Japanische Chemiekonjunktur bleibt schwach

Japanische Chemiekonjunktur bleibt schwach. Die japanische Chemieindustrie konnte im ersten Halbjahr 2006 weder von dem Boom der Weltwirtschaft noch von der wieder erstarkten japanischen Volkswirtschaft profitieren. Im Gegenteil: Die zweitgrößte Chemieindustrie der Welt befindet sich derzeit auf Talfahrt.

Die Chemieproduktion ist seit über zwölf Monaten rückläufig. Schon seit langem gehörte Japans Chemieindustrie zu den wachstumsschwächsten der Welt. In den vergangenen 10 Jahren wuchs sie durchschnittlich nur mit 0,7% pro Jahr. Sie hat sich damit von der Dynamik in den aufstrebenden Schwellenländern Asiens aber auch in den anderen Industrienationen abgekoppelt. Ein Grund für die schwache Performance der Branche dürfte in der dynamisch voranschreitenden Industrialisierung Asiens liegen. Immer mehr Waren werden nach Japan importiert. Japans Außenhandelsüberschuss sinkt seit Jahren – allein im Jahr 2005 um über 25 %. Mit jedem importierten Gut und mit jedem Rückgang bei den Warenexporten schrumpft der japanische Chemiemarkt. Das dämpft die Entwicklungsperspektiven der japanischen Chemieindustrie, auch wenn die Branche, wie der Außenhandelsüberschuss im Handel mit Chemikalien belegt, durchaus wettbewerbsfähig ist.

Stütze der japanischen Wirtschaft

Trotz der jüngsten Rückschläge bleibt die Chemieindustrie ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die japanische Wirtschaft. Nach dem Automobilbau, der Elektroindustrie, dem Maschinenbau und der Ernährungsindustrie ist sie die fünftgrößte Industriebranche. Sie setzt jährlich rund 200 Mrd. € um und beschäftigt 350.000 Menschen. Von besonderer Bedeutung ist die japanische Chemieindustrie, wenn es um Forschung- und Entwicklung geht. Über 18% der Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe werden von der Chemie getätigt. Damit liegt die Branche noch vor dem Automobilbau auf Platz 1.

Chemieproduktion rückläufig

Seit Beginn des Jahres 2005 befindet sich die japanische Chemieproduktion trotz des positiven gesamtwirtschaftlichen Umfeldes im Sinkflug. Im ersten Halbjahr 2006 wurde das Produktionsniveau des entsprechenden Vorjahreszeitraumes um knapp 3% verfehlt.

Im gleichen Zeitraum stieg hingegen das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 2,5%. Allerdings wird der Aufschwung der japanischen Wirtschaft überwiegend von der Investitionsgüterindustrie getragen. Diese gehört nicht zu den wichtigsten Kunden der Chemieindustrie.

Die einzelnen Sparten waren von der Schwäche der Chemiekonjunktur in unterschiedlichem Maße betroffen. Die Hersteller von Industriechemikalien litten unter der geringen inländischen Nachfrage nach Chemikalien. In allen drei Grundstoffsparten – Anorganika, Petrochemikalien und Polymere – wurde im bisherigen Jahresverlauf das Produktionsniveau des Vorjahres deutlich verfehlt. Auch den Herstellern von Fein- und Spezialchemikalien gelang es nicht, den negativen Trend des Vorjahres zu durchbrechen. Ihre Produktion lag von Januar bis Juli durchschnittlich 5,5% unter Vorjahr. Die Pharmaproduktion stagniert seit Jahren. Im Juli 2006 lag die japanische Chemieproduktion in etwa auf dem Niveau des Jahres 2000. Sie verfehlte damit ihr Vorjahresniveau um mehr als 5%. Allein die Produktion von Wasch- und Körperpflegemittel konnte vor dem Hintergrund des stabilen privaten Konsums gegenüber dem Vorjahr spürbar zulegen.

Margendruck durch Ölpreise

Die Erzeugerpreise für chemische Produkte stagnierten im bisherigen Jahresverlauf trotz der Rekordnotierungen an den Ölbörsen. Im zweiten Quartal waren die Chemikalienpreise sogar rückläufig. Trotz dieses Rückganges lagen die Erzeugerpreise im Durchschnitt des ersten Halbjahres 2006 immer noch fast 5% höher als ein Jahr zuvor. Den Unternehmen fiel es aber zunehmend schwerer, die gestiegenen Rohstoffkosten an die Kunden weiterzugeben. Die Margen gerieten in weiten Teilen der Branche unter Druck.

Dynamischer Export

Im vergangenen Jahr hatten die steigenden Erzeugerpreise trotz der Produktionsrückgänge der japanischen Chemieindustrie noch ein kräftiges Umsatzplus beschert. Im bisherigen Jahresverlauf jedoch sank bei rückläufiger Produktion und stagnierenden Preisen der Branchenumsatz. Im zweiten Quartal gaben die Verkäufe der Branche deutlich nach.

Der Gesamtumsatz der japanischen Chemieindustrie lag im ersten Halbjahr 2006 mit insgesamt rund 90 Mrd. € aber immer noch knapp 1,5% höher als ein Jahr zuvor. Das Auslandsgeschäft blieb der wichtigste Impulsgeber für die japanische Chemiekonjunktur. Die Exporte kletterten dank der starken Nachfrage aus Asien in der ersten Jahreshälfte um fast 20 %. Demgegenüber war der inländische Absatz rückläufig. Der Inlandsumsatz verfehlte von Januar bis Juni sein Vorjahresniveau um mehr als 3%. Die Gründe für diese Entwicklung liegen neben der schwachen inländischen Nachfrage vor allem im zunehmenden Importdruck. Die Chemieimporte stiegen im bisherigen Jahresverlauf um fast 15 %.

Die Voraussetzungen für eine moderate Erholung im japanischen Chemiegeschäft sind nach wie vor gegeben. Im Inland hält der Aufschwung an. Die OECD-Volkswirte prognostizieren Japan im Jahr 2006 ein Wirtschaftswachstum von 2,8 %. Im kommenden Jahr wird sich das Wachstum nur unwesentlich abschwächen. Die Industrieproduktion steigt kräftig. Hiervon werden in Zukunft nicht nur die Investitionsgüterproduzenten profitieren. Das Industriewachstum sollte daher die inländische Nachfrage nach Chemikalien allmählich beflügeln. Darüber hinaus bleiben die Impulse aus dem Ausland – besonders vom großen Nachbarn China – stark. Auch im kommenden Jahr sollten die japanischen Chemieexporte stärker steigen als die Importe. Von dem günstigen Umfeld wird die japanische Chemiekonjunktur in den kommenden Monaten profitieren. Große Sprünge sind allerdings nicht zu erwarten. Zumal die japanische Pharmaindustrie weiterhin Produktionsrückgänge verzeichnen wird.

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