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Samson: Integrationsservice weltweit

Hans Grimm und Thorsten Muth im Interview

29.03.2011 -

Stellventile sind das Kerngeschäft der Samson Gruppe. Aber die Peripherie rund um die Stellgeräte nimmt an Bedeutung zu. Weiteres Wachstum strebt Samson an durch eine zielgerichtete Internationalisierung seines Geschäfts und durch den konsequenten Ausbau seines Service- und Watungsgeschäftes.

CHEManager befragte Hans E. Grimm, Mitglied des Vorstands der Samson AG und verantwortlich für Vertrieb und Marketing, und Thorsten Muth, Leiter der Abteilung Service-Support International, zur Bedeutung intelligenter Aktorik im Gesamtkonzept verfahrenstechnischer Automatisierung. Das Interview führte Dr. Volker Oestreich.

CHEManager: Herr Grimm, wie hat sich Samson zur heutigen Größe entwickelt und was sind die weiteren firmenstrategischen Ziele?

Hans E. Grimm: Samson hat sich in seiner über 100jährigen Firmengeschichte zu einer weltweit präsenten Firmengruppe mit knapp 3.200 Mitarbeitern entwickelt. Im Geschäftsjahr 2009/2010 erzielte die Gruppe einen konsolidierten Konzernumsatz von 470 Mio. €. Wir befinden uns auf Wachstumskurs mit Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich.

Neben der Chemie, die weiterhin zu unserem größten Abnehmerkreis zählt, hat der Öl- und Gas-Markt in unserem Unternehmensverbund inzwischen die höchsten Zuwachsraten. So haben wir in den letzten 6 Monaten über 556 Tonnen Armaturen im Wert von über 31 Millionen Euro für das größte Raffinerieprojekt in Europa geliefert - eine Anlage des russischen Ölproduzenten Tatneft in der Republik Tartastan.

Nach Deutschland hat sich inzwischen China zum zweitwichtigsten Markt für Samson entwickelt. Auch der Mittlere Osten und die Golfstaaten zählen zu den Wachstumsregionen in denen Samson über viele internationale Anlagenbauer in Europa, China, Korea und den USA mit Projekten beteiligt ist. Im Bereich der alternativen Energien hat sich besonders in Spanien der Geschäftsbereich solarthermische Anlagen außergewöhnlich entwickelt. Hier kommen vor allem balgabgedichtete Regelventile bei Wärmeträgeröl zum Einsatz.

In der Prozessautomation verbindet man mit dem Namen Samson eine marktführende Position bei Stellgeräten. Was waren für Samson die Meilensteine auf dem Weg zu dieser Stellung?

Hans E. Grimm: Ein wichtiger Schritt war das Konzept einer kompakten, modular aufgebauten Stellgerätefamilie, die Anfang der siebziger Jahre mit der Baureihe 240 erstmals das Interesse der chemischen Industrie fand. Diese Baureihe wurde kontinuierlich konstruktiv aufgewertet und ergänzt Daneben entstand für den Einsatz in sogenannten „Cold Boxen" ein zusätzliches Ventilprogramm für Luftzerlegeranlagen. Heute gehören fast alle weltweit agierenden Gasehersteller zu unserem Kundenkreis.

Im Jahr 1992 brachte Samson den ersten digitalen Stellungsregler mit offener Hart-Kommunikation auf den Markt, der 2002 durch eine Stellungsreglerfamilie mit voll im Stellungsregler integrierter Diagnosefunktionalität ersetzt wurde. Diese Baureihe wurde jetzt ergänzt mit integrierten Drucksensoren, die neue Möglichkeiten bei der Auswertung und Abschätzung der Durchflussdaten ermöglichen.
Im Lauf der letzten 25 Jahre hat sich Samson mit der Integration von Spezialisten der Aktorik im Drehstellventilbereich wie die Firmen Pfeiffer mit ausgekleideten Armaturen, Vetec mit Drehkegelventilen, Starline mit geschmiedeten Kugelhähnen, Air Torque mit Schwenkantrieben und Leusch mit dreifachexzentrischen Stellklappen zu einem Main Valve Vendor für die Prozessindustrie entwickelt, der Komplettlösungen konzipieren und anbieten kann.

