Leitlinien für Sicherheit

Interview mit Manfred Jilg, verantwortlicher Leiter Werkschutz, BASF Ludwigshafen

  • Manfred Jilg, Leiter Werkschutz, BASF, Ludwigshafen: „Sicherheitstechnik spielt beim modernen Werkschutz eine wichtige Rolle“Manfred Jilg, Leiter Werkschutz, BASF, Ludwigshafen: „Sicherheitstechnik spielt beim modernen Werkschutz eine wichtige Rolle“
  • Manfred Jilg, Leiter Werkschutz, BASF, Ludwigshafen: „Sicherheitstechnik spielt beim modernen Werkschutz eine wichtige Rolle“

Der Werkschutz der BASF ist am Verbundstandort Ludwigshafen für die Sicherheit und Ordnung verantwortlich. Heiner Jerofsky, wissenschaftlicher Schriftleiter der GIT SICHERHEIT, sprach mit Manfred Jilg, dem verantwortlichen Leiter Werkschutz der BASF in Ludwigshafen, über dessen die Sicherheit betreffenden Aufgaben, Ziele und Strategien.


CHEManager: Herr Jilg, die BASF beschäftigt im Stammwerk in Ludwigshafen über 32.000 Mitarbeiter. Welche Bedeutung hat die Sicherheit der Beschäftigten, Anlagen und Betriebe für Ihr Unternehmen?


Manfred Jilg: Es ist die Hauptaufgabe des Werkschutzes für die Sicherheit unsere Gäste, Kontraktoren und der eigenen Mitarbeiter/-innen zu sorgen sowie unsere Produktionsanlagen und das Eigentum des Unternehmens zu schützen. Unser Hauptanliegen ist es also ein gesichertes Umfeld für den Ablauf der Kernprozesse der BASF am Standort Ludwigshafen zu schaffen. Als Teil des Kompetenzzentrums Corporate Security entwickeln wir dabei die strategischen Leitlinien für Security, die sich wiederum aus der Vision und den Leitlinien des Unternehmens ableiten, gemeinsam mit unseren Kollegen innerhalb Corporate Security weiter.

Im Rahmen der Responsible Care-Initiative der chemischen Industrie hat die BASF das Themenfeld Security in einem eigenständigen Teilgebiet des Managementsystems zum nachhaltigen Wirtschaften abgebildet. Wir handeln verantwortungsvoll im Sinne von Responsible Care. Wirtschaftliche Belange haben keinen Vorrang gegenüber Sicherheit, Gesundheits- und Umweltschutz.


Für alle Aktivitäten der Werkschutzorganisationen gilt aber auch, dass sie wirtschaftlich vertretbar sein müssen. Oder umgekehrt: Sie müssen zum langfristigen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beitragen. Geht diese Rechnung auf?


Manfred Jilg: Ja, ich bin davon überzeugt, dass eine Sicherheitsorganisation, die mit ihren Aufgaben in die Unternehmensprozesse ständig eingebunden ist, auch einen messbaren wirtschaftlichen Beitrag leistet.

Wir sorgen mit unserer fachlich hochwertigen Dienstleistung im Interesse aller Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für das nötige Sicherheitsklima, das wirtschaftlichen Erfolg ermöglicht, unterstützt und absichert.


Welche über den klassischen Werkschutz hinausgehenden Aufgaben übernehmen Sie?


Manfred Jilg: Nach wie vor ist der Großteil unsere Aufgaben im klassischen Werkschutzbereich angesiedelt Dies betrifft insbesondere den Eigentumsschutz sowie die Zufahrts- und Zugangsüberwachung. Insgesamt ist es uns in den letzten Jahren durch die Übernahme logistischer Aufgaben gelungen, dem Unternehmen zu helfen, zusätzliche Ressourcen einzusparen. Weiterhin haben wir die gesetzlich vorgeschrieben Gefahrgutkontrollen an die Tore verlagert.

Dadurch erreichen wir weitere Synergieeffekte in den Produktionsbetrieben. Einen zusätzlichen Wertbeitrag stellt die Übernahme der Überprüfung von Zoll- und Versandunterlagen im Vorfeld der zollrechtlichen Bearbeitung dar. Hier können wir für unsere Unternehmensprozess eine schnellere Abwicklung garantieren. Die Einsatz- und Lagezentrale unterstützt die Logistik durch die Überwachung des vollautomatischen Wiegesystems, insbesondere außerhalb der allgemeinen Arbeitszeiten. Alle diese Wertbeiträge orientieren sich jedoch an der Vorgabe, dass die Sicherheitsprozesse zu jeder Zeit gewährleistet werden müssen.


