Chemiekonjunktur weltweit – Chemiegeschäft nimmt Fahrt auf

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  • Dr. Henrik Meincke, Chefvolkswirt, Verband der Chemischen Industrie

2012 war in der Weltwirtschaft das Jahr der enttäuschten Hoffnungen. Nahezu alle Experten hatten mit einer Belebung der globalen Wirtschaft im Jahresverlauf gerechnet. Doch die Weltwirtschaft kam nicht in Gang. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt stieg nur um 2 % und schrammte dabei an einer Rezession vorbei. Zu Beginn des Jahres 2013 ist die weltwirtschaftliche Entwicklung weiterhin von großen Unsicherheiten geprägt: Stürzt die US-Wirtschaft über die Fiskalklippe in die Rezession? Wann können Italien, Spanien, Portugal oder Griechenland den rasanten Abwärtstrend stoppen? Steckt die wirtschaftliche Schwäche Südeuropas auch den Norden an? Kann China das hohe Wachstumstempo halten? Greifen in Japan die Konjunkturmaßnahmen? Und helfen die Infrastrukturinvestitionen in Brasilien dem Land wie erhofft zu einem höheren Wachstumspfad? Angesichts dieser Risikofaktoren hält die weltwirtschaftliche Flaute zu Beginn des Jahres 2013 noch an. Doch die Stimmung hat sich mittlerweile leicht verbessert. Nicht nur viele Ökonomen, sondern zunehmend auch Unternehmen und Konsumenten erwarten, dass sich die Auftriebskräfte im weiteren Jahresverlauf weltweit durchsetzen werden. In der Industrie steigen bereits die Auftragseingänge und die globale Industrieproduktion nimmt Fahrt auf. Zuversichtliche Industrieunternehmen und eine Produktionsausweitung führen rasch zu verstärkten Chemikalienbestellungen, zumal viele Kunden wieder beginnen, ihre Chemikalienläger aufzufüllen. Demzufolge kann die Chemie frühzeitig von der bevorstehenden Erholung profitieren. Vor diesem Hintergrund dürfte die globale Chemieproduktion im laufenden Jahr um rund 4 % zulegen. Dies ist deutlich mehr als im Vorjahr (Grafik 1). Allerdings bleibt das Risiko konjunktureller Rückschläge hoch.

Chemie legt weltweit zu
Nach den kräftigen Rückschlägen durch die Wirtschafts- und Finanzkrise wuchs die globale Chemieproduktion zunächst mit hoher Dynamik. Bereits zu Beginn des Jahres 2010 konnte daher das Vorkrisenniveau wieder übertroffen werden. Doch dann erreichte die globale Wirtschaftsschwäche das Chemiegeschäft. Das Wachstum schmolz im ersten Quartal 2012 vorübergehend auf 1,6 %. Doch schon in der zweiten Jahreshälfte nahm die Chemieproduktion wieder Fahrt auf (Grafik 2).

Mit rund 3 % blieb das Wachstum allerdings hinter dem Trendwachstum zurück. Im vergangenen Jahr wuchs das globale Chemiegeschäft insgesamt um 2,6 %. Allerdings zeigten sich deutliche Unterschiede in den einzelnen Ländern und Regionen.
Asien: Hohe Dynamik der Schwellenländer
In den Schwellenländern Asiens wuchs die Chemieproduktion auch im Jahr 2012 dynamisch. Dennoch hinterließ die schwache Weltkonjunktur ihre Spuren. Das Tempo des Aufschwungs hat sich abgeschwächt. Die Branche konnte in Südkorea und Indien im Gesamtjahr 2012 ein Wachstum von 4,6 bzw. 1,5 % verbuchen. Nur Chinas Chemiebranche zeigte sich unbeeindruckt und legte im vergangenen Jahr um mehr als 11 % zu. Doch auch im Reich der Mitte ließ die Dynamik zuletzt nach.
Japan konnte nicht von der Dynamik der Nachbarländer profitieren. Im Gegenteil. In der zweiten Jahreshälfte 2012 brach die Produktion um fast 5 % ein (Grafik 3). Nur wegen des guten ersten Halbjahres konnte im Gesamtjahr das Vorjahresniveau gehalten werden. Die asiatische Konkurrenz und die schwache Binnenkonjunktur machen den Unternehmen zu schaffen. Mittlerweile gibt es Anzeichen, dass mit den Konjunkturmaßnahmen der neuen japanischen Regierung der Abwärtstrend gestoppt werden konnte.

Europa: Schuldenkrise belastet Chemiegeschäft
Die europäische Chemieindustrie hatte sich rasch und dynamisch von den Folgen der globalen Finanzkrise erholt. Das Vorkrisenniveau konnte im Jahresverlauf 2010 bereits wieder übertroffen werden. Der Rückschlag kam im Jahr 2011. Die europäische Chemieproduktion sank von Quartal zu Quartal, weil die durch die Verschuldungskrise ausgelöste Rezession in Südeuropa zunehmend das europäische Chemiegeschäft erfasste. Gegen Ende 2011 war der Tiefpunkt erreicht. Doch die erhoffte Belebung blieb aus. Die europäische Chemieproduktion stagnierte im Jahresverlauf (Grafik 4). Im Gesamtjahr sank die Produktion um 1 %. Bis Dezember war noch keine Besserung in Sicht.

Amerika: Geringes Wachstum
In den Vereinigten Staaten blieb das Chemiegeschäft trotz Shale-Gas-Hype schwierig. Zwar setzte auch jenseits des Atlantiks nach den krisenbedingten Produktionsrückgängen rasch die Erholung ein. Der Aufwärtstrend blieb jedoch kraftlos. Daher fehlen der US-amerikanischen Chemieproduktion Ende 2012 immer noch rund 10 % zum Vorkrisenniveau von 2007.
Besser erging es der Chemieindustrie in Südamerika, z.B. in Brasilien. Mittlerweile produziert das Land deutlich mehr Chemikalien als vor der Krise. Aber auch das brasilianische Chemiegeschäft war nicht frei von Rückschlägen (Grafik 5). Im Jahr 2011 musste die brasilianische Chemieproduktion sogar gedrosselt werden. Erst 2012 ging es wieder aufwärts. Die Produktion stieg im Gesamtjahr um 2,5 %. Angesichts des Rohstoffreichtums auf der Angebotsseite und der wachsenden Mittelschicht auf der Nachfrageseite ist dieses Wachstum jedoch enttäuschend.

Ausblick: Nicht überall laufen die Geschäfte rund
Der Jahresbeginn 2013 verlief in vielen Ländern erfreulich. Die Hoffnung ist groß, dass sich das Wachstum der globalen Chemieproduktion auf 4 % beschleunigt. Allerdings bleiben die Unterschiede zwischen den Ländern bestehen. Die europäische Chemie kann in diesem Jahr kaum zulegen. Japans Chemie muss sogar einen leichten Produktionsrückgang befürchten. In den übrigen Industrieländern sehen die Prognosen demgegenüber erfreulicher aus, wenngleich das Wachstum moderat bleibt. Nur in den Schwellenländern bleibt die Dynamik hoch (Grafik 6).

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