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Chemiekonjunktur: Investitionen trotz Wachstumspause

17.07.2012 -

Weite Teile der Europäischen Union befinden sich derzeit in der Rezession. Die nach wie vor ungelöste Bankenkrise erschwert die Refinanzierung vieler Länder. Das engt ihren politischen Handlungsspielraum erheblich ein. Fiskalpakt und Sparzwang verhindern in der Eurozone konjunkturelle Impulse. Auch außerhalb unseres Kontinentes mehren sich die Sorgenfalten: In China und Brasilien schwächte sich das Wirtschaftswachstum bereits ab. Noch kommen aus den USA überwiegend positive Konjunktursignale. Aber auch dort drohen Rückschläge, da zum Jahresende die Konjunkturprogramme auslaufen. Die Weltwirtschaft insgesamt steht derzeit am Rande einer Rezession.

Die deutsche Chemieindustrie hat sich im ersten Halbjahr 2012 in diesem schwierigen weltwirtschaftlichen Umfeld gut behauptet. Dennoch hat die globale Abschwächung in der Halbjahresbilanz der deutschen Chemie Spuren hinterlassen: Die Produktion wurde um 4 % gedrosselt. Auch der Umsatz war rückläufig. Das Exportgeschäft konnte kaum zulegen, weil die Ausfuhren in die Euroländer rückläufig waren. Die Branche hofft auf eine baldige Belebung. Ungeachtet der aktuellen Risiken stellten die Chemieunternehmen daher neue Mitarbeiter ein. Auch die Investitionen wurden ausgeweitet (Grafik 1).

Produktionsrückgang

Die deutsche Chemie bekam die globale Wachstumsabschwächung und die Unsicherheiten der Eurokrise frühzeitig zu spüren. Bereits im zweiten Halbjahr 2011 drosselten die Unternehmen die Produktion (Grafik 2). Diese Talfahrt wurde im bisherigen Jahresverlauf gestoppt. In der ersten Jahreshälfte 2012 konnte die Produktion im Vergleich zu den vorangegangenen sechs Monaten wieder leicht ausgeweitet werden. Der Vorjahresvergleich zeigt jedoch, dass die Schuldenkrise die Branche weiterhin fest im Griff hat. Die Chemieproduktion lag von Januar bis Juni durchschnittlich 4 % niedriger als ein Jahr zuvor. Der Rückgang fällt auch deswegen so deutlich aus, weil das erste Halbjahr 2011 außergewöhnlich stark war. Die Kapazitätsauslastung blieb im bisherigen Jahresverlauf mit rund 83 % im Normalbereich.

Preisauftrieb hält an

Steigende Rohstoffkosten zwangen viele Unternehmen, die Preise für ihre Produkte anzuheben. Der Preisauftrieb hat sich im ersten Halbjahr sogar wieder beschleunigt (Grafik 3). Zuletzt gaben die Rohstoffpreise zwar leicht nach. Wegen der Euroschwäche führte dies jedoch nicht zu einer Kostenentlastung für die Chemieunternehmen. Vor diesem Hintergrund waren chemisch-pharmazeutische Produkte von Januar bis Juni rund 3 % teurer als ein Jahr zuvor. Bis auf eine Ausnahme konnten alle Chemiesparten Preiszuwächse verbuchen. Nur die Preise für Arzneimittel waren rückläufig.

Leichter Umsatzrückgang

Trotz der Preissteigerungen lag der Gesamtumsatz der deutschen chemischen Industrie im ersten Halbjahr 2012 mit insgesamt 89,2 Mrd. € 0,5 % niedriger als ein Jahr zuvor. Das Geschäft mit Kunden im Inland konnte wegen der nach wie vor guten Industriekonjunktur leicht zulegen. Im Auslandsgeschäft hingegen machte sich die Rezession der Länder in Südeuropa negativ bemerkbar (Grafik 4). In Zahlen heißt das: Der Umsatz der deutschen Chemieunternehmen mit Kunden im Inland stieg um 0,5 % auf 35,5 Mrd. €. Das Auslandsgeschäft sank um 1,0 % und erreichte nur noch ein Volumen von 53,7 Mrd. €.

