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Nachgefragt

Innovationen schaffen Wachstum

08.09.2010 -

Kontinuität in Forschung und Entwicklung (F&E) ist der wichtigste Garant, um eine Krise gestärkt zu überwinden. Die chemische Industrie ist hier mit gutem Beispiel vorangegangen und hat ihre F&E-Aufwendungen trotz Wirtschaftskrise konstant gehalten. CHEManager befragte dazu Dr. Andreas Kreimeyer, Vorsitzender des VCI-Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung.

CHEManger: Wo liegen derzeit F&E-Schwerpunkte in der Chemieindustrie?

Dr. A. Kreimeyer: Unsere Unternehmen wollen wachsen - mit neuen Produkten und neuen Technologien. Schwerpunkte liegen dabei auf neuen Materialien, Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, Erneuerung der Rohstoffbasis der Chemie und Beiträgen zur Elektromobilität. Beispiel Materialien: Rund zwei Drittel aller Innovationen der Industrie gehen von neuen Materialien aus. 60% der gesamten F&E-Aufwendungen für neue Materialien und Vorprodukte entfallen dabei in Deutschland auf die chemische Industrie. Sie ist damit wichtigster Lieferant neuer Materialien und Vorprodukte für andere Branchen. Und was die Chemie heute erforscht, wird sie morgen herstellen und verkaufen.

Welche Produkte werden dies sein?

Dr. A. Kreimeyer: Beispielsweise Materialien für die Fotovoltaik. Hier sind organische Halbleiter besonders interessant, die keine direkte Sonneneinstrahlung benötigen. Sie haben mittlerweile die Labore der Grundlagenforschung verlassen. Das ehrgeizige Entwicklungsziel lautet: kostengünstige Massenproduktion biegsamer Solarzellen, bei denen die organischen Halbleiter durch großflächiges Bedrucken einer Trägerfolie aufgebracht werden. Erfolgsentscheidend ist hier die „Lebensdauer" der Solarzelle. Neue oder weiterentwickelte Materialien tragen auch zu einer höheren Energie- und Ressourceneffizienz bei. Beispiele sind moderne Betonadditive für die Bauindustrie, neue Kunststoffe für den Automobil-Leichtbau und schnell härtende Epoxidharze für Windräder.

Welchen Beitrag leistet die Chemie zu Elektromobilität?

Dr. A. Kreimeyer: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat im Sommer die „Nationale Plattform Elektromobilität" etabliert. Mehr als 80 Firmen und Institute arbeiten hier interdisziplinär zusammen, um den Anschluss an die USA und Asien bei diesem Thema zu erreichen. Der chemischen Industrie wird hier eine wichtige Rolle zukommen: Batterien, Range Extender, Leichtbau, Rohstoffe und Recycling sind einige wichtige Themen, bei denen wir aktiv mitwirken. Stichwort Batterien: Die Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Batterie für den Einsatz im Elektroauto ist ein Schlüssel zum Erfolg. Ziel ist eine Reichweite von mindestens 400 km bei einem Batteriegewicht kleiner 200 kg. Das entspricht einer Steigerung der Energiedichte pro Kilogramm Batterie um den Faktor drei, verglichen mit heute verfügbaren Batteriemodellen. Die Kosten für den Endverbraucher werden damit signifikant sinken.

Ziel der Bundeskanzlerin ist es, dass im Jahr 2020 1 Mio. Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren, möglichst aus deutscher Produktion. Ist dies realistisch?

Dr. A. Kreimeyer: Es ist sicherlich ein ambitioniertes Ziel, das sich nur unter Bündelung aller Disziplinen erreichen lässt. Die Herstellung vieler Elektronikprodukte wie Videokameras oder Notebooks ist schon in den 70er Jahren aus Deutschland nach Asien abgewandert. Japan, Korea und zunehmend China haben in der Batterietechnologie mindestens fünf Jahre Erfahrungsvorsprung. Trotzdem: Ich bin überzeugt, dass wir mit den jetzt gestarteten Aktivitäten, dem nötigen Mut sowie staatlicher Unterstützung den Abstand zur asiatischen Konkurrenz, besonders bei zukünftigen Batteriekonzepten für automobile Anwendungen, aufholen können. Zudem ist es jetzt dringend erforderlich, auch in der elektrochemischen Grundlagenforschung neue Akzente zu setzen. Der Fonds der Chemischen Industrie unterstützte die Hochschulausbildung in Elektrochemie daher mit einer Sonderförderung.

Wie kann der Staat die Forschung in Deutschlandunterstützen?

Dr. A. Kreimeyer: Auch wenn in Deutschland gespart werden muss, die Forschung in Deutschland sollte steuerlich gefördert werden - wie es viele andere Volkswirtschaften bereits vormachen. Erstklassige Forschung ist wichtiger denn je für unsere Gesundheit, Umwelt und Lebensqualität. Sie führt zu mehr Wirtschaftsleistung und damit auch zu mehr Einnahmen für den Staat. 

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