Anlagenbau & Prozesstechnik

Fit für die Chemie

Skalierbare Prozessautomation mit MultiValid Process Control

16.04.2012 -

Der Pioniergeist der Unternehmensgründer Erwin Bernecker und Josef Rainer prägt auch heute noch die Leitlinien der B&R Industrie Elektronik. Unternehmerischer Mut, Gespür für Marktentwicklungen und der Wille, Hightech-Lösungen zum Nutzen der Kunden anzubieten, hat B&R zu einer treibenden Kraft in der Automatisierungstechnik gemacht. CHEManager sprach mit Frank Winter, Geschäftsführer, und Stefan Lau, Vertriebsleitung Prozessautomation der deutschen B&R Industrie-Elektronik, über Perspektiven und Zukunftspläne des Unternehmens. Das Gespräch führte Dr. Volker Oestreich.

CHEManager: Herr Winter, Sie leiten die deutsche B&R Gesellschaft seit ihrer Gründung im Jahr 1983 und haben Automatisierungstechnik von B&R im deutschen Maschinenbau zu einer festen Größe gemacht. Können Sie den Weg zum Erfolg in einem Satz beschreiben?

Frank Winter: Innovative Produkte, kompetente Mitarbeiter und das absolute Bewusstsein für Kundennähe und Dienstleistungsbereitschaft, das waren und sind die Komponenten der B&R-Erfolgsstory.

Wie genau sieht denn dieses Support-Konzept aus, dass Sie Ihren Kunden bieten?

Frank Winter: Für unsere Maschinenbaukunden gilt die Prämisse „Gemeinsam in die Serie". Unsere Partner und Kunden aus der Prozessautomation begleiten wir bis zur Projektabnahme und darüber hinaus.

Wie wollen Sie den Erfolg im Maschinenbau in die Branchen der Prozess- und Verfahrenstechnik übertragen und welche Branchen stehen besonders im Fokus?

Stefan Lau: Wir sind bereits seit vielen Jahren erfolgreich in der Prozessindustrie mit unserer Prozessleittechnik Aprol tätig. Insbesondere in den Branchen Pharma, Chemie, F&B und Infrastruktur sind wir gut aufgestellt und wachsen erfolgreich. Insbesondere durch die stark ausgebaute Vertriebs- und Supportmannschaft im Bereich Process Automation und das inzwischen stark aufgestellte Netzwerk von qualifizierten Systempartnern sind wir in diesen Branchen klar auf Wachstumskurs. Zusätzlich zu diesen wichtigen Zielbranchen können wir durch die im Markt einzigartige Offenheit und hohe Skalierbarkeit unseres Prozessleitsystems Aprol auch weitere Märkte erschließen. Große Erfolge feiern wir zurzeit in den Bereichen der Fabrikautomation und des Anlagenbaus. Wo bisher klassische Scada-Systeme zum Einsatz gekommen sind, werden durch stetig steigende Anforderungen mehr und mehr leittechnische Attribute mit hoher Skalierbarkeit gefordert. Genau hier ist unser Erfolgsansatz.

Sind die sog. „hybriden" Anwendungen insbesondere bei der Verpackungstechnik im Pharma- und Food-Bereich von besonderem Interesse für Ihre Marktstrategie?

Stefan Lau: Ja, durch die ohnehin strengen Regulatorien der FDA im Pharmabereich und der stetig steigenden EU-Vorschriften bezogen auf Rückverfolgbarkeit im F&B-Bereich werden die Anforderungen an validierbare Prozess- und Maschinendatenerfassung immer größer. Dazu werden Systemen benötigt, die auf der einen Seite die validierbare Datenerfassung und Auswertung und auf der anderen Seite die Funktion des zentralen Leitstandes erfüllen. Genau das leistet unser System.

Welche Rolle spielen Ihre Systempartner beim weiteren Roll-out von Aprol?

