Boehringer plant Tauschgeschäft mit Sanofi

Boehringer will Tiermedizin-Sparte von Sanofi übernehmen, Sanofi erhält Selbstmedikations-Geschäft

Boehringer Ingelheim plant die größte Übernahme seiner Geschichte. Das Unternehmen will die milliardenschwere Tierarznei-Sparte des französischen Pharmakonzerns Sanofi übernehmen. Damit würde man zum zweitgrößten Anbieter in dem lukrativen Markt aufsteigen und an Bayer vorbeiziehen. Im Gegenzug gibt Boehringer sein Geschäft mit rezeptfreien Arzneien und Gesundheitspräparaten an die Franzosen ab. Weil diese Sparte (Verkaufsschlager Mucosolvan-Hustensaft) weniger wert ist, würde Boehringer noch zusätzlich 4,7 Mrd. EUR an Sanofi zahlen.

"Wir entwickeln eine gute Basis im Tiergesundheitsgeschäft und bringen ein weltweit starkes Unternehmen hervor", sagte Boehringer-Chef Andreas Barner. Durch den Zusammenschluss entstünde nach dem US-Konzern Zoetis der zweitgrößte Anbieter im Markt für Tiergesundheit mit einem Umsatz von rund 3,8 Mrd. EUR und mehr als 10.000 Mitarbeitern.

Lange gab es in dem Markt so gut wie keine größeren Übernahmen. 2011 war die Riesenfusion des Tiermedizin-Geschäfts von Merck & Co und Sanofi an Kartellauflagen gescheitert. Danach hatte Pfizer seine Sparte Zoetis an die Börse gebracht, statt sie, wie von der Konkurrenz gehofft, zum Verkauf zu stellen. Vor drei Jahren hatte Bayer von Teva das Geschäft mit Tierschampoos und Anti-Infektions-Präparaten für Nutztiere erworben, der Deal war mit 145 Mio. USD aber vergleichsweise gering.

Boehringer hatte sein Tiermedizin-Geschäft schon 2009 mit der Übernahme von Teilen des US-Tiergesundheitsspezialisten Fort Dodge gestärkt. Details zu der Transaktion wurden nie genannt, das Volumen war aber deutlich geringer als der nun geplante Deal mit Sanofi. "Unsere Liquidität reicht aus, um den Kaufpreis zu finanzieren", sagte Barner. Laut Geschäftsbericht hat das Unternehmen rund 8,5 Mrd. EUR auf der hohen Kante.

Noch ist der Spartentausch nicht in trockenen Tüchern. Auch die Genehmigung der Kartellbehörden steht noch aus. Bis Ende 2016 soll der Deal abgeschlossen sein.

Auch für Sanofi würde sich das Tauschgeschäft auszahlen: Die Franzosen würden durch die Übernahme des Boehringer-Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten nach eigenen Angaben auf Platz eins der Anbieter von frei verkäuflichen Arzneimitteln vorrücken.

Mit einem Umsatz von gut 5 Mrd. EUR und einem globalen Marktanteil von rund 4,6% würden sie GlaxoSmithKline und Bayer auf die Plätze verweisen. Sanofi-Chef Olivier Brandicourt hatte mehrfach erklärt, er sehe nur geringe Überschneidungen zwischen der Tiermedizin und dem Rest des Geschäfts.
 

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