Chemie & Life Sciences

Der Reiz moderner Fußballarenen

Die Stadien der Fußballeuropameisterschaft in Frankreich glänzen mit konstruktiven Innovationen

15.06.2016 -

Im Moment sind alle Augen auf Frankreich gerichtet. Seit zwei Wochen rollt bei der EURO 2016 der Ball. Die insgesamt 51 Spiele werden in teils neugestalteten und teils modernisierten Stadien ausgetragen. Kunststoffwerkstoffe sind für das moderne Design und die innovativen Konstruktion von Sportarenen unverzichtbar. Stephan Nicolay, Architekt und Vorsitzender des Instituts für das Bauen mit Kunststoffen (IBK) in Darmstadt, erläutert die besonderen Eigenschaften und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Polymermaterialien.

CHEManager: Herr Nicolay, moderne Fußballstadien sind heute oft Wahrzeichen für eine Stadt oder Region, viel Zeit und Ressourcen fließen in Planung, Gestaltung und Bau. Worauf führen Sie das zurück?

S. Nicolay: Architektonische Großprojekte wie Kathedralen, spektakuläre Bauten der Weltausstellungen oder auch Brücken, Bahnhöfe und Flughäfen sind für den Wiedererkennungswert eines Ortes oder sogar einer Region ganz entscheidend. Wir haben ein Bild im Kopf noch bevor wir den Ort besucht haben. So fällt uns zum Beispiel zu größeren Städten oft ein solches Projekt ein, welches wir speziell mit dieser einen Stadt in Verbindung bringen. Auch Fußballstadien als Bauwerke der Superlative übernehmen heute eine solche Identifikationsfunktion. Über die Medien begegnen sie uns ständig. So sind sie häufig Teil des Vorspanns zu einer internationalen Fußballveranstaltung in einer Sportsendung; sehr oft beginnt diese mit einer spektakulären Außenaufnahme oder Kamerafahrt um und über das Stadion.

Im modernen Fußball steigen die Anforderungen an die Stadien wie mehr Komfort für die Zuschauer. Was hat diese Entwicklung begünstigt?

S. Nicolay: Zum einen sind für den Komfort in einem Stadion natürlich der Witterungsschutz, das Licht, die Akustik und der freie Blick auf das Spiel, also die Stützenfreiheit der weitgespannten Dachkonstruktion, ganz entscheidend. Zum anderen sind es aber auch die atmosphärischen Aspekte, die den Eventcharakter stärken, wie die gefühlte Nähe zu Spielfeld und anderen Fans. Im Kontext der Stadien von Herzog & de Meuron, den Architekten der „Allianz Arena“ in München und des Olympiastadions „The Bird Nest“ in Peking, muss die Stimmung immer innerhalb des Stadions bleiben und darf keinesfalls über ein zu offenes Dach nach draußen entweichen. Trotzdem muss aber ein Naturrasen – so sieht es unter anderem die Sportstättenvorgabe des Deutschen Fußballverbands vor – „im Freien“ mit entsprechender Sonneneinstrahlung wachsen.

Ein Eldorado für kunststoffbeschichtete Membrankonstruktionen…

S. Nicolay: Ja! Die Commerzbankarena in Frankfurt mit ihrem berühmten „Cabriodach“ über dem Spielfeld ist ein gutes Beispiel, wie man diese scheinbar widersprüchlichen Ansprüche vereint. In knapp 20 Minuten kann das Innendach aus teflonbeschichtetem Polyestergewebe je nach Wetterlage geschlossen oder geöffnet werden. Textile Dachkonstruktionen aus Kunststoff eignen sich dabei besonders gut für solche sehr großen Spannweiten.

Ein wichtiger Vorreiter für die heutigen riesigen Membrankonstruktionen war die Überdachung des Olympiaparks in München im Jahr 1972, auch wenn hier keine Membran, sondern eine Acrylglaseindeckung bei der Zeltkonstruktion zum Einsatz kam. Das Dach galt damals als eine gestalterische und statische Sensation und ist damit ein wichtiges Baudenkmal der Architekturgeschichte. Mittlerweile werden solche Kunststoffmembranen überall auf der Welt für die Überdachung von Stadien eingesetzt.

Welche neuen Trends in der Stadionarchitektur sehen Sie, die eventuell bald auch in Bürogebäuden und Wohnhäusern zu sehen sein werden?

S. Nicolay: Die Hülle der Stadien ist nicht nur gestaltprägendes Element, welches sich in unseren Köpfen einnistet, sie kann auch als steuerbares und wandelbares Instrument eingesetzt werden. So werden zum Beispiel die Kunststoff-Pneus der Fassade der Münchner „Allianz Arena“ wahlweise in Rot, Blau oder Weiß beleuchtet oder Dächer werden geöffnet oder geschlossen. Die Hülle passt sich also den jeweiligen Bedürfnissen an.

Solche individuellen Anforderungen können natürlich auch im privaten Bereich zum Einsatz kommen: So werden sich die Hüllen unserer Büro- und Wohngebäude künftig selbstregulierend an unsere atmosphärischen Raumbedürfnisse anpassen, wie eine echte „dritte Haut“ sozusagen. Dazu zählen wartungsarme Lüftungsanlagen, die das Raumklima selbständig zwischen Innen- und Außenraum regulieren. Damit dies gelingt, benötigt man entsprechende Baustoffe wie polymere Werkstoffe, in die sich reaktive und damit konfektionierbare Eigenschaften leicht integrieren lassen. (mr)

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