Life Sciences-Branche erlebt wachsendes Interesse von Technologie-Konzernen

Chemieunternehmen treiben Innovation und Digitalisierung voran

Im vergangenen Jahr sind Zahl und Volumen der angekündigten Fusionen und Übernahmen der Branchen Life Sciences und Chemie gestiegen. So lag das Transaktionsvolumen mit 380 Mrd. USD um 18% höher als 2017 (322 Mrd. USD). Die Zahl der Transaktionen verzeichnet im Jahresvergleich eine  Steigerung um 4% von 3.738 auf 3.894. Zurückzuführen ist dieser Zuwachs vor allem auf eine erhöhte Deal-Aktivität in der Life Sciences-Branche. In der Chemie-Branche blieb die M&A-Aktivität unter dem Level von 2017. Am aktivsten beteiligt waren in beiden Sektoren Unternehmen aus den USA und China. Das zeigt eine KPMG-Analyse, die auf Zahlen von Thomson Reuters beruht.

Tech-Giganten dringen in Life Sciences vor

Die Life Sciences Branche verzeichnet die höchste Deal-Aktivität der letzten drei Jahre – sowohl in Bezug auf die Anzahl angekündigter Transaktionen als auch im Hinblick auf das Transaktionsvolumen. Vermehrt zieht die Branche inzwischen Investoren aus dem Technologie-Bereich an. Vor allem Amazon und Alphabet, der Mutterkonzern von Google, waren hier aktiv.

So kündigte Amazon die Übernahme der Online-Apotheke PillPack an, die Medikamente in einer vorsortierten Dosierung direkt an Patienten liefert. Alphabet wiederum beteiligte sich mit seinen Tochterunternehmen GV Management und Verily Life Sciences an einer Vielzahl von Finanzierungsrunden im Bereich Life Sciences. Verily nahm unter anderem an der 76 Mio. USD-Series B-Finanzierungsrunde von Cortexyme teil, einem Pharmaunternehmen mit Schwerpunkt auf Alzheimer-Behandlungsmethoden.

Mehr als 250 Mrd. USD Umsatz durch Patentablauf gefährdet

Zwischen 2018 und 2024 ist aufgrund von auslaufenden Patenten ein erheblicher Anteil des weltweiten Pharmaumsatzes von verschreibungspflichtigen Medikamenten gefährdet. Vir Lakshman, Leiter des Bereichs Chemie und Pharma bei KPMG in Deutschland: „Um der ‚Patentklippe‘ entgegenzuwirken, investieren Life Sciences-Unternehmen insbesondere in Advanced Therapies, auf die zwei der Top 10 angekündigten Transaktionen im Bereich Life Sciences zurückzuführen sind.“

Chemie: Digitalisierung und Innovation auf dem Vormarsch

Der Chemiesektor verzeichnete im vergangenen Jahr 1.062 Transaktionen mit einem Gesamtvolumen von 84 Mrd.

USD. Damit zeigt die Branche einen rückläufigen Trend im Vergleich zum Jahr 2017 (1.127 Deals mit einem Gesamtvolumen von 100 Mrd. USD).

Mit einem prognostizierten durchschnittlichen jährlichen Wachstum (CAGR) von rund 30% zwischen 2015 und 2022 bietet der Markt für Elektrofahrzeuge auch für Unternehmen der Chemiebranche attraktive Investitionsmöglichkeiten. So hat zum Beispiel Solvay eine Kapitalbeteiligung an dem Batterieentwickler Solid Power angekündigt.

Auch deutsche Chemieunternehmen beteiligen sich an der Entwicklung in Richtung Innovation und Digitalisierung. Nach der Übernahme von Innofi3D in 2017 hat BASF inzwischen in drei weitere Unternehmen aus dem Bereich 3D-Druck investiert. Neben der Übernahme von Advanc3D Materials und deren Partner für die Entwicklung und Herstellung von Selective Laser Sintering (SLS), Setup Performance, verlängerte BASF zusätzlich die Kooperation mit der belgischen Materialise, einem Anbieter von 3D-Druck-Technologien.

Auch der Bereich der Agrochemie wird zusehends digitalisiert. Bayer und Genedata, ein Anbieter von innovativen Software-Lösungen zur Automatisierung von Versuchsprozessen, kündigten eine Verlängerung ihrer bereits bestehenden Partnerschaft an. Dabei unterstützt Genedata Bayer bei der Digitalisierung von F&E-Prozessen.

Vir Lakshman: „Nach der Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit wäre eine Abkühlung der Chemiebranche mit entsprechenden Auswirkungen auf den M&A-Markt nicht überraschend. Aber ein Interesse an innovativen, profitablen Akquisitionskandidaten wird weiterhin bestehen.“

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