Standorte & Services

Evonik investiert über 1 Mrd. EUR in Chemiepark Marl

Interview mit Standortleiter Bernd Vendt über die enormen Veränderungen am Standort

08.12.2021 - Im Chemiepark Marl wird emsig gebaut. An Dutzenden von Baustellen entstehen neue Anlagen, Kraftwerke und die Infrastruktur wird auf den neuesten Stand gebracht.

Über die Veränderungen und die Zukunft des Chemieparks sprach Oliver Pruys mit dem Standortleiter, Bernd Vendt.

CHEManager: Der Chemiepark Marl investiert mehr als eine Milliarde Euro in die Infrastruktur und neue Produktionsanlagen. Wie entwickeln sich die Bauprojekte am Standort?

Bernd Vendt: Die Großprojekte liegen im Zeitplan. Insgesamt sehen wir in unseren 36 Teilprojekten, verteilt auf 60 Baufelder und 200 Projektflächen, dass sich der Chemiepark Marl aktuell nicht nur faktisch verändert, auch das gesamte Erscheinungsbild verändert sich. Die kleinen, blauen Kraftwerksblöcke in der Nähe des Haupttores stehen beispielsweise schon und auch der Bau eines weiteren, neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) im Nordwesten des Chemieparks schreitet voran. Noch schauen wir von Weitem auf die hohen Schornsteine der Kohlekraftwerke, aber die weichen jetzt nach und nach den GuD-Kraftwerken. Dafür gewinnen wir an anderen Stellen an Höhe: Eine der Kolonnen der Cumol-Anlage erreicht zum Beispiel eine Höhe von fast 90 m.

Cumol-Anlage im Weltmaßstab, Produktionsausbau der Polyamid 12-Anlagen, neues Eingangsportal: Die Größe und auch die Anzahl der Baumaßnahmen sind beachtlich. Wie passt das mit der aktuellen Corona-Situation zusammen?

B. Vendt: Das Virus und die damit einhergehenden Maßnahmen zum Gesundheitsschutz sind eine große Herausforderung. Weil wir allerdings schon früh selbst Impfangebote gemacht haben und viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Chemiepark diese Möglichkeit auch angenommen haben, sind wir dankbar dafür, dass wir diese Herausforderung gut meistern können. Es kommt ja auch dazu, dass sich für die Umsetzung der Großprojekte im Chemiepark mehr Menschen als üblich am Standort aufhalten. Dank eines Shuttlebussystems zu verschiedenen Zeiten garantieren wir einen reibungslosen Ablauf auf unseren Baustellen und tragen so dazu bei, das Infektionsgeschehen gering zu halten.  

Sie haben es schon angedeutet: Unabhängig von Corona verändert der Standort durch die vielen Projekte sein Erscheinungsbild erheblich. Wie sieht er denn aus, der Chemiepark Marl der Zukunft?

B. Vendt: Die Großprojekte machen es ja deutlich: So schnell wie sich die Welt auch vor den Toren unseres Standortes verändert, gehen auch wir diese Entwicklungen mit. Mit der Kapazitätserweiterung der Produktionsanlagen des Hochleistungskunststoffes Polyamid 12 widmet sich Evonik, neben Anwendungen für den Automobilbau und für Öl- und Gasleitungen, dem immer wichtiger werdenden Zukunftsthema 3D-Druck. Mit der Cumol-Anlage baut Ineos die durchsatzstärkste Anlage im Chemiepark. Die Produkte sind Grundlage für die Herstellung von Phenol und Aceton in großen Mengen – und damit die Basis für Produkte wie CDs, Farben oder Medikamente. Mit den Pipelines, die im Westen zwischen Marl und Gelsenkirchen-Scholven erneuert und neu gelegt werden, werden die Lebens­adern unseres Standortes modernisiert. Man sieht also: Wir arbeiten täglich am Chemiepark Marl von morgen.

 

Dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit und Ressourcen­effizienz.

B. Vendt: Bei allen Projekten, die wir umsetzen, sind diese Themen von großer Bedeutung. Mit der jetzt schon weit fortgeschrittenen Umstellung der Energieversorgung von Kohle auf Gas sparen wir 1 Mio. t CO2 pro Jahr ein – mehr als die gesamte Stadt Marl emittiert. Mit dem Anschluss des Standorts an das Projekt GetH2, das grünen Wasserstoff von Lingen ins Ruhrgebiet transportieren wird, nehmen wir nicht nur unseren gesellschaftlichen Auftrag sehr ernst, einen Teil zu einem erfolgreichen Klimawandel beizutragen. Wir verfolgen damit auch konsequent unseren eigenen Anspruch, die Produktionen im Chemiepark Marl noch effizienter aufzustellen und zukunftsfähig zu machen.

Der Standortleitung kommt dabei als Repräsentant des Standortes ja auch eine wesentliche Rolle zu. Sie selbst kommen fachlich aus der Verfahrenstechnik und haben keinen unmittelbaren Chemie-Hintergrund wie ihr Vorgänger. Was bedeutet das für den Chemiepark Marl?

B. Vendt: Ich bringe tatsächlich ein etwas anderes Profil als mein Vorgänger mit und kann damit auch andere Erfahrungen in meine Arbeit als Standortleiter einbringen. Den Standort kenne ich durch verschiedene Funktionen gut, von der technischen Leitung bis zur Verantwortlichkeit für die Ver- und Entsorgung. Am Evonik-­Standort Hanau war ich bereits als Standortleiter tätig und habe in dieser Zeit auch die dortige Werkstofftechnik und die technische Anlagensicherheit geleitet. Dieser Background hilft mir jetzt dabei, die sehr unterschiedlichen Aufgaben als Leiter eines der größten Chemieparks in Deutschland zu koordinieren und in die richtigen Bahnen zu lenken. Für mich kommt es vor allem darauf an, die Gesamt­entwicklung des Chemieparks im Auge zu halten – und dazu zählt nicht nur der Chemiebetrieb und die Produktionsanlagen, sondern auch die Infrastruktur, in die wir hier eingebunden sind und die gesamte Verbundstruktur des nörd­lichen Ruhrgebietes.

 

Zur Person

Bernd Vendt begann nach seinem Di­plom-Abschluss im Bereich Maschinenbau und Verfahrenstechnik seine berufliche Laufbahn 1990 als Planungsingenieur bei der damaligen Hüls AG in Marl. Nach weiteren Stationen als Betriebs- und anschließend Produktionsleiter bei Infracor übernahm er 2009 die Funktion als Leiter Technik in Marl, Herne und Witten. 2016 wechselte Vendt nach Hanau und übernahm dort die Standortleitung des Industrieparks Wolfgang in Personal­union mit der Leitung der Werkstofftechnik und der Technischen Anlagensicherheit, bevor er 2018 wieder nach Marl zurückkehrte. Vendt ist 57 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn.

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