Biokatalyse: Potential bei weitem noch nicht ausgeschöpft

Interview mit DrMichael Puls, Geschäftsführer von Evocatal

  • Dr. Michael Puls. EvocatalDr. Michael Puls. Evocatal

Vom 9. bis 11. Oktober 2012 findet in Madrid die CPhI Worldwide, eine der größten pharmazeutischen Fachmessen weltweit, statt. Parallel laufen die angegliederten Veranstaltungen ICSE, P-MEC Europe und InnoPack. Insgesamt erwarten die Veranstalter in diesem Jahr bei über 2.200 Ausstellern aus 140 Ländern einen Rekord von mehr als 30.000 Besuchern.

Um die Übersichtlichkeit sowohl für die Aussteller als auch die Besucher zu erhöhen, wird die CPhI erstmalig in neun Zonen Unterteilt (APIs; Generic APIs; Custom Manufacturing; Fine Chemicals; Intermediates; Finished Dosage; Excipients/Formulations; Biopharmaceuticals; General). Acht Zonen davon gab es bereits im letzten Jahr, die neunte Zone - Biopharmaceuticals - ist auf Wunsch teilnehmender Unternehmen ergänzt worden.

Dies zeigt, dass der Markt für Biopharmazeutika weiterhin Wachstumspotential bietet. Laut einer im Juni 2012 veröffentlichten Studie „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2012 - Biopharmazeutika: Wirtschaftsdaten und neue Anwendungsgebiete zum Nutzen der Patienten", die The Boston Consulting Group für VfA Bio erstellt hat, sind die USA bezogen auf die wirtschaftliche Bedeutung ganz klar der Schlüsselmarkt für Biopharmazeutika. Hier wurden 2011 rund 46 % mit diesen Präparaten generiert. Bereits mit deutlichem Abstand landet Japan bei diesem Vergleich mit 9,1 % des Umsatzes an der zweiten Position.

Auf Platz 3 folgt Deutschland mit 7,8 %, das in Europa die Spitzenreiterposition einnimmt. Allerdings stagnierte 2011 in Deutschland der Umsatz mit Biopharmazeutika im Vergleich zu 2010 und belief sich auf rund 5,4 Mrd. €. Der Anteil am Gesamtpharmamarkt erhöhte sich leicht von 18 % auf 19 %. Dafür hat sich aber in Deutschland die Zahl der biopharmazeutischen Präparate in der klinischen Entwicklung binnen Jahresfrist von 516 auf 556 erhöht (+ 8 %); die Zahl der Produkte in Phase III - also der letzten klinischen Entwicklungsphase vor Beantragung der Zulassung - stieg sogar um knapp ein Fünftel (+ 18 %) an.

Zum Thema Biopharmazeutika und anderen aktuellen Themen rund um die CPhI stellte Dr. Birgit Megges für CHEManager Führungspersönlichkeiten von ausstellenden Unternehmen je drei Fragen. Die entstandenen kurzen Interviews finden Sie hier.
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Evocatal hat sich auf die Entwicklung maßgeschneiderter Biokatalysatoren und Feinchemikalien für die chemische und pharmazeutische Industrie spezialisiert. Damit bewegt sich das Unternehmen auf einem Markt, der sich im steten Wachstum befindet. Wie groß das Marktpotential ist und wie die Treiber für das Wachstum aussehen, beschreibt aus seiner Sicht Dr. Michael Puls, Geschäftsführer von Evocatal.

CHEManager: Auf dem wachsenden Markt für industrielle Biokatalyse steht Evocatal nicht als Alleinanbieter dar. Mit welcher Strategie differenzieren Sie sich vom Wettbewerb?

Michael Puls: Die Evocatal bietet ein ganz eigenes und breites Enzymportfolio und daher individuelle Prozesslösungen an, die sich von denen anderer Unternehmen unterscheiden. Es ist richtig, dass auch andere Unternehmen Enzyme wie z.B. Ketoreduktasen anbieten, die Evocatal ist aber z.B. das einzige Unternehmen, das TPP-Enzyme kommerziell anbietet, mit denen sich ein breites Spektrum chiraler 2-Hydroxyketone darstellen lässt. Diese Enzymklasse ist im Markt einzigartig. Aber auch unsere anderen Enzyme sind einzigartig und bieten dort Lösungen, wo andere Enzyme nicht weiterkommen.

Wie schätzen Sie den Markt für biokatalytisch hergestellte APIs und Feinchemikalien, in Europa bzw. weltweit, aktuell und in den kommenden Jahren ein?

Michael Puls: Die Biokatalyse ist und bleibt auf dem Vormarsch - sie hat in den vergangenen Jahren eine breite Akzeptanz als Standard-Methode in der organischen Synthese erfahren und ist ein etabliertes Werkzeug in den Synthese-Abteilungen der Pharmaunternehmen. Ihr Potential ist allerdings bei weitem noch nicht ausgeschöpft - wir befinden uns noch immer an der Spitze des Eisberges. Je weiter sich die Technologie verbreitet, desto mehr Reaktionsklassen werden biokataytisch zugänglich und kommerziell nutzbar werden. Daher wird auch die Zahl der APIs deutlich steigen, in deren Synthese sich mindestens ein biokatalytischer Schritt findet.

Welche Wachstumsaussichten sehen Sie für die Biokatalyse und welche Anwendungen, Technologien oder Trends werden die Treiber für das Wachstum sein?

Michael Puls: Die Biokatalyse leistet insbesondere einen wesentlichen Beitrag zum aktuellen Rohstoffwandel, der von der chemischen Industrie bzw. industriellen Biotechnologie maßgeblich vorangetrieben wird. Grüne, nachhaltige Syntheseverfahren für die Industrie werden nach und nach entwickelt und etabliert. Auch eine wachsende Nachfrage beim Endverbraucher nach entsprechenden Bio-basierten Produkten ist ein wichtiger Treiber der Bioökonomie. Evocatals Enzyme und Produktionsstämme treffen hier auf eine entsprechend große Nachfrage nach alternativen und gleichzeitig kosteneffektiven Produktionsmethoden. Neben der pharmazeutischen Industrie entsteht also gleichzeitig ein großer Bedarf in anderen Industrien, Beispiele sind u.a. die Kautschuk-, -Bau und die Textilindustrie. Evocatal wird seine Technologieplattform weiter ausbauen, um neue Anwendungsgebiete für die Biokatalyse zu erschließen.

 

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