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Forschung fördern – Fragen an den neuen DFG-Präsidenten

01.01.2013 -

Forschung fördern – Fragen an den neuen DFG-Präsidenten. Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner wurde als erster Ingenieur zum Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt und trat die Nachfolge von Prof. Ernst-Ludwig Winnacker an.

CHEManager befragte ihn zu den geplanten Schwerpunkten und Zielen seiner Arbeit sowie zur Situation der Forschung in Deutschland und Europa.

Die Fragen stellte Dr. Anke Lischeid.

 


CHEManager: Welche Schwerpunkte werden Sie bei Ihrer Arbeit als Präsident der DFG setzen und welches sind die wichtigsten Ziele, die Sie sich für die erste Amtszeit vorgenommen haben?

M. Kleiner: Ich habe mit dem Amt des DFG-Präsidenten eine der interessantesten und spannendsten Aufgaben übernommen, die man sich in der Forschungsförderung vorstellen kann.

Die DFG hat sich - besonders in den letzten Jahren - sehr stark weiterentwickelt und mit einem Volumen von mehr als 1,8 Mrd. € in diesem Jahr, einschließlich der Sondermittel für die Exzellenzinitiative, haben wir eine sehr gute Ausgangslage, exzellente Forschung in Deutschland zu fördern.

Aber schon der Theologe und Philosoph Franz von Baader hat vor über 250 Jahren gesagt: „Alles Leben steht unter dem Paradox, dass wenn es beim Alten bleiben soll, es nicht beim Alten bleiben darf."

So liegt mir zum Beispiel die Weiterentwicklung der Förderinstrumente am Herzen, die unter dem Motto stehen könnte: „Mehr Zeit für Forschung, weniger Bürokratie".

Wir möchten sämtliche Verfahren so gestalten, dass den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern so wenig Zeit für administrative Angelegenheiten abverlangt wird, wie es für personen- und sachgerechte Förderentscheidungen möglich ist.

Die Leitlinie ist eine stärkere Modularisierung und Flexibilisierung unserer Förderprogramme. Ein weiteres Thema, das mir sehr am Herzen liegt, ist die Nachwuchsförderung.

Wir müssen uns der Tenure-Track-Thematik stellen und die Attraktivität der wissenschaftlichen Laufbahn steigern, indem wir für alle Karrierephasen eine angemessene, also wesentlich verbesserte Vergütung erreichen.

Gleichzeitig wird zur Nachwuchsförderung zukünftig verstärkt auch ein Angebot zum Training im Wissenschaftsmanagement gehören müssen - vor allem für zukünftige Leiterinnen und Leiter großer Forschungsverbünde, wie zum Beispiel den jungen Leuten in unserem Emmy Noether-Programm.

Denn neben den Sonderforschungsbereichen und den großen Forschungszentren entstehen durch die Exzellenzcluster und Graduiertenschulen neue, vielfältige Verbundmodelle, die von den Verantwortlichen eine hohe Kompetenz im Management verlangen.

 


Wie schätzen Sie die Situation des Forschungsstandortes Deutschland zurzeit ein, haben wir das Zeug zum "Global Player" in der Forschung?

M. Kleiner: Wir haben keinen Grund zum Jammern, denn die Qualität der deutschen Forschung ist wirklich sehr hoch.

Bei einer 2004 in Nature veröffentlichten Untersuchung lag Deutschland zum Beispiel mit 10 % aller wissenschaftlichen Zitierungen weltweit an dritter Stelle, nur hinter den USA und dem Vereinigten Königreich.

Bei den Forschungseinrichtungen, an die die meisten Nobelpreise gingen, folgt die Max-Planck-Gesellschaft mit neun Nobelpreisen direkt hinter dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit zwölf Nobelpreisen.

Dennoch, obwohl Deutschland eine sehr gute, breite Universitätslandschaft aufweist, muss sich Deutschlands Position verbessern.

Einige Universitäten müssen wieder in die Weltklasse vordringen.

 


Welche Rolle spielt dabei die Exzellenzinitiative?

M. Kleiner: Genau hier soll die Exzellenz initiative ansetzen, den Wissenschaftsstandort Deutschland nachhaltig zu stärken, seine internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und Spitzen im Universitäts- und Wissenschaftsbereich sichtbar zu machen.

Der Wettbewerb, der in den vergangenen Monaten an den deutschen Universitäten entstanden ist, hat eine neue Dynamik in die Forschungslandschaft gebracht. Und vor allem hat die Exzellenzinitiative zu einer international sehr starken Sichtbarkeit der deutschen Forschung geführt.

Sie wird im Ausland wie kaum eine andere forschungspolitische Entwicklung der letzten Jahre wahrgenommen. Mit Freude stellen wir fest, wie groß dadurch das Interesse an Deutschland als Wissenschaftsstandort ist.

 


Wird die Exzellenzinitiative eine dauerhafte Dynamik in das deutsche Wissenschaftssystem bringen, so dass der Neugestaltungsprozess nicht irgendwann stecken bleibt? Was kommt nach der Exzellenzinitiative, werden weitere Maßnahmen nötig sein, um das System „in Schwung" zu halten?

M. Kleiner: Nun, erst einmal müssen die Hochschulen, die in der ersten Runde bereits eine Bewilligung erhalten haben, und diejenigen, die im Herbst dieses Jahres ausgewählt werden, das Neue umsetzen.

Für die Beteiligten geht es um die Etablierung neuer Strukturen, um Bündelung von Kräften und um die Möglichkeit, sich zentralen wissenschaftlichen Fragestellungen mit wesentlich größeren Ressourcen als bisher widmen zu können.

In dieser Hinsicht muss man sich vorerst nicht darum sorgen, das Wissenschaftssystem in Schwung zu halten. Aber Sie haben natürlich Recht: Dauerhafte Exzellenz braucht dauerhaften Wettbewerb.

Daher liegt mir die Nachhaltigkeit der Exzellenzinitiative sehr am Herzen. Wir benötigen eine Verstetigung der Exzellenzinitiative und der Dynamik, die sie in das Wissenschaftssystem gebracht hat. Dafür haben wir inzwischen auch ermutigende Signale der Geldgeber erhalten.

 

 

Kontakt

Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner
Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bonn