VCI: Gefahr eines unkontrollierten Brexits noch nicht gebannt

Chemie- und Pharmabranche wäre besonders betroffen

  • VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann: „Bis zur finalen Ratifizierung des Austrittsabkommens durch die Parlamente gibt es keine Entwarnung." © Samot/ShutterstockVCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann: „Bis zur finalen Ratifizierung des Austrittsabkommens durch die Parlamente gibt es keine Entwarnung." © Samot/Shutterstock

VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann reagiert positiv auf die Einigung zwischen den Verhandlungsteams des Vereinigten Königreichs und der EU auf ein Austrittsabkommen, betont aber gleichzeitig: „Die Gefahr eines unkontrollierten Brexits ist noch nicht gebannt. Das zeigen besonders die Rücktritte aus dem Kabinett May von heute Morgen. Bis zur finalen Ratifizierung des Austrittsabkommens durch die Parlamente gibt es keine Entwarnung. Ohne Ratifizierung gibt es keine Übergangsphase.“ Tillmann betont außerdem, dass die für die Branche wichtige Verhandlungsarbeit dann erst richtig beginne: „Entscheidend ist für uns die konkrete Ausgestaltung des zukünftigen Verhältnisses. Wir brauchen ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen. Nur, wenn dabei Zollschranken vermieden werden und gleiche Standards bei der Produkt- und Chemikaliensicherheit erhalten bleiben, wird das aus unserer Sicht ein gutes Abkommen.“ Diese Aspekte sollten auch schon in die Leitlinien für das zukünftige Verhältnis aufgenommen werden, die die Europäische Kommission nächste Woche vorstellt.

Chemie- und Pharmabranche wäre besonders betroffen
Tillmann betont, dass die Chemie- und Pharmaindustrie von einem unkontrollierten Brexit besonders betroffen wäre. Die Gesetzgebung für chemische Stoffe und Produkte sei sehr stark europäisch geregelt. Als Beispiel nennt Tillmann die EU-Chemikalienverordnung Reach: „Durch einen unkontrollierten Brexit dürfen alle chemischen Stoffe, die im Vereinigten Königreich für den Vertrieb in der EU registriert wurden, unmittelbar nicht mehr ohne Weiteres in der EU verkauft werden. Das hätte gravierende Auswirkungen auf die Lieferketten.“

Großbritannien siebtgrößter Handelspartner der Branche
Das Vereinigte Königreich ist der siebtgrößte Handelspartner der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie. Deutsche Unternehmen exportierten 2017 Produkte im Wert von 11,2 Mrd. EUR nach Großbritannien und importierten für 6,5 Mrd. EUR. Die Branche habe häufig komplexe und grenzüberschreitende europäische Wertschöpfungsketten, betont Tillmann und erläutert: „Zollzahlungen und zeitaufwendige Zollprozeduren an der Grenze könnten zahlreiche Lieferketten zum Erliegen bringen.“

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