Ohne Chemie keine Energiewende

Rund 90 Vertreter der Chemiebranche, der Politik, Wirtschaft und Forschung kamen auf der Handelsblatt-Jahrestagung Chemie  2012 am 9. und 10. Mai in Frankfurt zusammen, um über Potentiale des deutschen Chemiestandorts zu sprechen. Einen Themenschwerpunkt der Tagung bildete das Thema Energie.


„Ohne Chemie ist die Energiewende nicht machbar", so der Tenor auf der Tagung. Wenn auch das Thema Energiewende, hier vor allem die Versorgungsicherheit, kontrovers diskutiert wurde, betonte Dr. Tony van Osselaer, Vorstandsmitglied bei Bayer MaterialScience (vgl. Titelinterview CHEManager 7/2012),  die große Chance, die die Energiewende biete, da die chemische Industrie z.B. die Kunststoffe für Windräder liefere und Lösungen für energiesparendes Bauen bereitstelle. „Hier hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden. Gebäude müssen heute keine Energie mehr verbrauchen", stellte van Osselaer fest. Kritisch sehe er allerdings die langfristige Versorgungssicherheit und mahnte an, die Diskussion über Energie-Effizienz zu verstärken, diese sei in letzter Zeit zu kurz gekommen.


Während Ministerialdirektor Franzjosef Schafhausen vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit  in seinem Beitrag für ein Gesetz zur Energieeffizienz plädierte, merkte van Osselaer an: „Es ist im eigenen Interesse Energie zu sparen, dafür brauchen wir kein Gesetz!" Es sei volkswirtschaftlich gesehen eine Fehlsteuerung, z.B. den Bau moderner Anlagen in China zu fördern, aber hier alte Anlagen nicht zu sanieren und umzurüsten: „Wir arbeiten zu wenig an der Energieeffizienz."


Den Begriff Energiewende neu definieren möchte Dr. Georg Müller vom regionalen Energieversorger MVV Energie: „Der Begriff Energiewende ist falsch, es ist keine Wende, sondern eher eine Weiterentwicklung", so Müller. Man müsse vielmehr die Energiezukunft neu denken. Müller geht davon aus, dass die erneuerbaren Energien das neue Leitsystem werden und die fossilen Energien ablösten. Die Versorgungssicherheit sehe er nicht gefährdet und widerspricht damit seinem Vorredner van Osselaer. „ Es gibt in Deutschland ausreichend Handhabe, um bei der Versorgung auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu bleiben."


Die Behauptung, im Februar hätten Händler durch Spekulationen das Netz an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, sei falsch.

Vielmehr sei es zu einer Fehlsteuerung durch die Bundesnetzagentur gekommen. Und der Zukauf von Strom aus Österreich, der angeblich Bayern vor dem Blackout gerettet hätte, sei ein Testlauf der Bundesnetzagentur gewesen. „Eingriffe der Agentur sind nichts Neues", sagte Müller. Es sei aber notwendig, die Netze aus- und umzubauen, ebenso halte er ein Management der Energiewende für unerlässlich: „Das kann man nicht dem Markt überlassen", betonte er. Generell sei ein komplett staatlich reguliertes System nicht wünschenswert; der Staat solle als neutraler Player lediglich für die Rahmenbedingungen sorgen. Auch hält er eine Preisdebatte für wenig zielführend: „Langfristig ist die Erzeugung aus konventionellen Energien teurer."


Das Plenum zeigte sich trotz allem in einer weiteren TED-Umfrage mit fast 50 % als sehr zufrieden mit der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung. Rund 20 % befürchten allerdings spätestens im nächsten Winter einen Netzausfall im deutschen Strommarkt, während 41 % meinen, dass die Industrie hier selbst Vorsorge treffen müsse. Rund 40 % halten die Netze jetzt und in Zukunft für sicher.

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