Logistik & Supply Chain

Die Zukunft nicht verspielen

Kommentar von Prof. Michael ten Hompel, Fraunhofer-Institut Materialfluss und Logistik IML

27.01.2015 -

Google, Microsoft oder Apple sind an der Börse mehr wert als die gesamte russische Wirtschaft. Wer die Schlagzeilen im Dezember 2014 gelesen hat, dem beweist dieser Vergleich zunächst nur, dass Russland in einer tiefen Krise steckt. Aber mehr noch offenbart er eines überdeutlich: Die Informationstechnologie und damit in gewisser Weise auch die US-amerikanischen Anbieter nehmen längst eine Vormachtstellung ein, wenn es darum geht, die digitale Zukunft zu gestalten und erfolgreiche Geschäftsmodelle auf den Weg zu bringen.

Megatrends wie Cloud Computing, Big Data und Industrie 4.0 bergen aber auch neue Geschäftsmodelle und Chancen für den Standort Deutschland, allen voran in der Logistik. Der Logistik-IT kommt, als Bindeglied über alle Industriezweige hinweg, eine Schlüsselrolle zu. Ressourceneffiziente globale Warenflüsse und sichere Supply Chains sind ohne autonome, dezentrale und wandlungsfähige Logistik-IT nicht mehr denkbar - besonders in sicherheitssensiblen Branchen wie der Chemie- und Pharmaindustrie.

Dafür muss die Logistikbranche die Entwicklung ihrer Soft- und Hardware auch selbst in die Hand nehmen und neue Geschäftsmodelle entwickeln, statt nur Systeme zu adaptieren. Die Devise für Deutschland muss lauten: Software produzieren wie Autos - zielgerichtet und anwendungsorientiert. Nimmt die Logistikwirtschaft diese Herausforderung nicht an, wird ihre internationale Spitzenposition verloren gehen.

Für den Wirtschaftsstandort Deutschland entsteht eine zunehmende Bedrohung aus dem Umstand, dass informationstechnologische Innovationen heute wesentlich außerhalb Deutschlands stattfinden. Informationstechnologien und Software werden überwiegend in den USA entwickelt und das betrifft nicht mehr nur den Endkundenmarkt. Zunehmend drohen Kontrollverlust und De-Facto-Standards auch bei den Megatrends wie Industrie 4.0 und Cloud Computing.

Die Ausgangsposition, um dem entgegenzuwirken, ist besser als mancher meinen mag. Im Bereich der industriellen Software existieren durchaus deutsche Global Player mit professionellen Produkten und Entwicklungsumgebungen. Auch mittelständische Logistik-IT-Anbieter spielen hier eine aktive Rolle. Zudem liegt in der viel zitierten Datensicherheit und Souveränität einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile für eine hiesige Softwareentwicklung: Dezentrale Datenhaltung und Ad-hoc-Vernetzung ermöglichen es, die Hoheit über die eigenen Daten zu behalten - ein klarer Gegenentwurf zu Wettbewerbern mit zentraler Datenspeicherung unter Kontrolle eines einzelnen Anbieters.

In dem aktuellen Positionspapier „Logistik und IT" bekennt sich auch die Bundesvereinigung Logistik (BVL) zu einer neuen Führungsrolle der Logistik in der IT-Entwicklung. Das Papier formuliert zwölf Handlungsempfehlungen, wie sich softwaretechnologische Innovationen konkret vorantreiben lassen. In Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat die Logistikbranche zudem einen Unterstützer gefunden, der mit seiner digitalen Agenda ähnliche Ziele verfolgt. Nun ist es an der Logistikwirtschaft, gemeinsam schnell zu sein. Ein Weg, der vielen als fantastisch vorkommen mag, der gleichzeitig aber so alternativlos ist, wie die Digitalisierung der Welt selbst: Wer nicht jetzt auf die Verbindung von Logistik und IT setzt, verspielt seine Zukunft!

 

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