Global Access to Medicine als strategisches Unternehmensziel

„Global Access to Medicine" als strategisches Unternehmensziel nutzt dem Unternehmen und dem Shareholder Value. Access to Medicine ist ein Schlüsselthema für die Pharmaindustrie. Corporate Responsibility (CR) in der pharmazeutischen Industrie umfasst die Aspekte Corporate Governance (CG), Corporate Social Responsibility (CSR) und Corporate Citizinship (CC). „Access to Medicine“ wird nicht ausschließlich durch philanthropische Aspekte bestimmt– to be a Good Corporate Citizen - sondern bietet zudem der Pharmaindustrie die Möglichkeit sich wirtschaftlich bzw. im Sinne des Shareholder Value weiterzuentwickeln.

Nur wenige Branchen stehen in dem Ausmaß unter kritischer öffentlicher Beobachtung wie die pharmazeutische Industrie. Einerseits besteht eine große Erwartungshaltung an die Pharmaindustrie in Bezug auf Therapiemöglichkeiten von Krankheiten wie Krebs, speziell in den hoch entwickelten Volkswirtschaften, andererseits führen Gesundheitsreformen in diesen Ländern zu erheblichem Kostendruck auf die forschenden Pharmakonzerne und damit zu einem Imperativ an die Innovationskraft der Unternehmen sowie an den schnellen Verkaufserfolg neu zugelassener Medikamente. Wahrgenommen wird, dass in der Regel mehr Geld für Marketing und Vertrieb als für Forschung und Entwicklung ausgegeben wird, obwohl – so der Vorwurf einiger Kritiker – die wirklich großen Innovationen in den letzten Jahren ausgeblieben sind, und einzelne Biotechnologie-Unternehmen inzwischen den Innovationsmotor für die traditionelle Pharmaindustrie darstellen. Thematisiert wird von einzelnen Autoren zudem auch das Verhalten von ‚Big Pharma’, in Dritt-Welt-Ländern klinische Studien für Medikamente durchzuführen, die für die dortigen Patienten unbezahlbar und daher nach Abschluss einer Studie unerreichbar sind. Dabei gilt die Pharmaindustrie als eine der profitabelsten Branchen überhaupt.

Daher steht ein Aspekt gerade aus diesen Überlegungen für die global agierenden Pharmaunternehmen im Mittelpunkt: Corporate Responsibility und speziell: ‚Global Access’ – der Zugang zu Medikamenten.

Access to Medicine – Der philantropische Aspekt

Die Pharmaindustrie – speziell ‚Big Pharma’ – hat das Thema bereits seit Jahren pro-aktiv aufgegriffen.

Nahezu alle haben Programme aufgelegt, mit dem lebenswichtige Medikamente auch in ärmeren Ländern erreichbar gemacht werden: Merck Co. möchte mit seinem ‚Merck Medical Outreach Program’ die Versorgung von Dritt- Welt-Ländern mit Impfstoffen sicherstellen; Bristol-Myers Squibb geht sogar noch einen Schritt weiter und betreibt mit seinem Programm ‚Secure the Future’ eigene Gemeinden in Afrika, in denen HIV-Patienten nicht nur Zugang zu Medikamenten erhalten, sondern auch eine umfängliche soziale Betreuung. Auch die Erforschung und Entwicklung von Medikamenten, die speziell für die Bewohner der ärmeren Länder von Bedeutung sind, bildet einen wesentlichen Beitrag der Pharmaindustrie. Novartis beispielsweise ist seit Jahren auf dem Gebiet der Malaria forschend tätig und hat für diese Märkte entsprechende Medikamente entwickelt, die den betroffenen Regionen zu kleinsten Preisen zur Verfügung gestellt werden. In den Niederlanden wurde die „access to medicine foundation“ gegründet, eine Not-Profit- Organisation, die mit ihrem „access to medicine index“ die Bemühungen und kommunizierten Erfolge der Unternehmen neutral überwachen und bewerten will. Auch daran zeigt sich, welche Bedeutung „access to medicine“ in den Augen der Öffentlichkeit hat.

Access to Medicine – Neue Märkte und neue Geschäftsmodelle

‚Global Access’ bleibt nicht auf den philanthropischen Aspekt beschränkt, sondern bietet die Möglichkeit einer nachhaltigen und profitablen Unternehmensentwicklung.