Thorsten Muth: Dabei spielt auch die richtige und sorgfältige Auslegung eine wichtige Rolle, weil dies die beste Basis für Sicherheit und Zuverlässigkeit ist - eine Frage also des applikationsorientierten Services. Produkte lassen sich heute nur noch erfolgreich vermarkten, wenn ein professionell aufgestellter Kundendienst vorhanden ist. Samson verfügt über ein dichtes, leistungsstarkes und weltumspannendes Netz von Service-Stützpunkten mit auditierten Werkstätten. Der Kundendienst von Samson trägt durch sein umfangreiches Portfolio an Dienstleistungen und Produkten entscheidend zur Wertschöpfung der traditionellen Vertriebsprodukte bei.
Neben lückenlosen Bild-Text-Montage- und Prüfanweisungen für Armaturen, auch in Form von animierten interaktiven Darstellungen, werden durch maßgeschneiderte, die komplette Produktpalette der SAMSON Group abdeckende Schulungen praktische Kenntnisse an Stellventilen und Anbaugeräten vermittelt. Zusätzlich werden alle theoretischen Kundendienst-relevanten Themen behandelt. Sehr praxisbezogen läuft auch ein „training on the job" während einer Inbetriebnahmen ab, wo den Kunden Wesentliches über die in ihrer Anlage eingebauten Stellventile und Anbaugeräte vermittelt wird.

Wo liegt das weitere Innovationspotential bei Ventilen? Wird es auf dem Weg zum Condition Monitoring in Zukunft verstärkt Sensorik in den Ventilen geben?

Hans E. Grimm: Wir haben heute zwei Megatrends im chemischen Anlagenbau: Einerseits world-scale Anlagen mit immer größeren Durchflussmengen und andererseits kleine flexible Mikroanlagen für Batchprozesse. In beiden Fällen sind intelligente Stellventile mit integrierter Sensorik und Intelligenz gefragt, um Anlagenzustände zu beobachten und Ausfallzeiten durch vorbeugende Diagnose und Wartung zu minimieren. Grundsätzlich gilt es, erst einmal die Sensorik auszuwerten, die für die Grundfunktion des Gerätes unabdingbar ist. Jeder zusätzliche Sensor stellt zunächst eine Fehlerquelle dar. Drucksensoren mit der notwendigen Qualität haben wir erst seit kurzem, weniger wegen der Diagnose, sondern um zusätzliche Funktionen zu bringen. Einen Körperschallsensor in Verbindung zum Stellungsregler zur Erkennung der inneren Leckage oder kritischen Betriebszuständen von Ventilen bieten wir schon länger an.

Thorsten Muth: Ein zukunftsweisender und schnell an Bedeutung gewinnender Bestandteil des Leistungsumfangs im Servicebereich sind intelligente Diagnose-Werkzeuge, mit deren Hilfe eine Vielzahl von Zustandsdaten über Armaturen, eine Art Historie, generiert werden. Diese Details können messstellenbezogen gesammelt, gefiltert und ausgewertet werden. Auf diese Weise können konkrete Empfehlungen über vorbeugende Wartung an den Kunden gegeben werden. Eine derartige Online-Überwachung der Stellgeräte-Performance trägt dem Konzept der Anlagen effizienz und Kostenminimierung Rechnung. Kunden bewerten mit den so gewonnenen Informationen die Lebenszykluskosten ihrer Anlage.

Ein wichtiger Baustein der von Ihnen angesprochenen Anlageneffizienz ist die Energieeffizienz, ein Thema, das derzeit die Diskussion beherrscht. Sehen Sie das Regelventil in Zukunft durch über Frequenzumrichter geregelte Pumpen bedroht?

