Als Ziel ein gemeinsamer Standard

Offene Kooperation: BASF und Chemion nutzen einheitliche Transpondertechnik

  • Chemion Logistik: Selbstbedienungsterminal in Krefeld-Uerdingen © Chemion Logistik Chemion Logistik: Selbstbedienungsterminal in Krefeld-Uerdingen © Chemion Logistik
  • Chemion Logistik: Selbstbedienungsterminal in Krefeld-Uerdingen © Chemion Logistik
  • BASF: Eingangssituation © Pressefoto BASF
  • BASF: Eingangssituation © Pressefoto BASF
  • BASF: Eingangssituation © Pressefoto BASF

Die Abwicklung tausender Transporte, die täglich auf das Werksgelände größerer Chemiestandorte gelangen, setzt eine hohe Effizienz voraus. Damit einher gehen höchste Anforderungen an die Sicherheit und eine eindeutig Identifizierung aller Fahrer und Fahrzeuge. Im Rahmen einer offenen Kooperation haben BASF und Chemion Logistik gemeinsame Mindestanforderungen für den Einsatz entsprechender Technologie bei der Transportabwicklung festgelegt und laden Verlader wie Transportunternehmen ein, an dieser Kooperation teilzuhaben. CHEManager sprach zum Thema mit Wilhelm J. Schroeder, Director und Leiter Distribution Bulk bei BASF, Udo Gruhn, Projektmanagement Chemion Logistik und Hans Maier-Dech, Geschäftsführer der Star/trac supply chain solutions. Die Fragen stellte Dr. Sonja Andres.

CHEManager: Wie kam es zu dem gemeinsamen Projekt bzw. einer Kooperation zwischen den Unternehmen BASF, Chemion Logistik und Star/trac?

 H. Maier-Dech: Diese Kooperation zwischen BASF und Chemion ist eigentlich nicht als klassisches Projekt entstanden, eher natürlich gewachsen. Als Anbieter von Systemen für die Echtzeit-Abwicklung und Fahrtsteuerung von Lkw an Chemiestandorten arbeitet Star/trac bereits seit zehn Jahren im Chemie-Umfeld. Letztlich beschäftigen sich ja alle mit der gleichen Fragestellung: Wie kann ich die Verkehrsabwicklung meiner Standorte nachhaltig zukunftsfähig machen? In diesem Umfeld sprechen wir mit Kunden, ebenso die Kunden untereinander, und es gibt einen regen Austausch in der Branche. Da ja gerade in der Chemiebranche insbesondere der Anteil des Intra-Industrie-Verkehrs sehr hoch ist und zusätzlich speziell qualifizierte Chemie-Spediteure für alle Unternehmen Transporte abwickeln, bietet die Zusammenarbeit riesige Potenziale. Als nun Chemion im Chempark ein neues System eingeführt hat, haben wir im Projekt von Anfang an auf eine mögliche gemeinsame Nutzung von Basistechnologien geachtet. BASF und Chemion haben sich zusammengesetzt und auf die Nutzung eines einheitlichen Transpondertyps mit standardisierten Datenformaten und Schnittstellen geeinigt. Was ich hier so bemerkenswert finde: Die Unternehmen betrachten ihre Zusammenarbeit ausdrücklich als offene Kooperation und Einladung an jeden weiteren Branchenteilnehmer – hier ist nichts geheim oder versteckt, erklärtes Ziel ist schlicht ein höheres Qualitäts- und Effizienzniveau für die ganze Chemielogistik, sowohl für Verlader als auch Logistik-Partner.

 Weshalb hatte die BASF ein Interesse daran, sich in einer offenen Logistik-Kooperation mit Chemion Logistik auf die Nutzung einer einheitlichen Basis-Technologie einzulassen?

 W.J. Schroeder: Die Nutzung eines einheitlichen Transpondertyps schafft die Grundlage für unternehmensübergreifende Synergien bei Auftraggeber und Dienstleister. Dadurch werden Transport- und Lieferprozesse verbessert und Ressourcen geschont. Die Standardisierung macht die Anschaffung von Transpondern außerdem wirtschaftlich, was zu einer größeren Akzeptanz im Dienstleisterkreis führt.

 U. Gruhn: Chemion als spezialisierter Standortdienstleister ist im Chempark und weiteren Standorten insbesondere für Bayer und Lanxess aber auch viele andere Kunden tätig. Von Beginn an hatten wir auch deshalb die Flexibilität und Kompatibilität unserer Technologie mit existierenden Lösungen an unseren Standorten aber auch bei anderen großen Unternehmen oder Chemieparkbetreibern im Auge. Die ausgeprägten Verknüpfungen und Geschäftsbeziehungen in der Chemiebranche bieten in unserer Branche Synergieeffekte, die für alle Beteiligten von Nutzen sind.