Frank Winter: Unsere Systempartner haben eine wichtige Schlüsselrolle in unserer Marktstrategie. Bestens ausgebildet auf unserem System Aprol und in Verbindung mit dem richtigen Verfahrens-Know-how können wir unseren Kunden eine gesicherte Projektabwicklung gewährleisten. Unsere Systempartner sind nicht nur Engineering-, sondern auch wichtige Vertriebspartner, mit denen wir tiefer in den Markt eindringen können.
Was hat es mit der Feinskalierbarkeit bei Software-Lizenzen und den Hardware-Paketen Ihres Unternehmens auf sich?
Stefan Lau: Die kleinste Variante ist ein Single-Note-System. Alle Funk­tio­nen einer Prozessleittechnik ­können auf einem einzigen B&R-Industrie-PC ohne Funktionseinschränkung betrieben werden. In Verbindung mit unserem hoch skalierbaren Controller-Angebot ist unser System bereits für Anwendungen mit wenigen I/Os interessant. Steigen die Anforderungen und wird die Anlage größer, wächst das System einfach mit, ohne einen Systemwechsel durchführen zu müssen. Einfach durch eine Online-Erweiterung der I/O-Lizenzen ohne Systemstopp. Auch die Erweiterung auf Runtime-Redundanz oder die Erweiterung von Operatorstationen erfolgt auf diese Weise.

Wie sieht es denn mit der CPU-Redundanz bei Aprol aus und wie bedienen Sie die Ex-Zonen?

Stefan Lau: Auf der SPS/IPC/Drives 2011 haben wir unsere CPU-Redundanz vorgestellt, und wir können damit eine Lücke schließen. Im Bereich der Ex-Remote I/Os arbeiten wir seit Jahren mit den wichtigsten Anbietern in diesem Bereich zusammen. Die ausgewählten Ex-Remote-I/O-Systeme werden einem intensiven Integrationstest in unserem Hause unterzogen und erst dann in der Liste unserer empfohlenen Ex-I/Os aufgenommen. Dadurch kann der Anwender zwischen mehreren Systemen sein Wunschsystem wählen und hat die Sicherheit, eine zuverlässige, getestete Lösung zu erhalten.

Das Engineering spielt für die fachgerechte Anlagenautomatisierung eine immer bedeutendere Rolle. Inwieweit ist Automation Studio für die Prozessautomatisierung einsetzbar?

Stefan Lau: Durch die Einbettung des Automation Studios in Aprol nutzen wir zur Konfiguration die leistungsstarken, sinnvollen Tools des Automation Studios wie die Hardware- und Feldbuskonfiguration. Diese Konfigurationen werden automatich in die Aprol-Engineeringumgebung übernommen und dort dann die Prozessleittechnik-Applikation nach S88 und GMP erstellt. Bei Hybrid-Automation-Lösungen in der Fabrikautomation liegt der Vorteil der Automation-Studio-Integration auf der Hand, da wir klassische Leittechnik-Anwendungen mit anspruchvollen Maschinenlösungen kombinieren können. Damit sind auch schnelle und komplexe Applikationen und Antriebslösungen als voll integrierte Anwendung möglich. Das verstehen wir als „MultiValid Process Control".

B&R hat in den letzten Monaten mit seinem Open-Safety-Konzept Schlagzeilen gemacht. Wollen Sie damit auch in der Prozessautomation punkten?

Stefan Lau: Das haben wir bereits. Sicherheitstechnik in der Prozessindustrie ist eines der wichtigsten Themen im Markt. Unsere Safety-Lösung ist vollends im Prozessleitsystem integriert und stellt durch seine busbasierte Lösung und Offenheit einen einzigartigen Wettbewerbsvorteil dar. Unsere Kunden sind bereits bei der Umsetzung von Applikation mit unserer integrierten und offenen Sicherheitslösung.

Welche Highlights werden Sie als Aussteller auf der Achema in Frankfurt Ihren Besuchern bieten?

Stefan Lau: MultiValid Process Control wird der Themenschwerpunkt sein, also die vollständige Leittechniklösung von der Prozessdatenerfassung bis zum Batch-Control. Neben den klassischen Leittechnikthemen wie Advanced Process Control und Rezepturfahrweisen werden auch die Themen Prozess- und Anlagendatenerfassung, Energiemonitoring und Condition Monitoring die Leistungsfähigkeit des Aprol-Systems unterstreichen. Ein System ohne Grenzen, das vom Anwender noch beherrschbar ist.  

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