Erfolgreiche Strategien in der Chemiedistribution

Helm-Chef Hans-Christian Sievers setzt auf eine breite Aufstellung und gezielte Investitionen

  • Hans-Christian Sievers, Vorstandsvorsitzender, HelmHans-Christian Sievers, Vorstandsvorsitzender, Helm
  • Hans-Christian Sievers, Vorstandsvorsitzender, Helm
  • An fünf Methanol-Produktionsanlagen in Trinidad und Tobago ist HELM beteiligt.

Helm, ein weltweit agierendes Chemiedistributionsunternehmen, konnte 2011 das zweitbeste Ergebnis der Unternehmensgeschichte erzielen. Dass auch 2012 trotz schwächelnder Konjunktur und europäischer Staatsschuldenkrise ein solides bis gutes Geschäftsjahr für den Konzern sein wird, äußerte Hans-Christian Sievers, seit Anfang des Jahres Vorstandvorsitzender von Helm, gegenüber CHEManager. Dr. Birgit Megges befragte ihn zum Verlauf seines ersten Amtsjahres und zur Positionierung des Unternehmens in unterschiedlichen Märkten weltweit.


CHEManager: Herr Sievers, welche Ziele hatten Sie für Ihr erstes Jahr als Konzernchef?

Hans-Christian Sievers: Hauptziel für das erste Amtsjahr war für mich, als neuer Vorstandsvorsitzender zunächst Fuß zu fassen, d. h. erfolgreiche Einarbeitung durch und Übernahme der Aufgaben von Dieter Schnabel, der dieses Unternehmen 28 Jahre lang sehr erfolgreich geleitet und ausgebaut hat. Dazu gehört intensives Kennenlernen aller Facetten des Konzerns. Auch, wenn ich schon seit 27 Jahren dem Unternehmen angehöre, habe ich doch über weite Strecken diese dem Ausland gewidmet. Davon 13 Jahre in unserer Tochtergesellschaft in Mexiko. Danach, seit 2001, als Vorstand und Geschäftsbereichsleiter Helm-International, lag mein Schwerpunkt in der Führung und Betreuung unserer ausländischen Tochtergesellschaften. Mein Ziel jetzt war es also, zunächst das Bestehende erfolgreich zu übernehmen, zu halten und - vor allem - im Konzern Ruhe zu bewahren. In vielen Unternehmen beobachtet man in Verbindung mit Führungswechseln Strategie- und Kurswechsel und entsprechende Verunsicherung bei den Mitarbeitern. Dies wollte ich auf jeden Fall bei Helm verhindern. In 112 Jahren Unternehmensgeschichte bin ich erst der vierte Chef und kann auf eine lange und erfolgreiche Firmentradition und Entwicklung aufbauen. Ich stehe für Kontinuität, d. h. Evolution und keine Revolution.

Wie sind Ihre Einschätzungen für den Geschäftsverlauf im Jahr 2012?

Hans-Christian Sievers:
Wir spüren natürlich, bedingt durch das Umfeld, einen Geschäftsrückgang in Europa, der aber durch Zuwächse in Amerika sowie in Asien kompensiert wird.

Trotz widriger Umstände erwarten wir im Vergleich zum Rekordumsatz von 2011 sogar eine leichte Steigerung von ca. 3 %, sodass der Helm-Konzern in 2012 knapp unter 10 Mrd. € liegen wird. Erfreuliche Umsatzzuwächse haben wir insbesondere bei den Fertilizern, Crop Protection und Pharma.

Was ist das Erfolgsrezept von Helm?

Hans-Christian Sievers:
Die breite Aufstellung Helms mit den sechs produktorientierten Geschäftsbereichen Feedstocks, Derivatives, Chemical Solids inklusive Crop Protection, Pharma, Nutrition und Fertilizer sowie die breite geografische Aufstellung in über 30 Ländern sind eine solide Basis, um Schwächen in Einzelprodukten oder -märkten abzufedern. Auch die Wertschöpfungstiefe von Produktion über eigene Produktentwicklung bis hin zur kleinteiligen Distribution in den Absatzmärkten federt so manche Marktverwerfung ab und sorgt für Stabilität.

Bei Helm ist von einem Investitionsprogramm in Höhe von rund 300 Mio. € die Rede. Wie sieht das Programm aus?

Hans-Christian Sievers:
Einen bedeutenden Teil der Summe haben wir dieses Jahr in die Erhöhung unserer Aktienanteile in Trinidad und Tobago gesteckt. Dort prüfen wir gemeinsam mit unseren Partnern grundsätzlich weitere Investitionen in den Ausbau der Fertilizer- sowie auch der Chemieproduktion. Diese befinden sich jedoch noch in einem zu frühen Stadium, um hierüber konkrete Aussagen zu machen. Grundsätzlich zu berücksichtigen ist hierbei die zukünftige Konkurrenzsituation der USA basierend auf deren günstigem Schiefergas und der damit verbundenen mittelfristig zu erwartenden Selbstversorgung der USA in den wesentlichen Chemieprodukten. Unabhängig von unseren derzeitigen Engagements in Trinidad und Tobago, im Oman und in Saudi-Arabien beobachten wir alle Regionen der Erde und verfolgen konkret weitere Projekte in Afrika. Des Weiteren fließen jährlich Investitio­nen in zweistelliger Millionenhöhe in die Entwicklung und den Ausbau unserer Produktpalette von pharmazeutischen Generika, Biosimilars sowie Generika im Bereich Crop Protection. Auch die derzeitige Komplettmodernisierung unseres Stammhauses in Hamburg erfordert einen zweistelligen Millionenbetrag.

