Fortbildung "Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)"

Zur Bedeutung betriebswirtschaftlicher Qualifikationen in der Chemischen Industrie

  • Dr. Uwe Kehrel, Universität MünsterDr. Uwe Kehrel, Universität Münster
  • Dr. Uwe Kehrel, Universität Münster
  • Prof. Jens Leker, Universität Münster

Die Wertschöpfung in der chemischen Industrie zeichnet sich durch eine Reihe spezifischer Besonderheiten aus, die die Chemieindustrie von produzierenden Unternehmen anderer Branchen unterscheidet. So weisen Unternehmen der chemischen Industrie im Allgemeinen komplexe Prozessabläufe und eine hohe Forschungsintensität auf. Die Herstellung chemischer Produkte erfolgt in Fertigungsanlagen, die einen hohen Automatisierungsgrad besitzen und mit Kapitalinvestitionen in erheblicher Höhe verbunden sind. Der Markt für chemische Erzeugnisse zeichnet sich dabei durch eine starke internationale Per­spektive aus, da Chemieunternehmen ihre Produkte in der Regel weltweit absetzen und auf globaler Ebene miteinander konkurrieren.

Unternehmen, die unter diesen Rahmenbedingungen erfolgreich im Wettbewerb bestehen möchten, müssen daher zwei unterschiedliche Themenfelder berücksichtigen und miteinander in Einklang bringen. Zunächst ist zu gewährleisten, dass die erforderlichen Produktionsprozesse beherrscht und stetig weiterentwickelt werden. Dabei basieren Prozesse in der chemischen Indus­trie in erster Linie auf ingenieurwissenschaftlichen und naturwissenschaftlichen Erkenntnissen sowie Ergebnissen aktueller Forschungs- und Entwicklungsbemühungen. Diese bilden die Grundlage für eine erfolgreiche und bedarfsorientierte Fertigung chemischer Erzeugnisse. Da jedoch jede unternehmerische Aktivität in marktwirtschaftlichen Systemen in einem wettbewerblichen Umfeld stattfindet und die für die jeweiligen Produktionsprozesse benötigten Ressourcen begrenzt sind, bilden betriebswirtschaftliche Aspekte und Fähigkeiten die zweite Säule erfolgreichen unternehmerischen Handelns in der chemischen Industrie.

Strukturwandel im Führungsteam
Da die Wettbewerbsintensität in der chemischen Industrie wie auch in fast allen anderen Wirtschaftszweigen aufgrund eines zunehmenden internationalen Austausches von Waren, Dienstleistungen und Informatio­nen in der Zukunft tendenziell eher steigen wird, ist von einem weiteren Bedeutungszuwachs betriebswirtschaftlicher Aspekte auszugehen. Ein Indiz hierfür kann aus bereits zu beobachtenden Veränderungen in den Strukturen von Vorständen und Aufsichtsräten abgeleitet werden.

Dominierten in der Vergangenheit regelmäßig Naturwissenschaftler die obersten Führungsgremien, so sind in diesen mittlerweile häufig auch Betriebswirte oder Personen mit natur- und wirtschaftswissenschaftlicher Qualifikation anzutreffen.

Studiengang: Wirtschaftschemie
Derartige Doppelqualifikationen deuten darauf hin, dass die in der Praxis auftretenden Fragestellungen oftmals die Schnittmenge von Betriebswirtschaft und Chemie betreffen. Dies führt in vielen Fällen dazu, dass eindimensionale Lösungsansätze, die entweder aus einer betriebswirtschaftlichen oder aus einer chemischen Perspektive erfolgen, zu kurz greifen. Vielmehr werden spezielles Wissen und daraus abgeleitete spezielle Methoden benötigt, die sich durch eine parallele Anwendung von Betriebswirtschaft und Chemie auszeichnen. In der betrieblichen Praxis werden daher Personen benötigt, die beide Disziplinen miteinander vernetzten und darauf aufbauend interdisziplinär arbeiten. Verschiedene Universitäten haben diesen Bedarf in Deutschland erkannt und bieten seit mehreren Jahren die Möglichkeit, im Rahmen des Studienganges Wirtschaftschemie ganzheitlich die naturwissenschaftliche Fragestellungen und wirtschaftswissenschaft­liche Themen miteinander zu verbinden und zu erforschen. Die in der Vergangenheit ungebrochen anhaltende große Nachfrage nach ­Absolventen dieses Studienganges bestätigt das Bedürfnis der chemischen Industrie nach wissen­schaftlich ausgebildeten Fachkräften, die entsprechende Schnittstellenfunktionen in der Praxis besetzen können.

BWL-Zusatzqualifikation erforderlich
Für Chemiker und Ingenieure, die in der chemischen Industrie tätig sind, bedeuten die geschilderten Sachverhalte, dass für die Übernahme von Managementaufgaben der Aufbau einer individuellen betriebswirtschaftlichen Qualifikation unumgänglich ist. Im Allgemeinen fällt bei Personen, die ein klassisches natur- oder ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert haben, der Erwerb derartiger Zusatzqualifikationen in den Bereich der beruflichen Fort- und Weiterbildung. Interessenten können hier aus einer Vielzahl unterschiedlicher Angebote, vom rudimentären Eintagesseminar bis hin zum Vollzeit-MBA an international renommierten Universitäten, wählen.

Fortbildungsprogramm der GDCh
Eine besondere Stellung nimmt in diesem Kontext das neue betriebswirtschaftliche Fortbildungsprogramm der Gesellschaft Deutscher Chemiker ein, das Naturwissenschaftlern die Möglichkeit eröffnet, eine Zertifizierung als „Geprüfter Wirtschaftschemiker (GDCh)" zu erlangen. Das Fortbildungsprogramm besteht aus sechs Kursmodulen (s. Kasten), durch die ein weitreichender und tief gehender Einblick in die Betriebswirtschaftslehre gewährleistet wird. Die Kursmodule erstrecken sich jeweils über zwei Tage und können zusammen innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden. Dabei zeichnet sich jedes Modul durch einen direkten Bezug zur chemischen Industrie aus, deren Besonderheiten aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive in die Wissensvermittlung mit einbezogen werden. Fach- und Führungskräften der chemischen Industrie wird somit die Möglichkeit geboten, eine fundierte betriebswirtschaftliche Wissensbasis zu erwerben und darauf aufbauend Management- bzw. Schnittstellenfunktionen in ihrer beruflichen Praxis zu übernehmen.  


Geprüfter Witschaftschemiker (GDCh)
Modul 1: Controlling
13.-14. März 2012, Frankfurt a. M.


Modul 2: Strategisches Management
23.-24. April 2012, Frankfurt a. M.


Modul 3: Organisation, Personal- und Projektmanagement
14.-15. Juni 2012, Frankfurt a. M.


Modul 4: Management von Forschung und Entwicklung in der Chemie
25.-26. September, Frankfurt a. M.


Modul 5: Rechnungswesen - Jahresabschlussanalyse
15.-16. Oktober 2012, Frankfurt a. M.


Modul 6: Intensivkurs Marketing für Chemiker
29.-30. Oktober 2012, Frankfurt a. M.


Der nächste Termin für den Kurs „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre für Chemiker" unter der Leitung von Dr. Uwe Kehrel ist der 12.-13. November 2012 als Vorbereitungskurs für das Fachprogramm 2013.


Weitere Informationen und Anmeldung über:


Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Fortbildung
Tel.: +49 69 7917-291 oder -364
Fax: +49 69 7917 475
fb@gdch.de
www.gdch.de/fachprogramme


 

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Leonardo-Campus 1
48149 Münster
Germany

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