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Green IT: Mit IT Einsparpotentiale bei Energiekosten und Emissionen nutzen

21.01.2013 -

Mit IT Einsparpotentiale bei Energiekosten und Emissionen nutzen. Der Begriff „Green IT“ ist zurzeit in aller Munde: Die CeBIT hat sich dem Thema ausgiebig gewidmet und auch der Ende November anstehende 3. IT-Gipfel zwischen der Bundeskanzlerin und dem Branchenverband Bitkom wird das Thema aufgreifen. Hintergrund ist der Klimawandel, der inzwischen seinen festen Platz auf der Agenda der meisten Unternehmen hat. Die Bewertung der IT als Emissions- und damit Energiekostentreiber greift aber zu kurz. Denn bei zielgerichtetem Einsatz kann sie einen im wahrsten Sinne des Wortes wertvollen Beitrag zur Verringerung der Emissionen und der Energiekosten leisten.

Das Thema Klimawandel ist mittlerweile bei allen Unternehmen auf der Agenda angekommen. Motivation ist in den meisten Fällen, einen eigenen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels zu leisten, beispielsweise durch die Reduzierung von direkten Emissionen aus der Produktion oder von indirekten Emissionen aus der Herstellung von zugekauftem Strom. Darüber hinaus besteht aber auch ein erheblicher Eigenanreiz, auf diesem Gebiet aktiv zu werden: Die hohen und vermutlich auch künftig weiter steigenden Energiekosten machen jede eingesparte Energieeinheit wertvoll.

Energiefaktor IT – Ursachen

Zahlreiche Analysen haben ergeben, dass die Informationstechnologie im Allgemeinen, und die Unternehmens-IT im Besonderen, global betrachtet ein zu beachtender Faktor ist. Weltweit sind die Emissionen, die allein aus dem Stromverbrauch der Informationstechnologie – einschließlich des Stromverbrauchs von Privatpersonen – resultieren, genauso hoch wie die Emissionen, die der weltweite Flugverkehr erzeugt. Für den Anstieg im Bereich der Unternehmens- IT lassen sich einige wenige, ineinander verwobene Kernursachen anführen:

  • Das Wachstum von Unternehmen, die ihre Prozesse auf verschiedenste Anwendungen – zu nennen sind hier vor allem die klassischen ERP-Systeme – stützen, erfordert von der Unternehmens- IT die Bereitstellung von zusätzlichen Kapazitäten. Dies ist unmittelbar verbunden mit einer wachsenden Hardwareaustattung, die trotz Reduzierung des Stromverbrauchs auf Ebene der einzelnen Komponente gegenüber den Vorgängermodellen direkt in steigendem Energiebedarf resultiert.
  • Prozesse werden weiterhin in zunehmendem Maße „digitalisiert“. Neben der umfassenden Überführung der Interaktion zwischen Lieferant und Kunden, dazu zählt unter anderem eCommerce, werden auch zahlreiche interne Prozesse, beispielsweise „Employee Self Service“, webbasiert abgewickelt. Dabei melden die Mitarbeiter über einen Internet- Browser zum Beispiel ihre Reisekosten an oder übernehmen selbst die Verwaltung von Personalstammdaten. Dies erfordert schon bei gleich bleibender Unternehmensgröße eine Erhöhung der Kapazitäten. Von diesen Prozessen wird zudem Hochverfügbarkeit („24/7“) erwartet, was auf IT-Seite Server-Redundanz erfordert und damit Kapazität und Energieverbrauch weiter steigert.

Diese Entwicklungen führen oftmals dazu, dass bestehende Rechenzentren mit ihrer räumlichen Limitierung immer dichter „bepackt“ werden müssen. Dies wiederum stellt neue Herausforderungen an die erforderliche Kühlung der Rechenzentren; die damit verbundenen Energiekosten steigen dabei in der Regel nicht proportional, sondern überproportional an.

Grün in und durch IT

Das Zusammenspiel von Wachstum und Digitalisierung bringt das Thema Energieverbrauch der IT auf die Agenda der ITLeiter – ein Kostenpunkt, der aber oftmals im Verborgenen bleibt, wenn die Stromkosten nicht in deren Kostenverantwortung liegen und im Vergleich zum Energieverbrauch des Gesamtunternehmens möglicherweise nur eine nachgelagerte Rolle spielen. Daneben sind diese Entwicklungen aber auch unter Risikogesichtspunkten zu betrachten: Analysten erwarten zum Teil, dass bereits 2008 die Energieund Kühlungsanforderungen einiger Rechenzentren nicht mehr erfüllt werden können, weil nicht mehr Strom zugeleitet werden kann.

Diese Problemstellung wird durch die primär mit dem Begriff „Green IT“ verbundene, ursprüngliche Ausprägung („Grün in IT“) adressiert. Unternehmen setzen hier mit Initiativen im Bereich der Infrastruktur (z. B. Umgestaltung des Serverraumes zur Optimierung des Kühlungsbedarfs), der Hardware (z. B. durch das Ersetzen alter Hardware durch neuere, energieeffizientere Modelle) und der genutzten Software (z. B. durch Zusammenführung der Servernutzung über Virtualisierung) an.

