Chemie-Tarifrunde 2019: Verhandlungen ergebnislos vertagt

Tarifverhandlungen für die Chemie- und Pharmaindustrie werden am 21./22. November fortgesetzt

Die Tarifverhandlungen für die Chemie- und Pharmaindustrie sind heute ohne Ergebnis vertagt worden. Die Tarifrunde für 1.900 Betriebe mit 580.000 Beschäftigten wird am 21./22. November in Wiesbaden fortgesetzt. Die Arbeitgeber vertreten durch den Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) werfen der Gewerkschaft IG BCE vor, „Geld zu verteilen, das nicht vorhanden ist“. BAVC-Verhandlungsführer Georg Müller: „In den nächsten vier Wochen müssen beide Seiten intensiv daran arbeiten, die verhärteten Fronten aufzubrechen.“ Die Chemiekonjunktur steckt nach wie vor tief in den roten Zahlen. Die Lage hat sich in den letzten Monaten immer weiter verschlechtert. Für 2019 rechnen die Unternehmen mit Verlusten bei Produktion und Umsatz von 5 bis 6%. Das wäre der größte Rückgang seit zehn Jahren. Müller: „Wenn die Branche schrumpft, können die Entgelte nicht steigen.“

Roadmap Arbeit 4.0: Mehr Flexibilität statt mehr Freizeit
„Auch bei Roadmap und Pflege sollte die IG BCE sich für Modelle öffnen, die zusätzliche Kosten vermeiden“, fordert Müller. Mit den Arbeitgebern sei mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit möglich, wenn die Voraussetzungen stimmen. Müller: „Erstens muss qualitativ und quantitativ ein Ausgleich sichergestellt sein, wenn einzelne Beschäftigte zusätzliche freie Tage in Anspruch nehmen wollen. Es hilft nichts, einen Büroangestellten mit freien Kapazitäten zu haben, wenn in der Produktion Schichten unbesetzt bleiben. Zweitens muss die Entscheidung, was konkret möglich ist und was nicht, auf betrieblicher Ebene fallen.“ Die Marschroute für die Roadmap sei klar: Es gehe darum, flexibler zu arbeiten, nicht darum, weniger zu arbeiten.

„Beim Thema Qualifizierung sehe ich derzeit die größten Schnittmengen“, fasst Müller die Verhandlungen in Hannover zusammen. „Wir haben einige Vorschläge diskutiert, um die Kompetenzen unserer Beschäftigten besser abbilden und den Qualifizierungsbedarf genauer bestimmen zu können. Auch ein branchenspezifisches Beratungsangebot über Weiterbildungsmöglichkeiten könnte Teil einer gemeinsamen Qualifizierungsoffensive werden“, so Müller.

„Das Ziel der Arbeitgeber ist, die Weiterbildung durch mehr Eigenverantwortung und durch Eigenbeiträge der Beschäftigten weiter zu stärken."

Zusätzliche Absicherung für den Pflegefall kostet dauerhaft Geld
Die von der IG BCE geforderte arbeitgeberfinanzierte Pflegezusatzversicherung wurde im Verlauf der zweitägigen Verhandlungen in Hannover ebenfalls näher diskutiert. Müller: „Eine zusätzliche tarifliche Absicherung für den Pflegefall mag sinnvoll und sogar sozialpolitisch wünschenswert sein, aber sie kostet eben auch dauerhaft Geld. Hier schließt sich der Kreis: Ob Entgelt, Zukunftskonto oder Pflege: In der aktuellen wirtschaftlichen Lage gibt es kaum Spielraum für Kostensteigerungen“, so der BAVC in seiner Pressemitteilung.

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