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Nachgefragt: Peter Becker zur deutschen Lack- und Farbindustrie

Nanotechnik spielt Schlüsselrolle im Bereich Farben und Lacke

28.03.2012 -

Die deutsche Lack- und Druckfarbenindustrie hat bis zum Herbst 2011 deutliche Zuwächse bei der Produktion und dem Absatz von Lacken und Farben erreichen können. Ab dem dritten Quartal flachte das Produktionswachstum zwar etwas ab, die Hersteller zeigten sich aber immer noch weitgehend zufrieden, so der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL). Bis zum Jahresende 2011 wurden rd. 2,1 Mio. t Lacke und Beschichtungsstoffe (ohne Druckfarben) im Wert von 4,8 Mrd. € produziert. Damit beträgt die Wachstumsrate gegenüber 2010 mengenmäßig rd. 3 % und wertmäßig rd. 8 %. Dr. Birgit Megges befragte Peter Becker, VdL-Präsident, zu den Zukunftsaussichten der Branche.

CHEManager: Was ist für Sie persönlich das aussichtsreichste Forschungsgebiet im Bereich der Lacke und Farben?

Peter Becker: Meiner Überzeugung nach kommt der Nanotechnik bei vielen Entwicklungen eine Schlüsselrolle zu: So hat deren Nutzung bereits bei der Verbesserung der Kratzfestigkeit von Autolacken zu deutlichen Fortschritten beigetragen. Dank der Nanotechnologie wird der Lack der Zukunft noch viel mehr zusätzliche Funktionen übernehmen als Kratzfestigkeit. Autolacke werden wie Solarzellen Strom produzieren, und Fassadenfarben könnten sich künftig selbst reinigen.

Laut Angabe des Verbandes bleibt die Situation der Lack- und Druckfarbenhersteller bei den Rohstoffkosten problematisch. In diesem Zusammenhang üben Sie Kritik an den Rohstoffherstellern - inwiefern?

Peter Becker: Ich kritisierte die sich offensichtlich abzeichnende neue Linie der Rohstoffhersteller, nur die Lieferstrukturen außerhalb Europas auszubauen. Dies ist eine kurzsichtige Strategie, denn auch in Europa sind nach wie vor sehr viele Abnehmer von Lack- und Druckfarbenrohstoffen ansässig, die eine immer noch bedeutende europäische Industrie mit Beschichtungsmaterialien versorgen müssen.

Hat die Lackindustrie in Deutschland eine Zukunft?

Peter Becker: Die Lackindustrie hat gerade in Deutschland sehr gute Möglichkeiten, sich durch intelligente Produkte eine eigene Kultur zu schaffen. Lackherstellung ist eine Zukunftstechnologie, für die Fördergelder sehr wichtig sind. Forschungs- und Entwicklungsaufträge aus der Industrie spielen dabei eine große Rolle. Die deutsche Lackindustrie kann ihre Rolle als Weltmarktführer bei den Innovationen nur behaupten, wenn wir auch künftig bei neuen Entwicklungen die Nase vorn behalten - wir leben von Spezialitäten, die andere nicht oder zumindest noch nicht so gut können.

Wie sieht Ihre Prognose für das laufende Jahr aus?

Peter Becker: Für das Jahr 2012 erwarten wir wegen der schwächeren Gesamtkonjunktur bei der Produktion der Lack- und Farbenindustrie ein relativ geringes Wachstum von rd. 1 %. Wir erwarten aber, dass der Umsatz preisbedingt um die 4 % über dem Wert des Jahres 2011 liegen wird.  

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