Schaden vermeiden: Interview mit Achim Hillgraf, FM Global in Deutschland

Der Sachversicherer FM Global hilft Unternehmen ihre Risiken zu erkennen und abzusichern

  • Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter bei FM Global in Deutschland Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter bei FM Global in Deutschland
  • Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter bei FM Global in Deutschland
  • Im FM Global Forschungs- und Test-Zentrum in Rhode Island entwickeln 1.500 Wissenschaftler und Ingenieure Lösungen zur Schadenverhütung.

Schon ein kleiner Brand kann zu einer Betriebsunterbrechung führen, die mit einem großen finanziellen Schaden verbunden ist. Immer mehr produzierende Unternehmen setzen daher auf präventive Maßnahmen bei der Schadenbekämpfung. Der Sachversicherer FM Global unterstützt sie dabei. Er betreibt ein eigenes Forschungslabor, in dem Studien zu Brandschutztechnik, Hydraulik sowie Elementar- und Elektrogefahren betrieben werden. Darüber hinaus suchen die Special Chemical Risk Engineers vor Ort beim Kunden nach Gefahrenherden und Möglichkeiten, diese in den Griff zu bekommen. Dr. Andrea Gruß befragte dazu Achim Hillgraf, Hauptbevollmächtigter des Industrieversicherers FM Global in Deutschland.


CHEManager: Herr Hillgraf, die Prämien für Industrieversicherungen waren in den vergangenen Jahren rückläufig. Worauf ist diese Entwicklung zurückzuführen und wird dieser Trend anhalten?


A. Hillgraf:
Es gibt verschiedene Faktoren, die zu dieser Marktentwicklung geführt haben. In den letzten Jahren haben wir beispielsweise den Markteintritt neuer ausländischer Teilnehmer beobachten können. Dies hat die Branche belebt und den Wettbewerb entsprechend verstärkt. Des Weiteren ermöglichen die versicherungstechnisch erfolgreich verlaufenen Vorjahre und ausbleibende Großschäden insbesondere bei Kunden mit nachweislich gutem Risikomanagement entsprechende Prämiennachlässe. Noch ist nicht klar, wie sich die gegenwärtige Situation auf den Finanzmärkten auf ein künftiges Prämienniveau auswirken wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden jedoch die Einkünfte der Versicherer aus ­Kapitalanlagen in Anbetracht der gegenwärtigen Finanzkrise das hohe Niveau der Vorjahre nicht mehr erreichen. Dies wird mittelfristig zu einer Konzentration auf das operative Ergebnis der Versicherer führen und somit Implikationen auf deren Preispolitik nach sich ziehen.


Inwieweit ist die Jahresprämie einer Sachversicherung ein verlässlicher Indikator für deren Stärke?


A. Hillgraf:
Wenn man sich die derzeitige Markt- und Wettbewerbssituation anschaut, lässt die Versicherungsprämie nicht immer einen zuverlässigen Rückschluss auf den Deckungsumfang zu. Generell werden aber Schadenprävention und gutes Risikomanagement durch eine individuell kalkulierte Prämie anerkannt. Andererseits ist das Prämienvolumen allein sicher kein verlässlicher Indikator, um aus ihm die Stärke einer Versicherung abzuleiten. Versicherungsprämien unterliegen teilweise starken Schwankungen und Zyklen. Zudem bestimmt sich deren Auskömmlichkeit anhand der ihnen gegenüber stehenden Aufwendungen für Schäden. Ein großes Prämienvolumen eines Versicherers ist lediglich ein Indikator dafür, dass er viele Risiken seiner Kunden abdeckt. Inwieweit ihn das zu einem starken Partner seiner Kunden macht liegt in allererster Linie darin begründet, ob es ihm kontinuierlich gelingt Schadenzahlungen und eigene Kosten aus seinen Prämieneinnahmen zu begleichen.


Wie ermitteln Sie die Risiken, wie die Prämien eines Kunden?


A. Hillgraf:
Um unsere Kunden risikotechnisch bestmöglich beraten zu können, ist es wichtig, nicht nur deren Branche, sondern auch relevante ­Betriebsabläufe vor Ort zu kennen. Zum Einsatz kommen dabei unsere Special Chemical Risk Engineers. Diese beschäftigen sich mit den jeweiligen Produktionsprozessen vor Ort, analysieren die damit verbundenen Risiken, berechnen Schadenerwartungen für den Fall, dass sich Schadenszenarien materialisieren und kalkulieren die Maßnahmen, die nötig sind, um die Schadeneintrittswahrscheinlichkeit auf ein für den Kunden akzeptables Maß zu senken.


Welche Risiken können Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie bei Ihnen absichern? Wie unterscheidet sich Ihr Angebot dabei von dem Ihrer Wettbewerber?