Chemie schafft neue Stellen

Ungeachtet der jüngsten Konjunktureintrübung stellten die deutschen Chemieunternehmen weiter Personal ein. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Branche stieg im ersten Halbjahr um 2,0 %. Die deutsche Chemieindustrie beschäftigt aktuell rund 437.000 Mitarbeiter. Der Beschäftigungszuwachs unterstreicht, dass die Unternehmen ihre mittelfristigen Perspektiven als gut einstufen. Außerdem dürfte die Sorge um einen sich ausweitenden Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel unserer Gesellschaft die Neueinstellungen beflügelt haben. Die Zuversicht der Branche zeigt sich auch bei den Investitionen.

Das Zinsniveau ist günstig. Laut ifo-Investitionstest planen 83 % der Chemieunternehmen in diesem Jahr, die Investitionen zu erhöhen. Der größte Teil des Zuwachses entfällt dabei auf Kapazitätserweiterungen. Die Branche wird in diesem Jahr insgesamt rund 6,7 Mrd. € investieren. Das wären 5 % mehr als 2011.

Ausblick: Schuldenkrisen dämpfen Erwartungen

Alles in allem ist die chemische Industrie mit der Halbjahresbilanz zufrieden. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen nach wie vor positiv eingeschätzt. Die Geschäftserwartungen der Branche haben sich allerdings nach zahlreichen Negativmeldungen zuletzt wieder eingetrübt (Grafik 5). Auch in der Chemieindustrie nimmt die Verunsicherung zu.

Aber auch unter schwierigeren Bedingungen kann die Branche auf ihre Stärken vertrauen: Die deutsche Chemie ist krisenerprobt und wettbewerbsfähig, verfügt über eine qualitativ hochwertige und innovative Produktpalette. Die Unternehmen sind daher nach wie vor davon überzeugt, dass das Produktionsniveau des Vorjahres gehalten werden kann. Dabei spielen zwei Faktoren eine wesentliche Rolle:

 

  • Die Hoffnungen liegen zum einen auf dem Inlandsgeschäft. Die deutsche Industrie, der mit Abstand wichtigste Kunde unserer Unternehmen, wird auch in diesem Jahr die Produktion ausweiten. Der Inlandsabsatz dürfte also leicht zulegen.
  • Zum anderen wächst die Chemienachfrage auf den Auslandsmärkten in Übersee dynamisch. Hiervon kann die deutsche Chemie profitieren, zumal der schwache Euro unsere preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf diesen Märkten zusätzlich verbessert.

Allein das Europageschäft bereitet den Unternehmen derzeit Sorge. Die Rezession erfasst unsere industriellen Kunden in Spanien, Italien, England und zunehmend auch in Frankreich. In den betroffenen Ländern sinkt die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen - auch aus deutscher Produktion.
Unter dem Strich wird das schwache Europageschäft durch die Exporte nach Nordamerika und Asien sowie durch die Verkäufe im Inland kompensiert. Die Produktion wird daher in diesem Jahr nicht ausgedehnt werden.

Die deutsche Chemie legt eine Wachstumspause ein. Die Erzeugerpreise dürften im Jahresdurchschnitt um 2,0 % steigen. Das lässt für den Branchenumsatz einen Zuwachs von ebenfalls 2,0 % erwarten. Das Auslandsgeschäft wird sich aber wegen des hohen Anteils der Ausfuhren in die EU unterdurchschnittlich entwickeln.

Kontakt

VCI - Verband der Chemischen Industrie e.V

Mainzer Landstr. 55
60329 Frankfurt
Deutschland

+49 69 2556 0
+49 69 2556 1471

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