Welchen Anteil hat der amerikanische Markt an Ihrem Geschäft?

Hans-Christian Sievers:
Der amerikanische Kontinent hat einen Anteil von rund 27 % unseres Weltumsatzes. Hiervon trägt den Löwenanteil die USA. Aber auch Lateinamerika insgesamt genießt einen sehr hohen Stellenwert mit wachsender Bedeutung, insbesondere im Feld der Fertilizer und Crop Protection.
Wie sind die Wachstumsaussichten für Agrochemikalien in Südamerika?Hans-Christian trierung von Agrochemikalien. Wir haben in Lateinamerika vor einigen Jahren in den Märkten Mexiko, Kolumbien, Brasilien und Argentinien mit der lokalen Distribution von
Agrochemikalien begonnen und machen hier sehr gute Fortschritte. Brasilien ist mittlerweile vor den USA der weltweit größte Markt von Agrochemikalien mit einem enormen Wachstumspotential. Aber auch Argentinien und Mexiko spielen im weltweiten Vergleich eine bedeutende Rolle. Die Wachstumsmöglichkeiten für Helm sind in all diesen Märkten enorm, da wir noch relativ neu am Markt und unsere Marktanteile noch entsprechend klein sind.

Auch Asien haben Sie bereits erwähnt. Welche Bedeutung hat der asiatische Markt für Helm?

Hans-Christian Sievers:
Der asiatische Markt hat einen Umsatzanteil von rund 16 %. Helms Fertilizer- und Chemiegeschäft in Asien hat sich die letzten Jahre erfreulich entwickelt, Letzteres insbesondere basierend auf der Warenversorgung aus unseren Produktions-Joint-Ventures in Saudi-Arabien für Essigsäure und VAM sowie Methanol aus dem Oman. In der lokalen Distribution von Chemieprodukten haben wir in China und Japan eine solide Basis. In Korea und Indien stehen wir hier noch am Anfang.

Wie unterscheidet sich der asiatische Markt von den westlichen Märkten?

Hans-Christian Sievers:
Das lokale Distributionsgeschäft in Asien, insbesondere in China und Indien, ist nicht mit Westeuropa oder Amerika vergleichbar. Die Warenversorgung ist schwieriger, und für den Added Value einer Distributionsleistung zahlt der Kunde keinen Aufpreis, d. h., es ist schwieriger, eine akzeptable Marge zu erwirtschaften. Die Märkte in Asien sind insgesamt dynamischer und deutlich volatiler.

Worin sehen Sie die größten Herausforderungen für das Jahr 2013?

Hans-Christian Sievers: Zum 1. Januar 2013 reorganisieren wir die Aktivitäten unserer drei Geschäftsbereiche der Chemie. Alle Chemieaktivitäten des Geschäftsbereiches Chemical Solids integrieren wir in den Geschäftsbereich Derivatives. Helm konzen­triert also künftig die Chemie in den zwei Geschäftsbereichen Feedstocks und Derivatives. Im Zuge dieser Reorganisation innerhalb der Chemie verstärkt sich Helm in Hamburg im Feld der Säuren und Laugen. Diese Produktgruppe wird bereits seit vielen Jahren sehr erfolgreich durch die europäischen Helm-Firmen entwickelt und wird nun durch die Gründung einer speziellen Abteilung in der Helm AG zu einem strategischen Produktfeld ausgebaut. Daneben entsteht der Geschäftsbereich Crop Protection neu. Dies ist das Ergebnis der sehr erfreulichen Entwicklung dieses Geschäftsfeldes in den letzten Jahren und ermöglicht zukünftig die volle Konzentration auf den weiteren Ausbau dieses strategischen Geschäftsfeldes.

Welches persönliche Ziel haben Sie für Ihr zweites Amtsjahr?

Hans-Christian Sievers:
Die Frage nach den persönlichen Zielen ist nicht einfach zu beantworten. Ganz grundsätzlich bin ich persönlich zufrieden mit der Entwicklung unseres ersten Geschäftsjahres nach dem Wechsel im Vorstand und freue mich über das entgegengebrachte Vertrauen und die große Unterstützung aller Kolleginnen und Kollegen. Unsere Unternehmensstrategie ist in den letzten Jahren im Konsens gemeinsam in der Geschäftsleitung entwickelt worden. Mein Ziel ist es daher, auch im zweiten und den weiteren Jahren den leisen, aber kontinuierlichen Ausbau des Unternehmens im Rahmen dieser bewährten Strategie erfolgreich fortzusetzen.

Kontaktieren

Helm AG
Nordkanalstr. 28
20097 Hamburg

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