Wie groß ist der Anteil an präventiven Aufgaben?


Manfred Jilg: Auch die Prävention nimmt einen wichtigen und großen Teil unsere Aufgaben ein. Wir versuchen frühzeitig, gesamtwirtschaftliche Tendenzen zu erkennen und in Präventionsmaßnahmen umzusetzen. Dazu nutzen wir auch die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden im Rahmen der vorhanden rechtlichen Handlungsmöglichkeiten. Weiterhin tragen die Mitgliedschaften in den Sicherheitsverbänden der Wirtschaft dazu bei, Erfahrungen mit Sicherheitsabteilung anderer Wirtschaftsunternehmen und mit klassischen Sicherheitsunternehmen auszutauschen.


Für die Standortsicherung müssen die Security-Risiken erarbeitet und das vorhandene Sicherungskonzept ständig überprüft und anpasst werden. Wie gehen Sie dabei vor?


Manfred Jilg: Unser Ziel ist es durch den Vergleich unsere Prozesse und Produkte mit anderen Werkschutzorganisationen und Standortsicherheitsabteilungen in der chemischen Industrie die Wettbewerbsfähigkeit unsere Werkschutzorganisation zu prüfen. Es geht dabei darum, vorbildliche Lösungen zu erarbeiten und davon zu lernen. Dabei legen wir hohe Maßstäbe an. Vorher definierte Key Performance Indicators - KPIs - helfen uns dabei Best Practice-Beispiele zu finden. Nach der Überprüfung der individuellen Rahmenbedingungen kann dann die Einführung dieser Best Practices in die eigenen Unternehmensorganisation angedacht werden. Um für ein solches Benchmark-Vorhaben auch rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sollten vorher die kartellrechtlichen Bestimmungen überprüft werden.


Welche Rolle spielt die Sicherheitstechnik beim Werkschutz?


Manfred Jilg: Sicherheitstechnik spielt beim modernen Werkschutz eine wichtige Rolle. Die im Einzelnen eingesetzten Sicherheitstechniken und -technologien entsprechen allen spezifischen Anforderungen, sind jedoch aus Sicherheitsüberlegungen kein Gegenstand für eine öffentliche Betrachtungsweise. Wir sind in der technischen Absicherung state-of-the-art; darüber hinaus möchte ich unserm alten Grundsatz treu bleiben, der eine Sicherheitsmaßnahme nur solange als ein solche beschreibt, wie sie nicht weiter bekannt ist. Wir versuchen auch durch organisatorische Maßnahmen im technischen Umfeld weitere Synergien zu heben. So sind wir derzeit in der Projektphase, die bisherigen Leitstellen von Feuerwehr, Umweltschutz und Security in einer gemeinsamen Leitstelle zusammenzufassen.


Welche Visionen haben Sie für die Entwicklung Ihres Verantwortungsbereiches


Manfred Jilg: Ich bin mit dem bisher Erreichten sehr zufrieden. Wir haben eine lebende Organisation, die ständig ihre Prozesse überprüft und anpasst. Für die Zukunft kann ich mir die Implementierung technisch zuverlässiger Systeme für Routineprüfungen wie z.B. die Ausweis- oder Einfahrtsprüfung zur Entlastung der Mitarbeiter vorstellen. Die Mitarbeiter sollten durch Weiterbildungsmaßnahmen und Trainings noch mehr auf die Durchführung präventiver Aufgaben und eigenständiger Kontrollen vorbereitet sein. Sicherlich werden Werkssicherheitsorganisationen in Zukunft auch verstärkt im Bereich von Umweltkontrollen im Sinne der ISO 14001 einen Beitrag leisten können.


Wie schätzen Sie die derzeitige Sicherheitslage für große Industrieanlagen bzw. Industrieparks ein?


Manfred Jilg: In der Beurteilung der allgemeinen Sicherheitslage teile ich die Auffassung der Behörden, dass wir weiterhin von einer latenten Gefährdung ausgehen müssen, die sich für bestimmte Branchen schneller zu einer konkreteren Gefahr entwickeln kann.




Kasten:
Das vollständige Interview lesen Sie in der Zeitschrift GIT SICHERHEIT, Ausgabe 4/2011, oder online unter:
http://www.git-sicherheit.de/ 

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