Deutsche Chemieindustrie blickt auf schwieriges Jahr 2019 zurück

Umsatz sinkt auf 193 Mrd. EUR, Branche will Zukunft durch Innovation, Digitalisierung und Nachhaltigkeit sichern

  • Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (links) und VCI-Präsident Hans Van Bylen (rechts) stellten in Frankfurt den Jahresabschluss der Branche und den Ausblick auf 2020 vor. (Foto: CHEManager)Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (links) und VCI-Präsident Hans Van Bylen (rechts) stellten in Frankfurt den Jahresabschluss der Branche und den Ausblick auf 2020 vor. (Foto: CHEManager)

Das zu Ende gehende Jahr 2019 war ein schwieriges Jahr für Deutschlands chemisch-pharmazeutische Industrie. Der Umsatz verringerte sich laut VCI um 5% auf 193 Mrd. EUR. Die Produktion ging insgesamt um 7,5% zurück. Dieser Wert ist aber stark von einem statistischen Sondereffekt in der Pharmasparte (-16,5%) geprägt. Chemie ohne Pharma verbuchte ein Produktionsminus von 2,5%.

Trotz der schwachen Chemiekonjunktur erhöhte sich die Zahl der Mitarbeiter noch leicht (+0,5%) auf 464.800 Personen. Das ist der höchste Beschäftigungsstand seit 2001, so der Chemieverband. 50.000 Arbeitsplätze sind in der Branche in den letzten 9 Jahren zusätzlich entstanden.

„Zurzeit erwarten unsere Unternehmen auch für die kommenden Monate keine Verbesserung ihrer Geschäfte. Die geringe wirtschaftliche Dynamik wird sich noch weit ins kommende Jahr ziehen. Auch von den Auslandsmärkten dürften keine starken Impulse für eine Trendwende der Chemiekonjunktur kommen“, sagte VCI-Präsident Hans Van Bylen.

Für 2020 geht der VCI daher nur von einer leichten Zunahme der Chemieproduktion von 0,5% aus, die vom erwarteten Wachstum in der Pharmasparte (+2,0%) getragen wird. Bei stagnierenden Preisen sollte der Gesamtumsatz der Branche um 0,5% auf rund 194 Mrd. EUR steigen.

Um sich gegen konjunkturelle Schwankungen oder widrige politische Rahmenbedingungen, wie Handelskonflikte, zu wappnen und ihre Zukunft am Standort Deutschland zu sichern, will die Branche ihre Anstrengungen bei Innovationsfähigkeit, Digitalisierung und Nachhaltigkeit verstärken, betonte VCI-Präsident Van Bylen.

Mit derzeit 12 Mrd. EUR im Jahr zählt die Branche bei den Forschungsaufwendungen bereits zum nationalen wie globalen Spitzenfeld. Und die Ausgaben sollen weiter steigen: Der VCI geht davon aus, dass die reale Zunahme für Investitionen in F&E im langfristigen Durchschnitt bei 2,5% pro Jahr liegen wird. Die Branche wird sich zudem in Zukunft noch intensiver mit den Anforderungen der Kunden auseinandersetzen und die Zusammenarbeit vertiefen müssen, um für sie individuelle Lösungen für nachhaltigere Produkte zu entwickeln.

Dafür setzt die Branche auch auf die Digitalisierung.

Van Bylen: „Die Digitalisierung bietet großes Potenzial für unsere Industrie.“ Die Auswertung von Big Data und der Einsatz von künstlicher Intelligenz erhöhen die Chancen für das Auffinden von Stoffen mit neuen oder besseren Eigenschaften um ein Vielfaches. Um dieses Potenzial der Digitalisierung erschließen zu können, braucht es qualifizierte Mitarbeiter für die Forschung und die Produktion. Ein wichtiger Teil der digitalen Qualifizierung findet in den Unternehmen statt. Als eine der ersten Branchen in Deutschland hat die Chemie im letzten Jahr eine Wahlqualifikation „Digitalisierung und vernetzte Produktion“ für den Ausbildungsberuf Chemikant/in eingeführt.

„Unsere Branche treibt zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit die Nachhaltigkeit von Produktion und Produkten konsequent voran. Wir bekennen uns ausdrücklich zum Klimaschutz und handeln entsprechend“, betonte der VCI-Präsident. Seit 1990 hat die Chemie ihre Treibhausgasemissionen nahezu halbiert. Sie stellt sich jetzt der Herausforderung, Treibhausgasneutralität bis 2050 zu erreichen. Eine aktuelle Studie belegt, dass es für die deutsche Chemie technologisch möglich ist, bis 2050 treibhausgasneutral zu produzieren. 45 Mrd. EUR müssen die Unternehmen dafür in eine neue Generation von Anlagen investieren. Zudem benötigen die Unternehmen enorme Mengen Strom aus erneuerbaren Energien zu einem deutlich günstigeren Preis als heute, damit die Transformation der Verfahren gelingt.

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60329 Frankfurt
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