A. Hillgraf:
Wir sichern Unternehmen gegen Sach- und Betriebsunterbrechungsrisiken ab. FM Global verfügt über eine ­exzellente Deckung, TE-Select, in Kombination mit einem detaillierten Engineering. Die bereits erwähnten Special Chemical Risk Engineers verfügen im Schnitt über mehr als 15 Jahre Erfahrung und betreuen denselben Kunden oft über Jahre. Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist es sehr wichtig, mit dem Kunden ein auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes, sogenanntes Prozess Safety ­Management aufzusetzen.


Welches sind derzeit die häufigsten Schäden, welches die kostenintensivsten, die Sie für die Chemie- und Pharmaindustrie zu regulieren haben? Erwarten Sie eine Zunahme der Geschäftsrisiken in diesen Branchen?


A. Hillgraf:
Natürlich können wir uns nicht zu unseren aktuellen Schadenfällen äußern. Generell allerdings sehen wir in diesem Segment Herausforderungen in der Sicherheitskette. Gerade bei eingefahrenen Prozessen und aufkommender Routine kann die Aufmerksamkeit der Beteiligten mit der Zeit nachlassen. Eine ‚Quasi-Sicherheit' entsteht, welche in der Folge zu Oberflächlichkeit bei Sicherheitschecks verleiten kann. Wenn das Prozess Safety Management versagt, resultieren daraus hohe Sach- und Betriebsunterbrechungsschäden, leider häufig zusätzlich verbunden mit entsprechend negativer PR und den resultierenden finanziellen Konsequenzen für das betroffene Unternehmen.


Wie unterstützen Sie Unternehmen dabei Schäden vorzubeugen?


A. Hillgraf:
Seit über 50 Jahren schon steht FM Global Kunden Unternehmen der chemischen Industrie zur Seite. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Schadenvermeidung. Die konkrete Unterstützung hängt vom Einzelfall ab und wird eng mit dem Kunden abgestimmt. Üblicherweise besucht unser betreuender Ingenieur die Betriebsstätten des Kunden und analysiert bei einer Begehung das Schadenpotential und die Risiken. Auf Basis dieser Analyse werden dann Empfehlungen zur Risikominimierung erarbeitet. Oft werden wir auch bei Neu- und Umbauten oder Erweiterungen von Gebäuden unserer Kunden konsultiert. Das ist natürlich ideal, denn so können zu vergleichsweise geringen Kosten bereits in der Planungsphase die notwendigen Maßnahmen gleich mitberücksichtigt werden.
Die für unsere Empfehlungen notwendige Wissensbasis ist aus über 170 Jahren Erfahrung und der intensiven Forschungsarbeit an unserem Research Campus in Rhode Island in den USA entstanden. Der Research Campus ermöglicht es uns zudem, ganz konkrete, aktuelle Probleme der Kunden zu untersuchen und maßgeschneiderte Lösungen zu entwickeln.


Viele Großunternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie betreiben ein internationales Netz an Produktionsstätten. Vor welche Herausforderung stellt Sie das als Industrieversicherer?


A. Hillgraf:
Als Industrieversicherer muss man in der Lage sein, seine Kunden in den entsprechenden Ländern vor Ort auf einheitlich hohem Niveau unterstützen zu können. Wir verfügen über ein solches globales Netzwerk sowohl im Bereich des Risiko-Engineering mit weltweit über 1.200 geschulten Schadenverhütungsingenieuren als auch auf der kaufmännischen Versicherungsseite mit Niederlassungen und Korrespondenzpartner in über 70 Ländern.


FM Global ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit - was heißt das für Ihre Kunden?



A. Hillgraf:
Das heißt vor allem, dass unsere Kunden unsere Eigentümer sind und dass wir dadurch, im Unterschied zu den meisten unserer Wettbewerber, nicht an den internationalen Börsen gelistet sind. Dadurch konnten wir bisher auch die ­gegenwärtige Finanzkrise weitgehend unbeschadet an uns vorbeiziehen lassen.
Sind wir profitabel und erwirtschaften einen operativen Gewinn, bedeutet die Struktur als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, dass FM Global sogenannte Membership Credits an seine Kunden auszahlt. Jeder Kunde, in seiner Funktion als Eigentümer unseres Hauses, profitiert also in direkter Art und Weise vom Unternehmenserfolg der FM Global analog eines Shareholders bei Kapitalgesellschaften. Alleine 2006 und 2007 wurden zwei Membership Credits in ­einer Gesamthöhe von 0,5 Mrd. US-$ ausgezahlt. In den letzten acht Jahren summierten sich diese Ausschüttungen auf über 1 Mrd. US-$.

http://www.fmglobal.de

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