„Green IT“ kann aber auch heißen „Grün durch IT“. Durch sinnvoll gesteuerten Einsatz von Informationstechnologie können Prozesse dergestalt transformiert werden, dass dem gestiegenen Energieverbrauch und damit den gestiegenen Emissionen Einsparpotential an anderer Stelle (geringer Verbrauch anderer Inputfaktoren) entgegensteht, so dass „netto“ die Emissionen (und damit in der Regel auch die Beschaffungskosten für Primärenergie oder sekundäre Energie) sinken.

Die Ansätze für die Themen sind breit gestreut:

  • Digitalisierung von bisher papierbasierten Prozessen
  • Kommunikation über Internet und Videokonferenzen statt Reisetätigkeit
  • Steuerung von Transportund Materialwegen (z. B. Selektion des am nächsten verfügbaren Transportmittels)
  • Steuerung der Disposition der zu transportierenden Güter (z. B. durch Bündelung von Einheiten mit dem gleichen Ziel)
  • Steuerung der internen Materialproduktion für Folgeprozessschritte (z. B. bei kühlungsbedürftigen Gütern)

Umfassende Einsparmöglichkeiten

Der anfängliche Treiber hinter dieser Entwicklung sind in der Regel die Prozessdurchlaufzeiten oder die höheren Kosten einer ungesteuerten Aufgabenerfüllung gegenüber einer automatisierten Bearbeitung. Während in diesen Fällen die Auswirkung auf Emissionen und Energieverbrauch eher ein Nebeneffekt ist, können diese Instrumente aber auch aktiv genutzt werden, um die eigene Emissionsbilanz zu verbessern, und damit als Nebeneffekt Kosten zu reduzieren.

Im Falle des klassischen Beispiels elektronisches Bestellwesen können durch IT der Papierverbrauch (damit die Emissionen aus der Papiererzeugung) sowie die Emissionen aus dem Transport der Informationen auf Papier (Spezifikationen, Bestellformulare) reduziert werden. Eine weitere, möglicherweise deutlichere Auswirkung ergibt sich intern: Bei Digitalisierung der administrativen Aufgaben im Kernprozess (z. B. Disposition / Rechnungsstellung) besteht die Möglichkeit, hierfür Shared Services-Strukturen (gegebenenfalls auch als Virtual Shared Services Center) zu implementieren, da die zugrunde liegenden Daten für eine einzelne Transaktion an jedem möglichen Standort verfügbar sind. Damit kann wiederum die interne Reisetätigkeit reduziert werden.

Das GHG Protocol unterscheidet drei Emissionskategorien, differenziert nach Entstehung, siehe Infokasten. „Grün in IT“ adressiert zunächst vor allem die Emissionskategorie „Scope 2“. Diese betrifft im Wesentlichen indirekte Emissionen aus der Herstellung von zugekaufter, im Unternehmen verbrauchter Energie. „Grün durch IT“ bietet aber die Möglichkeit, alle Bereiche zu adressieren. In der oben dargestellten Beispielkonstellation (Digitalisierung der Interaktion mit Kunden und Lieferanten mit angebundenem virtuellen Shared Service Center) ergeben sich möglicherweise folgende Auswirkungen:

  • Scope 1: Reduzierung von Emissionen aus der innerbetrieblichen Reisetätigkeit
  • Scope 2: Reduzierung von indirekten Emissionen aus zugekauftem Strom für den Betrieb von innerbetrieblichen elektrischen Transportmitteln
  • Scope 3: Reduzierung von indirekten Emissionen aus dem Transport von Post durch einen externen Dienstleister und aus der Herstellung des zugekauften Materials Papier (sofern hier die Nachhaltigkeit sichergestellt und jedes Dokument mehrfach gedruckt wird)

Diesen Einsparungen müssen konsequenterweise die Belastungen durch den höheren Stromverbrauch gegenüber gestellt werden, den die zusätzlich benötigte IT-Infrastruktur erfordert. Eine Studie des World Wildlife Fund in Zusammenarbeit mit der European Telecommunications Network Operators‘ Association aus 2007 („Saving the climate @ the speed of light“) hat allerdings ergeben, dass der Nettoeffekt voraussichtlich positiv ausfallen wird. Aufgrund der inhärenten Verbindung von Emissionen mit Energie- / Materialverbrauch und den damit direkt verbundenen Kosten werden sich diese Ansätze immer auch auf der Kostenseite auswirken.

GHG Protocol

Ziel der “Greenhouse Gas Protocol Initiative (GHG Protocol)” ist die Entwicklung und Förderung eines international anerkannten Bilanzierungs- und Berichtssystems für Treibhausgase. Sie unterscheidet Emissionen nach den Kategorien „Scope 1“ bis „Scope 3“: Scope 1: Im Wesentlichen direkte Emissionen des Unternehmens aus der Verbrennung von Primärenergiequellen (auch Treibstoffverbrauch für Firmenfahrzeuge) sowie Emissionen aus den Produktionsprozessen Scope 2: Im Wesentlichen indirekte Emissionen aus der Herstellung von zugekaufter, im Unternehmen verbrauchter Energie Scope 3 (optional): Im Wesentlichen indirekte Emissionen aus der Herstellung von zugekauften, im Unternehmen verbrauchten Dienstleistungen (z. B. Transport via Fluglinien) und Materialien (z. B. Papier) Weitere Informationen unter

www.ghgprotocol.org

Kontakt:
Thomas Fuggenthaler
Ernst & Young, München
Tel.: 089/14331-17486
Fax: 0181/3943-17486
thomas.fuggenthaler@de.ey.com
www.de.ey.com

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