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Makroökonomische Trends, die die Chemie bewegen

17.12.2012 -

Makroökonomische Trends, die die Chemie bewegen – In seinem Buch „World out of Balance" beschreibt Autor Paul A. Laudicina, Weltchef der Unternehmensberatung A.T. Kearney, makroökonomische Trends, die die weltweite Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich beeinflussen werden.

Wie und welche Chemieunternehmen angesichts dieser Entwicklungen auch in Zukunft eine ausgeglichene Bilanz aufweisen können, präsentierte Thomas Rings, Vice President bei A.T. Kearney und verantwortlich für den Bereich Prozessindustrien, Anfang Mai auf der Handelsblatt-Jahrestagung Chemie 2007.

Dr. Andrea Gruß befragte ihn zu den künftigen Erfolgsfaktoren der Branche.

 


CHEManager: Herr Rings, welche makroökonomischen Trends werden die Weltwirtschaft bis zum Jahr 2020 beeinflussen?

T. Rings: Die wesentlichen Trends können in fünf Themengruppen gegliedert werden: Demografischer Wandel, Globalisierung, Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen, Regulierung und Gesetzgebungen sowie ein sich veränderndes Konsumentenverhalten.

Am stärksten wird dabei die Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen die Zukunft der chemischen Industrie beeinflussen, gefolgt von der Globalisierung und dem veränderten Konsumverhalten.

 


Welche Zukunftsszenarien ergeben sich aus diesen Trends?

T. Rings: Wir haben uns die Auswirkungen der Trends im Detail angeschaut, das Gesamtspektrum der Möglichkeiten analysiert - von ganz pessimistisch bis ganz optimistisch - und daraufhin drei mögliche Szenarien abgeleitet.

Das Erste nennen wir „Castles and Moats", ein Szenario, bei dem die Globalisierung teilweise zurückgedreht würde. Eigene Interessen würden quasi festungsähnlich geschützt. Gewisse Länder und auch Konsumentengruppen würden schwerer zugänglich und damit auch die Chemiemärkte.

Hier wäre eine verstärkt lokale Präsenz für die Chemieunternehmen von entscheidender Bedeutung, da das Konsumverhalten in den einzelnen, abgeschirmten Märkten sich differenziert entwickeln würde.

Beim zweiten Szenario „Open Borders, lingering Fears" gehen wir davon aus, dass die Globalisierung voranschreitet und sich Grenzen weiter öffnen. Im Unterschied zum erst genannten Szenario würde sich das Konsumentenverhalten homogener entwickeln. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte.

Dieses Szenario nennen wir „Patchwork World".

 


Welche Rolle spielen natürliche Ressourcen in diesen Szenarien?

T. Rings: Sie sind das Kernthema in allen Szenarien. Das weltweit starke Wachstum wird beziehungsweise hat schon zu einem Run auf die Energiereserven führen.

Natürliche Ressourcen und deren Verfügbarkeit würden im „Castles and Moats" Szenario nochmals an Bedeutung für die Chemie gewinnen, da hier Länder mit Ressourcen-Vorkommen noch restriktiver mit diesen umgehen und darauf basierend strategisch dominierende Positionen aufbauen.

Schon heute nutzen beispielsweise Venezuela und Russland ihre Ressourcen auch für politische Zwecke. Umso stärker die politische Isolierung dieser Regionen, desto schwerer der Zugang zu Öl oder Gas für Länder, die nicht über genügend eigene Ressourcen verfügen.

 


Dies wird nicht ohne Konsequenzen für die Chemieindustrie bleiben ...

T. Rings: Ja. Für die Basischemie wird die Nähe zu den Rohstoffen und den neuen Märkten in Asien noch stärker an Bedeutung gewinnen. Sie kann diese Märkte nicht aus ihren bestehenden Anlagen bedienen.

Nur die großen Player, die nahe eines großen Marktes über World-Scale-Anlagen mit guter Rohstoffanbindung verfügen, werden auch in Zukunft wettbewerbsfähig sein.

Dieser Trend zeigt sich bereits heute in den zahlreichen Investitionen in Chemieanlagen im Mittleren und Nahen Osten und der strategischen Sicherung globaler Rohstoffvorkommen, zum Beispiel durch chinesische Petrochemiefirmen.

 


Welche weiteren Erfolgsfaktoren sehen Sie für die Branche im Jahr 2020?

T. Rings: Mit der Verschiebung der Nachfrage nach Asien - insbesondere nach China und Indien, wo sich eine große breite Mittelschicht an Konsumenten etablieren wird - werden sich auch die Anforderungen dieser Konsumenten verändern. Dies ist der eingangs erwähnte dritte große makroökonomische Treiber für die Chemieindustrie.

Dieser Treiber ist insbesondere für die Unternehmen der Spezialchemie entscheidend, denn diese werden ihre High-Tech-Produkte aus dem Westen nicht 1:1 für alle Käuferschichten in den neuen Märkten einsetzen können. Sie müssen vielmehr auf die unterschiedlichen Käuferschichten entsprechend zugeschnittene Produkte anbieten.

Dies verstärkt zukünftig die Notwendigkeit von Innovationen in der Spezialchemie. Um dabei erfolgreich zu sein, müssen Spezialchemieunternehmen nicht nur verstehen, was für ihre direkten Kunden wichtig ist, sondern intime Kenntnisse des Endkunden aufbauen.

Eine nachhaltige Wettbewerbsposition werden demnach nur solche Unternehmen der Spezialchemie erreichen, die ein hohes Innovationspotential mit sehr guter Kenntnis der Kundenwertschöpfungsketten beziehungsweise einer einzigartigen Technologieposition koppeln.

 

 

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