Öl- und Gas halten BASF auf Kurs

Trotz herber Ergebniseinbrüche in den Industriesparten rüttelt der Chemieriese BASF nicht an seinen Gewinnzielen. Dank florierender Öl- und Gasgeschäfte und einer kräftigen Nachfrage nach Chemikalien für die Landwirtschaft will der Konzern im Gesamtjahr die Rekordwerte des Jahres 2011 beim Umsatz und operativen Ergebnis immer noch übertreffen. Mit großen Sprüngen rechnet BASF-Chef Kurt Bock allerdings nicht: "Das Niveau, das wir im 3. Qrl. an Produktion und Auslastung haben, sehen
wir auch in das 4. Qrl.hinein", sagte er am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen zum 3. Qrl. Konjunkturellen Rückwind erwarte er nicht. "Wir rechnen nicht mit einer Belebung des weltweiten Wirtschaftswachstums und der Nachfrage im Chemiegeschäft im 4. Qrl."  Die Anleger an der Börse reagierten erleichtert, hatte es nach den Hiobsbotschaften von Konkurrenten wie DuPont oder Dow Chemical doch Bedenken gegeben, dass BASF seine Ziele kippen könnte.

Die  BASF-Aktie war mit einem Kursplus von 2,4 % auf 64,18 € zweitgrößter Gewinner im Dax. Ende 2012 will BASF also einen höheren bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) in seinen Büchern haben als die 8,4 Mrd. € des vergangenen Jahres. Auch beim Umsatz sollen die 73,5 Mrd. € aus 2011 überholt werden. "Gestützt wird die Prognose durch die Wiederaufnahme der Erdölproduktion in Libyen und das erfolgreiche Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln", sagte Bock. Zuletzt förderte BASF in Libyen wieder 85.000 Barrel Rohöl am Tag - während des Bürgerkriegs 2011 war die Förderung monatelang unterbrochen. Vor den Unruhen hatte BASF dort 100.000 Barrel am Tag produziert. Den Aktionären versprach der Konzernchef: "Wir wollen auch 2012 eine hohe Prämie auf die Kapitalkosten verdienen." Das Kriterium ist bei den Ludwigshafenern Voraussetzung für die Zahlung einer mindestens stabilen Dividende. Für das Jahr 2011 hatten die Aktionäre 2,50 € je Aktie erhalten.

Sprudelndes Öl aus Libyen

Im 3. Qrl. steigerte BASF seinen bereinigten Betriebsgewinn (Ebit) um 5 % auf 2,1 Mrd. €. Rund die Hälfte davon stammte aus dem Öl- und Gasgeschäft des Konzerns. BASF setzte von Juli bis September 19 Mrd.€ um - 8 % mehr als vor Jahresfrist.

Dabei profitiert der Konzern von gestiegenen  Absatzmengen, die vor allem auf die höhere Erdölproduktion zurückzuführen sind. Auch der schwächereEuro trug zum Umsatzanstieg bei. Der Konzerngewinn verringerte sich hingegen um rund ein Fünftel auf 946 Mio.€, wozu die hohen Ölfördersteuern in Libyen beitrugen.  "Hinter uns liegt ein weiteres Qrl., in dem sich die wirtschaftlichen Aussichten nicht verbessert haben", bilanzierte Bock. Die Erwartung für das Wachstum der weltweiten Chemieproduktion in der Branche in diesem Jahr schraubte derManager herunter auf nunmehr 2,9 von bislang 3,5 % . Einen Ausblick auf das Jahr 2013 wagte Bock nicht. Das trübe Konjunkturklima hinterließ im klassischen Chemiegeschäft deutliche Spuren. In den vier sogenannten Verbundsparten (Chemicals, Plastics, Performance Products und Functional Solutions), die vor allem Industriekunden beliefern, brach der bereinigte Betriebsgewinn im  abgelaufenen Qrl. zum Teil deutlich ein. So sank das Ergebnis im Segment Chemicals, zu dem auch das Petrochemiegeschäft gehört, um gut 26 % . Hier dämpften auch Anlageabschaltungen das Ergebnis. Im Kunststoffgeschäft (Plastics) brach der Betriebsgewinn unter anderem wegen schrumpfender Margen bei Polyamid-Vorprodukten sogar um mehr als 31 % ein. Im Öl- und Gasgeschäft konnte BASF hingegen das Ergebnis verdreifachen. Und auch das Geschäft
mit Chemikalien für die Landwirtschaft entwickelte sich dank eines guten Saisonstarts in Südamerika sehr positiv: Das Spartenergebnis nahm um 80 % zu. 

ANALYSTEN WERTEN AUSBLICK POSITIV
Mit seinem Quartalsbericht stach BASF bislang unter den großen Chemiekonzernen heraus. "BASF hat in einem schwachen makroökonomischen Umfeld solide Ergebnisse veröffentlicht", urteilten die Analysten der Berenberg Bank. Die Experten der LBBW wiesen vor allem darauf hin, dass BASF trotz zunehmender konjunktureller Risiken seinen Jahresausblick bestätigt hat. Zuletzt hatten herbe Gewinneinbrüche bei den US-Rivalen DuPont und Dow Chemical sowie ein Milliardenverlust beim
niederländischen Farbenhersteller Akzo Nobel  Schockwellen durch die Branche gesandt. Die beiden
US-Konkurrenten reagierten auf die sich weiter eintrübende Nachfrage mit harten Einschnitten und der Ankündigung eines umfangreichen Stellenabbaus. BASF hatte vor einigen Wochen wegen des Nachfrageeinbruchs in Südeuropa in seiner Bauchemiesparte den Rotstift angesetzt. So sollen  Europaweit etwa 400 von weltweit etwa 7000 Stellen in der Bauchemie gestrichen werden.

 

 

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