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Durchbruch für die Nanotechnologie?

Förderung durch EU-Verbundvorhaben, Chemie-Cluster Bayern ist deutscher Projektpartner

24.05.2011 -

Die Nanotechnologie hat die Welt nach wie vor nicht revolutioniert. Es fehlt an der Umsetzung industrieller Anwendungen - gerade auch in der Chemiebranche. Die EU begegnet dem durch die Förderung eines spannenden Verbundvorhabens: Sieben Regionen in Zentraleuropa vereinen ihre Kräfte in einem umfassenden dreijährigen Projekt. Deutscher Projektpartner ist das Chemie-Cluster Bayern.

„Höher, schneller, weiter" - wie im Sport treibt das olympische Motto häufig technologische Entwicklungen an. Die Nanotechnologie scheint dieses Credo umgekehrt zu haben: Die Vorteile der technologischen Entwicklungen im Nano-Bereich entstehen gerade durch die Nanometerskala. „There's Plenty of Room at the Bottom", sagte Richard Feynman in einem Vortrag bereits 1959, noch mehr Raum gibt es aber für die Anwendungen der seither gewonnen Erkenntnisse und Entwicklungen.

Universalgenie Nano
Nanotechnologische Entwicklungen wirken in unterschiedlichen Industrien, etwa in den Bereichen Bau, Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheit, Energie oder Logistik bis hin zum Sicherheitsgewerbe. Nanotechnologie birgt das Potential für neuartige Dienstleistungen mit revolutionärem Charakter - sei es durch Effizienzsteigerung und/oder Umwelt- bzw. Gesundheitsaspekte. Das ist nicht nur für große Konzerne relevant: Gerade auch Spin-offs, Start-ups und wissensbasierte Nischenunternehmen können sich durch Nanotechnologie profilieren. Aber warum finden wir auf dem Markt nicht mehr Nano-Produkte? Das hat unterschiedliche Gründe.

Schreckgespenst Nanotechnologie
Die Nanotechnologie ist das Schreckgespenst für Technologieskeptiker. Die öffentliche Wahrnehmung und die Tatsache, dass die Technologie große Chancen für die Gesellschaft birgt, klaffen derart auseinander, dass die Bundesregierung (das Bundesministerium für Bildung und Forschung, BMBF) einen „nanoTruck" durch die Republik fahren lässt, um die fehlende Brücke zwischen Potential und Anwendung zu schlagen. Eine weitere Hürde stellt außerdem die Umsetzung und Einhaltung öffentlicher Richtlinien dar, seien sie national oder auf europäischer Ebene.

Begünstigendes Klima
Die Nanotechnologie benötigt darüber hinaus aber auch ein begünstigendes Klima seitens ihrer Anwenderindustrien. Als potentielle spätere Kunden sollten sie früh in die Entwicklung involviert werden und ihre Anforderungen formulieren, um die Nanotech-Entwicklungen treffsicher auf die spätere Anwendung auszurichten. Die Chemieindustrie als befähigende Querschnittsindustrie bringt in dieser Rolle die Nanotechnologie voran und profitiert selber stark von ihrer Nutzbarmachung. Die Chemie ist das größte Marktsegment aus Sicht der Nanotechnologie - (Nano-)Forschung in die industrielle, chemische Anwendung zu bringen, ist aber eine große Herausforderung. Dies liegt auch daran, dass der Atem der jungen Nano-Unternehmer - aus Finanz- und Managementsicht - oft noch zu kurz ist, um die schwierige und langwierige Suche nach dem passenden Kooperationspartner aus der Industrie zu meistern.

Verbundprojekt „Nanoforce"
In dem einzigartigen Verbundprojekt „Nanoforce" wollen nun Chemieregionen aus sieben zentraleuropäischen Ländern (Deutschland, Italien, Österreich, Slowenien, Slowakei, Polen, Tschechische Republik) den Weg von der Nanotechnologie zur Chemie ebnen und neuen Anwendungen zum Durchbruch verhelfen.
Nanoforce bündelt drei Jahre lang die Kräfte von Wirtschaftsverbünden, Forschern, Kapitalgebern und Politikvertretern an der Schnittstelle der Chemiebranche mit Nanotech-Anbietern und -Entwicklern. Die Initiative wird praktikable Leitlinien zum verantwortlichen Umgang mit der Nanotechnologie und dem zugehörigen Risikomanagement erarbeiten - jedoch ohne ein „zweites REACh" zu schaffen, sondern im Brückenschlag von vollumfänglichem Verbraucherschutz und der beschleunigten Umsetzung jener Innovationen, die nicht zu knapp spannende Vorteile für die Konsumenten bieten. Eine Karte der Nanotech-Kompetenzen in Zentraleuropa weist durch ihre Leuchttürme und durch ihre Lücken neue Richtungen für die zukünftige Forschung. Die bisherigen Forschungs- und Entwicklungsergebnisse werden im Rahmen von Nanoforce stärker in die Chemieindustrie getragen, bestehende Pilotanwendungen unterstützt und neue angeregt, auch über den europäischen Tellerrand hinaus. Das vorrangige Ziel von Nanoforce ist deshalb die Anregung neuer Geschäftsmodelle für nanotechnologische Anbieter und chemische Abnehmer in Form sog. „Nanodeals", für die ein eigener Venture Capital Fund ins Leben gerufen wird. Bei der schwierigen Aufgabe, passende Kooperationspartner für die angestrebten „Nanodeals" zu finden, leisten marktnahe F&E-Netzwerke wie das Chemie-Cluster Bayern den entscheidenden Beitrag.

Ambitioniertes Vorhaben
Das Chemie-Cluster Bayern mit seinen 200 Mitgliedern - zu zwei Dritteln Unternehmen und zu einem Drittel Forschungseinrichtungen - beteiligt sich deshalb mit zentralen Arbeitspaketen an der Initiative und bringt dabei seine Kompetenzen bei der Initiierung von F&E-Verbundprojekten mit gemischten Konsortien aus Industrie- und Hochschulvertretern ein. Zusammen mit seinem bayerischen Schwester-Cluster Nanotechnologie wird vom Cluster-Team auch ein Leitpapier zur Erstellung einer umsetzungsfreundlichen EU-Richtlinie ermittelt und an die entscheidenden Stellen kommuniziert. Anwenderforen und Workshops in der eigenen Region, in Deutschland und in den Partnerländern schaffen Möglichkeiten zur Geschäfts- und Kooperationsanbahnung.
Die EU, die das Projekt während seiner dreijährigen Laufzeit fördert, unterstützt damit ein ambitioniertes Vorhaben, dem es endlich gelingen soll, alle entscheidenden Akteure an einen Tisch zu bringen - vom Mittelständler über den PhD-Studenten einer Forschungseinrichtung bis hin zu den Entscheidern in Brüssel. Noch bedeutender allerdings ist der wichtige Ansatz, die Abnehmerindustrie Chemie in alle Projektvorhaben zu integrieren. Nanoforce könnte tatsächlich die Kraft haben, die der Nanotechnologie zum bislang ausgebliebenen revolutionären Durchbruch verhilft.
Das Zusammenwirken von Nanotechnologie und Chemie lässt sich natürlich nicht nur durch „höher, schneller, weiter" beschreiben. Ebenso muss es heißen: vielseitig, ökologisch, effizient! Nanoforce hat das erkannt.

Kontakt

Chemie-Cluster Bayern

Hansastraße 36
80686 München
Deutschland

+49 89 1894168 - 10
+49 89 1894168 - 11

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