Wachstumsländern Asiens und Lateinamerikas -, sondern auch wegen niedrigerer Kosten, wie eine aktuelle Erhebung des VCI zeigt (Grafik 4).

Investitionsklima und -motive     Laut VCI werden zwei Drittel der Investitionen von deutschen Unternehmen in den USA aus dem Motiv Kostenersparnis getätigt. Grund sind die günstigen Preise für Rohstoffe und Energie, die auch zu einer Reindustrialisierung führen und so wiederum Investitionen zur Markterschließung anstoßen. Auch in den EU-Nachbarländern erfolgt inzwischen mehr als ein Drittel der Auslandsinvestitionen aus dem Grund, dass dort die Kosten niedriger als in Deutschland sind. Der VCI fordert deshalb für die deutschen Unternehmen von der Politik vor allem mehr Planungssicherheit bei den energiepolitischen Vorgaben und sieht einen weiteren Hebel im Abbau von Innovationshemmnissen.

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