Logistik & Supply Chain

Chemie und Logistik müssen Ziele gemeinsam abstecken

22.02.2023 - Interview mit Michael Kriegel, Dachser, zu den Ergebnissen der Studie zum Einkauf von Logistikdienstleistungen

Die Studie „Einkauf von Logistikdienstleistungen in der Chemie – Wie der Einkauf vor dem Hintergrund von Kapazitätsengpässen im Transport zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen kann“, über die auf der vorangehenden und dieser Seite berichtet wird, wurde von Dachser Chem Logistics unterstützt. Zur Einordnung der Studienergebnisse aus Sicht eines Logistikdienstleisters befragte CHEManager Michael Kriegel, Department Head bei Dachser Chem Logistics. Die Fragen stellte Birgit Megges.

CHEManager: Herr Kriegel, Sie haben die Studie mit Dachser Chem Logistics unterstützt. Warum haben Sie 2022 als Zeitpunkt für die Studie gewählt?

Michael Kriegel: Die Lieferketten sind in den vergangenen drei Jahren auf vielen Ebenen fragiler und komplexer geworden. Resilienz ist heute das Gebot der Stunde, um die Supply Chains an volatile wirtschaftliche und geopolitische Rahmenbedingungen anpassen zu können. Um resilienter zu werden, müssen die verladende Wirtschaft und Logistikdienstleister enger zusammenrücken. Denn nur im engen Austausch können Logistiker die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen ihrer Kunden verstehen und gemeinsam passgenaue Lösungen für komplexe Lieferketten entwickeln.

Warum ist eine Studie zum Einkauf von Logistikdienstleistungen besonders für Chemieunternehmen wichtig?

M. Kriegel: Die chemische Industrie stellt besondere Anforderungen an die Logistik. Sicherheit und Qualität stehen an erster Stelle, da unter anderem auch Gefahrgut transportiert wird. Für den Einkauf von Logistikdienstleistungen in der Chemie benötigen Einkäufer den Ergebnissen zufolge spezifisches Know-how. Weiter müssen sie sich des Transportvolumens und der Bandbreite der Sendungen bewusst sein. Ein in dieser Studie beschriebener generischer Einkaufsprozess, der als Entscheidungshilfe fungiert und das Augenmerk auf alle beteiligten Akteure – innerhalb und außerhalb eines Unternehmens – und den gesamten Prozess legt, kommt deshalb genau zur richtigen Zeit.

Was ist beim Einkauf von Logistikdienstleistungen in Zeiten von fragilen Lieferketten zu beachten?

M. Kriegel: Die Kosten für die Logistik sind aufgrund hoher Energiepreise, aber auch durch den zunehmenden Fahrermangel und die aktuelle Rohstoffknappheit stark gestiegen. Umso entscheidender ist es, dass die Logistik auch bei größerem Kostendruck weiterhin als verlässlicher Partner der Industrie agiert und den Warenfluss aufrechterhält. Dafür investieren Logistiker unter anderem in digitale Technologien, die die Transparenz der Lieferketten verbessern und die Effizienz steigern.

Mit der Verschiebung vom Kostenfaktor hin zum Erfolgsfaktor braucht es eine neue Qualität der Beziehung. Deshalb ist nun auch der Einkauf gefordert, Logistik über den bloßen Preis hinaus zu sehen. Die vorliegende Studie zeigt, was wir auch in der Praxis erkennen, die Qualität und das gemeinsame Abstecken der Ziele sind entscheidend. Reine Einkaufskosten bilden nicht die Gesamtkosten ab, wenn Transporte beispielsweise nicht planmäßig durchgeführt werden können.

Beim Einkauf von Logistikprozessen muss die Flexibilität erhalten bleiben, um entsprechend auf Veränderungen in den Lieferketten zu reagieren. Gleichzeitig müssen Kunde und Logistiker im engen Austausch bleiben. Wenn sich beide Seiten dessen bewusst sind, ist der Grundstein für den gemeinsamen Erfolg gelegt – auch in Zeiten von hochgradig sensiblen Lieferketten.

 

Um resilienter zu werden, müssen die verladende Wirtschaft und Logistikdienstleister enger zusammenrücken.“

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