Hans E. Grimm: Zur Steigerung der Energieeffizienz müssen wir immer Drehzahl der Pumpe und Ventilstellung zusammen im Auge behalten. Durch Frequenzumrichter geregelte Pumpen werden sicherlich nicht das Regelventil ersetzten. Wir denken jedoch an regelungstechnische Lösungen, die das Optimum hinsichtlich Funktion und Energieeffizienz aus der Kombination von Stellventil und drehzahlgeregelter Pumpe bei besserer Wirtschaftlichkeit herausholen. Natürlich gilt dies nur für bestimmte Prozessanlagen.

Am Chemiestandort Frankfurt-Höchst hat Samson bei der Ventiltechnik seit vielen Jahren die uneingeschränkte Vorreiter-Rolle - Sie nutzen Ihren Heimvorteil insbesondere im Wartungs- und Servicefall. Inzwischen sind nicht nur die Märkte, sondern auch die Fertigungsstätten globalisiert. Wie stellen Sie sich auf diese Situation ein?

Hans E. Grimm: Nicht nur am Standort Frankfurt hat Samson eine Vorreiter-Rolle. Obwohl sich die Samson -Gruppe mit lokalen Produktionsstätten in Italien, der Türkei, in China, Indien und in den USA auf die Anforderungen dieser Märkte eingestellt hat, stand und steht der Standort Deutschland nie zur Disposition. Hier in Frankfurt schlägt das Herz der Gruppe und hier befindet sich ein Produktions- und Entwicklungszentrum für Stellgeräte, dass unsere Kunden aus aller Welt bei jedem Besuch in Erstaunen versetzt.

Der hohe Grad unserer Fertigungstiefe ermöglicht uns ein hohes Maß an Kontrolle der Qualität unserer Produkte. Und Qualität wird sich auf den Märkten auf denen wir uns befinden und auf die wir abzielen immer gegenüber reinem Preisdenken durchsetzen.

Thorsten Muth: Neben dem Produkt steht immer auch die Dienstleistung, der Service, der eine optimale Auswahl der geeigneten Armatur, eine reibungslose Inbetriebnahme und eine Vor-Ort-Betreuung über die gesamte Lebensdauer sicherstellt. Hierzu hat die Samson -Gruppe neben dem engmaschigen Servicenetz in Deutschland auch weltweit Servicecenter an den großen Chemiestandorten aufgebaut.

Weitere Bausteine der langfristigen Kundenbindung sind die Vorbereitung und Abwicklung von Anlagenstillständen und Inbetriebnahmen, wo erfahrenes und spezialisiertes Stammpersonal mit den Samson-Kollegen vor Ort zusammenarbeitet. Als Beispiel sei die Inbetriebnahme eines „world-scale" steam cracker in Abu Dhabi genannt, wo wir mit Mitarbeitern der Samson-Niederlassung in Dubai unter straffen Zeitvorgaben 1500 Armaturen erfolgreich in den Prozess integrierten.


Smart Valve Integration Center
Stellgeräte sind heute Paradebeispiele für mechatronische Komponenten, finden sich doch Mechanik, Elektronik und Software kompakt und funktionsgerecht vereinigt. Als Feldgeräte in verfahrenstechnischen Anlagen haben sie primär die Aufgabe, Stoffströme zu regeln und zu beeinflussen. Neben der Stellgeräteperformance ist die Einbindung in die Leit- und Asset Management-Systeme über geeignete Schnittstellen zur erweiterten Diagnose über das Gerät und auch den Prozess von Bedeutung - die NAMUR-Empfehlungen NE 105 und 107 weisen hier den Weg.
Dazu bietet das Smart Valve Integation Center (SVIC) von Samson Hilfe und Unterstützung: hier werden die Voraussetzungen für die optimale Integration der intelligenten Stellgeräte in die Leit-, Engineering- uns Asset Management-Systeme sichergestellt. Neben der Entwicklungsunterstützung sind der Technologietransfer mit praxisorientierten Schulungen und die anwendungsbezogene Optimierung die Hauptaufgaben des SVIC. Für die Systemintegration und Systemtests steht Leittechnik von Siemens (Simatic PCS 7), Yokogawa (Centum CS 300 R3), Emerson (Delta V), Endress+Hauser (ControlCare), Honeywell (Experion PKS) und ABB (Freelance 800 F) zur Verfügung.
 

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