Ehrgeizige Wachstumsziele

  • Mohamed Al-Mady, Vice Chairman und CEO von Sabic  Mohamed Al-Mady, Vice Chairman und CEO von Sabic

Ehrgeizige Wachstumsziele – Sabic treibt Umgestaltung der Petrochemischen Industrie an - China strategischer Markt.

Als die Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) mit Sitz in Riad vor einigen Jahren ankündigte, sich von einem regionalen Marktteilnehmer im Nahen Osten zu einem Global Player entwickeln und unter den drei führenden Petrochemieunternehmen der Welt etablieren zu wollen, horchte die Branche auf.

Auf die Ankündigung folgten Taten: Meilensteine bei der Umsetzung der Strategie waren die Akquisitionen von DSM Petrochemicals und GE Plastics. Mit den Ergebnissen für das erste Halbjahr 2008 - 14,2 Mrd. € Umsatz (plus 54 %) und 4 Mrd. € konsolidierter operativer Gewinn (plus 20 %) - machte Sabic deutlich, dass es sich auf einem guten Weg befindet, seine Ziele zu erreichen.

Michael Reubold befragte Mohamed Al-Mady, Vice Chairman und CEO von Sabic, wie das Unternehmen bei der Gestaltung seiner Zukunft in der globalisierten Welt vorankommt.

 

 

CHEManager: Herr Al-Mady, was sind die wichtigsten Themen auf Ihrer Wachstumsagenda?

M. Al-Mady: Momentan engagiert sich Sabic in einem strategischen Projekt namens Sabic 2020, das den Weg für unsere ehrgeizigen Wachstumsziele in den kommenden Jahren definiert.

Die Vision von Sabic 2020 lautet: Wir wollen der bevorzugte Weltmarktführer für Chemikalien werden. Um dies zu erreichen, haben wir neben unseren Plänen für organisches Wachstum Akquisitionen durchgeführt und neue Joint Ventures gegründet.

 


Unter anderem haben Sie drei größere Akquisitionen realisiert, um Ihre Präsenz außerhalb des Nahen Ostens zu verstärken.

M. Al-Mady: Ja, die erste größere Expansion von Sabic außerhalb des Nahen Ostens fand 2002 im Produktionsbereich statt, als wir DSM Petrochemicals in den Niederlanden erwarben.

Diese Akquisition, die jetzt Sabic Europe heißt, bildete eine starke Ausgangsbasis für die Expansionstätigkeit unseres Unternehmens in Europa. Diese wurde 2006 mit dem Erwerb des Basischemikalien- und Polymergeschäfts von Huntsman in Großbritannien weiter gestärkt.

Die jüngste und bedeutendste Akquisition fand 2007 mit dem Kauf von GE Plastics und der anschließenden Gründung von Sabic Innovative Plastics statt.

Zudem sind wir ständig auf der Suche nach globalem Wachstumspotential.

 


Wonach suchen Sie, wenn Sie strategische Investitionen planen?

M. Al-Mady: Bei allen bisherigen Akquisitionsentscheidungen kam es uns darauf an, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und Sabic bei der Umsetzung seiner Strategie zu helfen.

Wir suchen ständig Akquisitionen, die Technologie-, Produkt-, Markt- und Synergievorteile für unser Wachstum bringen. Um seine Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit weiter zu verbessern, wird Sabic eine führende Rolle bei der Umstrukturierung der Industrie spielen.

 


Sie erwähnten Ihre Pläne für organisches Wachstum. Derzeit werden in der Golfregion einige neue Chemieanlagen errichtet. Was plant Sabic an neuen Produktionsprojekten, was ist im Bau, was auf dem Reißbrett?

M. Al-Mady: Wir arbeiten an einer Reihe von Erweiterungsprojekten und Neuentwicklungen. Dazu gehören der Komplex der Yanbu National Petrochemical Company, Yansab, in Yanbu, der Komplex der Saudi Kayan Petrochemical Company, Saudi Kayan, in Jubail sowie die Erweiterungsprojekte Sharq und Ibn Zahr ebenfalls in Jubail.

Zusätzlich zu den Projekten am Golf haben wir in Deutschland und Großbritannien noch zwei Expansionsprojekte für die Polymerproduktion in der Realisierung.

 


Können Sie uns mehr über die europäischen Projekte verraten?

M. Al-Mady: Sabic errichtet derzeit ein neues PE-HD-Werk am deutschen Standort Gelsenkirchen sowie ein PE-LD-Werk im britischen Wilton, Teesside. Das neue PE-HD-Werk soll im 4. Quartal 2008 mit einer Kapazität von 250 kt/Jahr in Betrieb gehen und das gegenwärtige Gelsenkirchener PE-Werk mit seinem Jahresausstoß von 100 kt ersetzen.

In dieses Projekt werden inklusive der Verbesserungen der Standortinfrastruktur rund 200 Mio. € an Investitionen fließen. Das neue PE-LD-Werk in Großbritannien soll bis Ende dieses Jahres mit 400 kt Ausstoß pro Jahr die Produktion aufnehmen. Nach Fertigstellung wird dieses PELD- Projekt mit einer Investitionssumme von etwa 250 Mio. € eines der größten seiner Art weltweit sein.