Während sich die meisten Pharmakonzerne bisher an wirtschaftlich attraktiven Krankheitsbildern in wohlhabenden Volkswirtschaften orientierten, wurden Patientengruppen in „armen Gebieten“ und deren spezifische Krankheiten größtenteils vernachlässigt. Neben dem offensichtlichen Handlungsbedarf – Novartis beispielsweise spricht davon, dass aufgrund von Malaria alle 30 Sekunden ein Kind stirbt – ist in diesen Regionen ein signifikantes Wirtschaftswachstum zu verzeichnen und eine einhergehende Marktattraktivität für die Pharmaindustrie zunehmend gegeben. Darüber hinaus führt der Klimawandel zu einer systematischen Ausdehnung dieser Krankheitsbilder.

„Global Access“ bedeutet auch, bereits bestehende Medikamente der ärmeren Bevölkerung zugängig zu machen. Dies muss kein verlustbringendes Geschäft sein. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten (Technology Transfer, Lizenzmodelle, …) für die Gestaltung des Geschäftsmodells für diese Märkte, die andere Industrien wie beispielsweise die Telekommunikations- und Konsumgüterbranche bereits nutzen und die zu nachhaltigem Shareholder Value führen.

Darüber hinaus ist die langfristige Marktattraktivität dieser Regionen absehbar, wie Abb.1 zeigt. Die Pharmaindustrie ist in den hochentwickelten Märkten Europas, der USA und Japan im Umbruch und bedarf auch in Bezug auf das Operating Model Innovationsimpulsen. ‚Access to Medicine’ bedeutet für – neben der Wahrnehmung von Verantwortung für die Ärmsten der Welt – eine Chance, das traditionelle Business Modell mit innovativen Impulsen neu zu definieren, wie beispielsweise der gezielten Kooperation mit NGOs, traditionellen Wettbewerbern und weiteren Marktteilnehmern. Gleichzeitig können Innovationen der Erforschung und Entwicklung Impulse durch Nutzen von traditioneller Medizin in Kombination mit modernen Wirkstoffen setzen.

Der Weg zu ‚Global Access’

Insgesamt bietet der Themenkomplex ‚Global Access’ somit weit reichende Chancen für Patienten und Unternehmen. Auch deshalb wird „Access to Medicine“ ein wichtige Tagesordnungspunkt auf der 3. International CSR-Conference „Corporate Responsibility and Governance“ in Berlin sein.

Aufgrund der Ansatzmöglichkeiten in nahezu allen Stufen der Wertschöpfungskette sowie der umfassenden Bedeutung für das Unternehmen insgesamt, ist ‚Access to Medicine’ nicht nur ein Thema für die Unternehmenskommunikation, sondern ein Thema, das seinen Platz in der Strategiefindung von Pharmaunternehmen und letztendlich auch Eingang in das Geschäftsmodell finden sollte, um einen Beitrag zur Nachhaltigkeit und profitablen Unternehmensentwicklung zu liefern.

Die Erfahrung von Ernst & Young in Projekten zur Etablierung eines derartigen Strategieelements hat dabei gezeigt, dass dieses Thema zwar in allen Unternehmensbereichen als Notwendigkeit wahrgenommen wird, gerade aber der Umstand, dass alle Teilbereiche betroffen sind, zu Problemen in der Umsetzung führt. Hier ist ein kanalisierendes und moderierendes Element erforderlich ist, wenn ‚Global Access’ in die Strategie eingebettet werden soll. Bei der Operationalisierung der Strategie wiederum ist aus Gründen der Transparenz, des verbunden Risikos und der wirtschaftlichen Auswirkung ein systematischer Ansatz erforderlich, wenn es darum gehen soll, die geeigneten Chancen zu identifizieren und die richtigen ‚Action Items’ festzulegen. Aller Hindernisse zum Trotz sollte ‚Global Access’ ein Kernthema für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie sein – Risikomanagement von Reputationsrisiken und strategische Option für ein nachhaltiges Wirtschaften zugleich.

Kontakt:
Jürgen Peukert, Thomas Fuggenthaler
Ernst & Young, Eschborn und München
Tel.: 06196/996-19777
Fax: 0181/3943-19777
Juergen.Peukert@de.ey.com
www.de.ey.com

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