Das „Internet der Dinge“ kommt in die Produktion

Vortragsveranstaltung der Provadis Hochschule beleuchtet Chancen und Risiken von Industrie 4.0

Wie sieht die Fabrik der Zukunft aus? Wie verändert die Digitalisierung die Industrie, wie kann eine sichere Industrie 4.0 gestaltet werden? Einen Blick in die Zukunft erlaubte die Vortragsveranstaltung „Industrie 4.0: Chancen und Risiken der globalen Vernetzung", zu der die Provadis Hochschule in den Industriepark Höchst eingeladen hatte. Die Vortragsreihe „Industrie 2030" organisiert die Provadis Hochschule mit verschiedenen Partnern im Rahmen des „Rhein-Main-Cluster Chemie und Pharma".

„Im Internet der Dinge steuern sich auch Produktionsanlagen selbstständig, alle Komponenten kommunizieren und teilen Daten miteinander", sagte Prof. Dr. Martin Przewloka, Senior Vice President der SAP, in seinem Vortrag. Dies sei jedoch eine langfristige Perspektive, in naher Zukunft wird Industrie 4.0 die Anlagenwartung verbessern und die Produktionsprozesse optimieren. Sogenanntes „Predictive Maintenance" soll Vorhersagen ermöglichen, wann beispielsweise eine Störung an einer Anlage eintreten wird. Dann können rechtzeitig Wartungsarbeiten geplant werden, um längere Stillstandzeiten zu vermeiden.

„Smart items" optimieren ihr Zusammenspiel
Auf lange Sicht wird sich das Internet der Dinge gravierender auf die Industrie auswirken. Da alle physischen Dinge internetfähig werden können, beispielsweise mittels aufgeklebter Nahfunkchips, könnte im Extremfall die physische Welt in der virtuellen Welt eins-zu-eins abgebildet werden und sich wie selbstverständlich vernetzen. Diese sogenannten „Cyber physical systems" oder „Smart items" bilden dann das Internet der Dinge. Die vernetzten Komponenten würden ihren Produktionsprozess selbstständig optimieren, um ihre Ressourcen effizient zu nutzen. „In der Produktion könnte das bedeuten, dass der Werkstoff der Maschine sagt, was für ein Produkt er werden soll", so Martin Przewloka, der über viel Erfahrung in der Digitalisierung von industriellen Prozessen verfügt. Przewloka arbeitet seit rund 20 Jahren für die SAP und hat verschiedene Industriesoftware-Projekte für das Unternehmen geleitet. Zudem hat er das Produktmanagement des Kernprodukts ERP verantwortet.

Martin Przewloka von SAP neuer Honorarprofessor an Provadis Hochschule
Von seiner Erfahrung profitieren auch die Studierenden der Hochschule.

Der promovierte Physiker ist neuer Honorarprofessor an der Hochschule am Industriepark Höchst. Prof. Dr. Eva Schwinghammer, Präsidentin der Hochschule, überreichte Martin Przewloka im Rahmen der Veranstaltung die Ernennungsurkunde, ausgestellt vom Hessischen Kultusministerium für Wissenschaft und Kunst. „Mit Ihrer einzigartigen Erfahrung in Hochtechnologieprojekten und Softwarelösungen für die Industrie sind Sie eine Verstärkung für unseren Fachbereich Wirtschaftsinformatik - unsere Studenten können sich freuen", sagte Professor Schwinghammer vor 200 Besuchern der Vortragsveranstaltung, die nicht nur die Innovations- und Geschäftspotenziale, sondern auch die Risiken der digitalen Vernetzung zum Thema machte.

Datenübertragung und IT-Sicherheit als Achillesferse
Voraussetzung für den Erfolg von Industrie 4.0 ist die Gewährleistung einer sicheren und störungsfreien Datenübertragung, denn mit der Vernetzung steigt auch das Risiko der Manipulation von Daten. Ein großes Hemmnis sieht Martin Przewloka immer noch in der Datenverarbeitung: Auch wenn in diesem Zusammenhang in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte verzeichnet werden konnten, wie beispielsweise durch die sogenannte In-Memory-Technologie, der Flaschenhals ist insbesondere bei Echtzeitanwendungen die Rechenleistung. Die Datenmengen sind schlicht zu groß. Ein weiterer Hemmschuh ist die IT-Sicherheit, zu der Christian Schülke referierte. Der Geschäftsführer einer IT-Sicherheitsfirma sieht darin die Achillesferse für die Industrie 4.0. Das Internetprotokoll sei ursprünglich für die Kommunikation innerhalb einer in sich abgeschlossenen Organisation entwickelt worden. Absender und Empfänger der Datenpakete waren einander bekannt. Heute ist das im Internet anders, es gibt Kommunikationsteilnehmer mit Scheinidentitäten und kriminellen Absichten. Das Risiko liege dabei nicht nur in Wirtschaftsspionage und Datenklau, sondern auch in der Manipulation von Daten. Darum sei sichere Authentifizierung der Geräte und der Nutzer wichtig für die Umsetzung von Industrie 4.0.

Industrie 4.0 muss auch wirtschaftlich sein
Entscheidend sind dabei wirtschaftliche Überlegungen, wie Martin Przewloka deutlich machte: „3-D-Drucker ermöglichen Herstellungsprozesse, die vorher nicht realisierbar waren. Doch diese Technologie wird die klassische Produktion nicht vollständig ersetzen, sondern ergänzen." Für manche Produkte werde 3-D-Druck niemals wirtschaftlich sein können. „Die Zukunft wird nicht so aussehen, dass die per Online-Shop bestellte Kaffeemaschine von einem selbstfahrenden Auto eines Online-Versandhändlers direkt vor der Wohnungstür auf dem 3-D-Drucker hergestellt wird. Das ist schlicht nicht effizient", so Przewloka. Doch das Internet der Dinge werde in der Produktion ankommen, so sein Fazit.

Die Provadis Hochschule ist auf duale und berufsbegleitende Studiengänge spezialisiert. Inhaltlicher Schwerpunkt sind Fragestellungen aus der Industrie sowie anspruchsvollen industrienahen Dienstleistungen. Die Hochschule bietet die Möglichkeit, international anerkannte Bachelor-Abschlüsse in den Studiengängen Business Administration, Business Information Management, Chemical Engineering und Biopharmaceutical Science sowie Master-Abschlüsse in den Studiengängen Chemical Engineering sowie Technologie & Management zu erwerben. Etwa 1.000 Studierende sind an der privaten Hochschule im Industriepark Höchst eingeschrieben.

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