 Welche Eigenschaften des einzusetzenden Systems waren für beide Unternehmen von größter Bedeutung?

 H. Maier-Dech: Zentrale und vielleicht wichtigste Eigenschaft für den Einsatz unserer Lösung in beiden Vorhaben ist meines Erachtens, dass durch Flow die operativen Unternehmensprozesse in Echtzeit kontrolliert und gesteuert werden – mit der Fähigkeit, ganzheitlich zu optimieren und auszusteuern. Gute Logistik entsteht bekanntlich erst aus der Summe vieler Einzelschritte, wie der Einbindung aller Beteiligter, der Kunden-SAP, der Systeme von Transportpartnern, aber auch unterschiedlichster operativer Systeme, wie Schranken, Waagen oder Zutrittskontrollsystemen. Wie ein fähiger Dirigent orchestriert das System dann viele Prozessschritte und innovative Technologien zu tatsächlichem Kundennutzen – denn auch mit den fähigsten Solisten entsteht nur koordiniert und im Zusammenspiel ein wirklich gelungenes Konzert.

 Was haben die beiden Systeme, die an den beiden Standorten eingesetzt werden, gemein und worin unterscheiden sie sich?

 U. Gruhn: Es ist prinzipiell das gleiche System, jedoch mit unterschiedlichen Ausprägungen. Natürlich wurden die internen Prozesse, infrastrukturellen Gegebenheiten und Anforderungen seitens der internen Auftraggeber berücksichtigt. Wir haben von Anfang an großen Wert auf den gesamten Lkw-Abwicklungsprozess auf dem Autohof gelegt. Also Check-In, Gütertransportkontrolle, Fahrzeugverwiegung, Berechtigungsprüfung zur Einfahrt in das eigentliche Werksgelände, Check-Out und Papierandruck. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Kunden an unseren Standorten – und hier sehe ich einen wesentlichen Unterschied zur BASF - benötigten wir vor allem auch ein Abwicklungssystem, an das wir die vielen ERP-Systeme der im Chempark ansässigen Unternehmen effizient anbinden können - schließlich sollten die nachgelagerten Systeme aller unserer Kunden automatisch bedient werden.

 Worin bestehen die besonderen Vorteile im Einsatz dieses Systems aus Sicht der BASF?

 W.J. Schroeder: Die RFID-Technologie spielt eine zentrale Rolle bei der automatisierten Transportabfertigung, weil im Rahmen der funkbasierten Transpondertechnologie alle Transportkomponenten zuverlässig und sicher authentifiziert werden können. Sie ermöglicht eine transparente Darstellung aller Prozessabläufe. Gleichzeitig können versteckte Optimierungspotentiale erkannt werden. Daneben erhöht die Technologie die Transportsicherheit und beschleunigt die Zugangskontrolle am Werktor sowie die Durchlaufzeiten der Lkw. Die Abläufe werden effizienter und wirtschaftlicher.

 … und aus Sicht der Chemion Logistik?

 U. Gruhn: Die Architektur und Systematik der Star/trac-Lösung ist besonders auf die Belange der Chemielogistik und große Chemie- bzw. Industriestandorte ausgerichtet. Für uns war sehr wichtig, dass schon die Standardfunktionalitäten des Tools einen hohen Grad unserer Anforderungen abgedeckt haben. Weiterhin war uns wichtig, auf neue und kommende Herausforderungen vorbereitet zu sein. Außer Chemion arbeiten ja zahlreiche Blue-Chips der Branche mit dem gleichen Basis-System und wir sehen hier die systematische Weiterentwicklung von Inhalten und Funktionalität für die Branche. Die nächste Stufe der Logistik-Potentiale liegt ganz klar in der Zusammenarbeit von Partnern bis hin zu Wettbewerbern – und das wollen wir weiterhin nutzen.

 Haben sich die Erwartungen erfüllt?

 W.J. Schroeder: Die Einführung der RFID-Technologie am Standort Ludwigshafen hat sich bewährt und beweist sich im Tagesgeschäft als robust und stabil. Wir wollen die Technologie weiter verfolgen und weitere Ladestellen mit RFID-Technologie ausstatten. Ziel ist, dass sich möglichst viele Dienstleister beteiligen und den gemeinsamen Transponder-Standard einsetzen.

