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Konsolidierung der europäischen Pharmaindustrie: Merck übernimmt Serono

11.03.2013 -

Merck übernimmt Serono. Der Konzern zahlt 10,6 Mrd. € für das Biotech-Unternehmen. Die Konsolidierung der europäischen Pharmaindustrie schreitet voran. Ende September meldete die Branche binnen weniger Tage drei Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von rund 20 Mrd. €: Während das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck den Kauf des Schweizer Biotech-Unternehmens für mehr als 10 Mrd. € ankündigte, wurden mit Altana Pharma (s.u.) und Schwarz Pharma (vgl. Seite 3) gleich zwei traditionelle, deutsche Pharmaunternehmen an Investoren im Ausland verkauft.

Nur wenige Monate nach der gescheiterten Übernahme von Schering stärkt Merck sein Pharmageschäft durch den Kauf von Serono. Das Darmstädter Unternehmen hat mit der Familie Bertarelli, die die Aktienmehrheit an Serono besitzt, vereinbart, deren Anteil zu einem Preis von 1.100 CHF pro Aktie zu übernehmen. Damit wird Merck 64,5% des Serono-Kapitals sowie 75,5% der Stimmrechte halten. Zusätzlich plant der Konzern ein öffentliches Übernahmeangebot für die Aktionäre von 1.100 CHF je Aktie. Dieses Angebot entspricht einer Prämie von 20 % bezogen auf den Aktienkurs vom 20. September 2006. Insgesamt ergibt sich damit ein Transaktionswert von 16,6 Mrd. CHF bzw. rund 10,6 Mrd. €. Die Übernahme soll bis Anfang 2007 abgeschlossen werden. Vor Merck hatten bereits andere führende Pharmakonzerne, darunter Sanofi-Aventis, Glaxosmithkline, Novartis und Pfizer, eine Übernahme von Serono geprüft.

„Diese Akquisition entwickelt das ethische Pharmageschäft von Merck deutlich weiter und bringt es in eine führende Position im Biotech-Markt, was 21. Jahrhundert zu sichern“, sagte Dr. Michael Römer, Vorsitzender der Geschäftsleitung bei Merck. Durch den Zusammenschluss entsteht ein Unternehmen mit einem F&E-Budget von 1 Mrd. €. Merck erhofft sich neben einer gestärkten Forschungspipeline, die insgesamt 28 Substanzen umfassen wird, mit dem Management und den Mitarbeitern von Serono ein weltweit führendes biopharmazeutisches Unternehmen mit globaler Marktpräsenz, hoch entwickelter Biotech-Produktion und starkem Wachstum zu schaffen.

Merck-Serono Biopharmaceuticals

„Mit dieser Transaktion schaffen wir ein Pharmageschäft mit großem Potential, speziell in den Bereichen Neurologie und Onkologie“, kommentierte Serono-Chef Ernesto Bertarelli die Transaktion. Zwar ist die von Merck angestrebte, stärkere USPräsenz nicht so hoch wie sie bei einer Fusion mit Schering gewesen wäre, die geringere Überschneidung im Portfolio von Merck und Sereno im Vergleich mit dem Geschäft des Berliner Pharmaunternehmens könnte jedoch ein Vorteil bei der Integration des neuen Geschäfts sein. Merck wird seine Sparte Ethicals mit Serono zu „Merck-Serono Biopharmaceuticals“ zusammenführen. Hauptsitz dieses Geschäfts wird in Genf sein. Die neue Merck-Gruppe hat einen Pro-Forma-Umsatz 2005 von 7,7 Mrd. € beziehungsweise 3,6 Mrd. € im Geschäft mit Biopharmazeutika und wird rund 35.000 Mitarbeiter beschäftigen.

Die Akquisition wird zunächst durch bestehende Barmittel von Merck finanziert sowie durch eine Zwischenfinanzierung. Die Bar-Transaktion wird durch Kombination eines Darlehens, einer Anleihe und einer Kapitalerhöhung von 2 bis 2,5 Mrd. € refinanziert, an der sich die Merck-Familie mit bis zu 1 Mrd. € beteiligen wird. Hierfür hat das Unternehmen Bear Stearns, Dresdner Kleinwort und Société Générale Corp. and Investment Banking als Konsortialführer für einen 11,5 Mrd. € „Syndicated Multi-Currency Term Loan und Revolving Credit Facillities“ beauftragt. Bei der Übernahme wurden sowohl Merck als auch Serono von Goldman Sachs beraten.

Merck bleibt Mischkonzern

Auch nach der Übernahme will Merck sein Geschäftsmodell, in beiden Märkten – Pharma und Chemie – aktiv zu sein, weiter fortsetzen. Für die mit Flüssigkristallen erfolgreiche Chemiesparte kündigte der Konzern Ende September eine personelle Veränderung an: Dr. Bernd Reckmann (50) wird mit Wirkung zum 1. Januar 2007 zum Mitglied der Geschäftsleitung bestellt. Er wird von Dr. Römer die Ressorts Produktion, Verfahrensentwicklung, Technik, Einkauf und Umweltschutz übernehmen. Der Biochemiker ist derzeit Geschäftsführer der Landesgesellschaften in Korea.

www.merck.de