 


Sie sagten kürzlich, dass die schnell wachsende Bevölkerung Chinas einen wichtigen Markt für die petrochemische Industrie Saudi-Arabiens bieten würde und Saudi-Arabien bereits Rohöllieferant Nummer Eins für China sei. Welche Rolle spielt China in der Wachstumsstrategie von Sabic?

M. Al-Mady: China ist für Sabic ein strategischer Markt. Es ist der Hauptabsatzmarkt für viele unserer Produkte wie Ethylenglykol, Polymere, technische Kunststoffe und Spezialchemikalien.

Wir sehen China jedoch nicht nur als Markt, sondern wollen auch unsere Produktionsbasis in diesem Land erweitern. Wenn der Bau erst abgeschlossen ist, wird unsere kürzliche Vereinbarung mit Sinopec einen Schritt in diese Richtung darstellen.

 


Sie haben zuletzt sowohl in Europa als auch in Asien investiert. Wenn Sie die Wirtschaftssysteme in West und Ost vergleichen, was sind aus Ihrer Sicht gegenwärtig die wichtigsten wirtschaftlichen Merkmale dieser Märkte und welche Aussichten bestehen für die Zukunft?

M. Al-Mady: Sabic hat den einmaligen Vorteil, zentral zwischen Europa und Asien aufgestellt zu sein. Beide Regionen sind für unser Wachstum und unsere künftige Expansion entscheidend.

Der europäische Markt ist ausgereift, wogegen die asiatischen Märkte hohe Wachstumsraten verzeichnen. Doch trotz dieser unterschiedlichen Merkmale wird in beiden Märkten unsere Produktqualität, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit für das Wachstum von Sabic entscheidend sein.

 


Westliche Chemieunternehmen versuchen, durch Partnerschaften mit lokalen Firmen in der Golfregion Fuß zu fassen. Stehen Sie der Möglichkeit, Partnerschaften mit Unternehmen aus Europa oder den USA einzugehen, aufgeschlossen gegenüber?

M. Al-Mady: Die Geschichte von Sabic ist geprägt von Joint Ventures und Kooperationen mit großen globalen Chemieunternehmen.

Unsere bisherigen Partnerschaften sind sehr stabil und haben wesentlich zum Wachstum unseres Unternehmens und unserer Partner beigetragen. Wir sind offen für Kooperationen mit großen globalen Chemieunternehmen, die wesentlich zu einer solchen Partnerschaft beitragen könnten.

 


Die Energie- und Rohstoffkosten steigen immer weiter auf neue Rekordhöhen. Viele denken, dass es für Chemieunternehmen in Saudi-Arabien einfacher und preiswerter wäre, petrochemische Rohstoffe zu beschaffen. Wie sieht die Realität aus?

M. Al-Mady: Die Rohstoffe sind der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit der petrochemischen Industrie weltweit. Aber auch im Nahen Osten sind die Tage der leicht verfügbaren, preiswerten Rohstoffe gezählt.

Das künftige Wachstum wird von der Innovationsfähigkeit der Industrie und ihrem Vermögen, sich alternative Rohstoffe zu erschließen, abhängen. Innovation ist auch der Schlüssel für die künftige Wettbewerbsfähigkeit von Sabic.

Unser Engagement in der Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung und Anwendung innovativer Technologien, die uns unseren Wettbewerbsvorteil erhalten, darunter auch die Nutzung alternativer Rohstoffe.

 


Was sind neben dem Kostenfaktor die größten Herausforderungen, vor denen die petrochemische Industrie in der Golfregion steht?

M. Al-Mady: Die größten Herausforderungen für Wachstum in der Region sind die hohen Entwicklungs-, Beschaffungs- und Baukosten sowie die Verfügbarkeit von Arbeitskräften.

 


Was unternimmt Sabic, um die Zuwanderung geeigneter Fachkräfte für seine Expansion in der Golfregion zu gewährleisten?

M. Al-Mady: Innerhalb von Sabic und unseren Tochtergesellschaften verfolgen wir verschiedene Strategien, um zu gewährleisten, dass uns ausreichend Fachkräfte für die Erreichung unserer langfristigen Wachstumsziele zur Verfügung stehen.

Das beinhaltet beispielsweise eine kurz- und langfristige Personalplanung zur Ermittlung unseres Arbeitskräftebedarfs auf der Grundlage einer klaren und verständlichen Personalbeschaffungsstrategie.

Ein weiterer Punkt ist ein Hochschulstipendienprogramm, das jedes Jahr einer nicht unwesentlichen Anzahl von Studenten ermöglicht, an verschiedenen Einrichtungen in der ganzen Welt zu studieren, plus weitere Programme in Saudi-Arabien, die Sabic mit einer Reihe angesehener höherer Bildungseinrichtungen und Hochschulen zur Deckung.

 

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