 U. Gruhn: Unsere Erwartungen haben sich bislang voll erfüllt. Nicht nur unsere Kunden haben ein großes Interesse an der Umsetzung unseres Konzeptes, auch die Transportdienstleister haben den Mehrwert erkannt und unterstützen uns hierbei. Ziel dieser Phase ist, die Durchlaufzeit an unseren Chempark Standorten um einen höheren zweistelligen Prozentsatz zu beschleunigen und dann den Automatisierungsgrad weiter zu steigern. Im Moment sieht es so aus, dass wir die Mengen schneller erreichen, als wir in unseren ursprünglichen Planungen angenommen hatten.

 Könnte das Logistiksystem noch tiefer in die jeweiligen Transportvorgänge am jeweiligen Standort integriert werden, falls dies gewünscht würde? Welche sinnvollen Erweiterungen wären denkbar?

 H. Maier-Dech: Es kann nicht nur weiter integriert werden, es passiert bereits an vielen Stellen. Unser System ist ja  – wie ein Betriebssystem eines Computers – Basis für Optimierungen vielfältigster Art. Gemeinsam mit unseren Technologiepartnern, Verladern und Chemielogistikern arbeiten wir an vielen Themen. Im Bereich der Verladung wird durch integrierte Systeme z.B. Selbstverladung dramatisch vereinfacht und in Zukunft auch hochsichere vollautomatisierte Verladung möglich. Weiteres Schwerpunkthema ist die tiefere Integration mit Transportpartnern für die dynamische Steuerung von Ladefenstern und Slots an Standorten. Speziell für Fahrer haben wir eine Art Scheckkarte entwickelt, die den hohen Sicherheitsanforderungen der Chemie gerecht wird, aber universell an jedem Kundenstandort eingesetzt werden kann und voll in die Systemlogik integriert wird. Technologisch werden Biometrie zur Personenüberprüfung und OCR für die visuelle Identifizierung von Containern integriert.

Als ganz wichtigen strategischen Ansatz sehen wir mobile Anwendungen. Gemeinsam mit Kunden entwickeln wir Funktionsmodule, die das mobile Arbeiten vor Ort und am Objekt, aber immer voll integriert in das Steuerungs-System, ermöglichen. Gefahrgut- und Sicherheitsüberprüfungen, Abrufe für Fahrer, Routing auf dem Werksgelände mit wichtigen Sicherheitsfunktionen sind nur einige der Themen, die uns beschäftigen.

Schließlich sehen wir auch Cloud-basierende Funktionen und deren Integration in die lokalen Systeme als großes Thema – auch wenn Prism und zahlreiche andere Skandale hier in der eher konservativen Chemie-Branche keine ganz kurzfristigen Erfolge erwarten lassen. Andererseits aber kann man gerade auch im Bereich der Sicherheit durch Nutzung möglicher Services, welche z.B. Zulassungsdaten und Gefahrgutklassen von Fahrzeugkomponenten in Echtzeit prüfen, auch viel gewinnen.

Alles in allem sind wir absolut davon überzeugt, dass alle genannten Ansätze kommen werden. Und die aktuelle Kooperation zwischen Chemion und BASF ist ein tolles Zeichen eines Paradigmenwechsels in der Branche: Eine lange Reise in Richtung Kooperation hat mit einem ersten Schritt begonnen…

 Haben bereits weitere Chemiestandorte, Verlader oder Speditionen Interesse an einer Teilnahme an dieser offenen Kooperation gezeigt?

 H. Maier-Dech: Ja, es besteht ein weitgestreutes Interesse in unterschiedlicher Breite und Tiefe, sowohl in der Chemie- als auch in der Transportbranche – aber auch aus anderen Branchen. Das Feedback ist dabei durchweg positiv – sei es von Verlader- oder von Dienstleisterseite aus. Ganz interessant ist dabei, dass insbesondere auch der völlig transparente und offene Ansatz als sehr positiv und konstruktiv wahrgenommen wird. Gleiches gilt übrigens für unterschiedlichste Verbände - sowohl von Seiten der Verlader als auch von Seiten der Spediteure, die Interesse haben. Ganz offensichtlich haben BASF und Chemion damit den Nerv der Zeit getroffen – und wir werden hier ganz sicher noch viel Bewegung sehen.

Weitere Informationen erhalten Sie mit dem Webcast "Verkehrsfluss und Transportabwicklung in Chemieparks"!

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