Strategie & Management

Gründer und Start-ups im Rampenlicht

26.01.2022 - Die Bandbreite der Start-ups, die es ins Finale des Achema-Gründerpreises 2021 geschafft haben, ist so groß wie die Themenvielfalt der Prozessindustrie.

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In den letzten Jahren haben sich Start-ups bereits einen festen Platz im Ökosystem Prozessindustrie erobert: Mit Initiativen wie dem Achema-Gründerpreis rückten sie zunehmend ins Wahrnehmungsfeld der etablierten Player, aber auch ins Bewusstsein junger Wissenschaftler, für die „Gründen“ plötzlich eine mögliche Alternative zur Konzernkarriere wurde. 

Wie 2015 und 2018 suchten Dechema, High-Tech Gründerfonds und die Business Angels Frankfurt Rhein-Main schon seit Anfang 2020 innovative Gründer und ideenreiche Wissenschaftler, von denen es zehn Start-ups in die Finalrunde des Achema Gründerpreises 2021 geschafft haben. Bei der Achema Pulse am 15. Juni präsentierten sich die jungen Unternehmen im Rahmen einer Pitch-Session dem Publikum. Eine Expertenjury wählt nun die drei Sieger des Wettbewerbs aus, die auf der Achema 2022 bekanntgegeben werden und jeweils 10.000 EUR Preisgeld erhalten.
Vor der Achema vom 22. bis zum 26. August 2022 stellt CHEManager in jeder Ausgabe bis einschließlich März alle Finalisten vor. Deren Bandbreite ist so groß wie die Themenvielfalt der Prozessindustrie und reicht von Nachhaltigkeitsanalysen über Point-of-Care-Tests, Elektrosynthesen und Antikörper-Isolation über Transportsysteme für Oligonucleotide und eine Wirkstoffplattform für bisher nicht-behandelbare Krankheiten bis zu künstlicher Intelligenz für die Prozessoptimierung, Echtzeitanalytik in chemischen Prozessen oder Predictive-Maintenance-Lösungen für Rohrsysteme. In dieser Ausgabe: Phaidra und Pro-AspectX.

Phaidra: Kontrollsysteme auf Basis künstlicher Intelligenz 
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Schlagwort in der Prozessindustrie. Mit ihren riesigen Datenmengen scheint sie ideal geeignet für Methoden, die umso besser werden, je mehr Informationen vorhanden sind. Dennoch ist es nicht immer einfach, die Lücke zwischen der sehr „physischen“ Chemie- und Pharmaindustrie mit ihren Pumpen, Reaktoren und Rohren und der „flüchtigen“ Informationsindustrie zu schließen. Phaidra entwickelt Kontrollsysteme für industrielle Prozesse auf Basis von KI. Die „no code“-Software ermöglicht Industrieexperten, ohne Programmieraufwand festzulegen, welche Leistungs- und Betriebsparameter optimiert werden sollen. Der selbstverstärkende lernende Algorithmus ermittelt dann die Prozessbedingungen für maximale Anlagenleistung und stellt sie automatisch ein. 

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Jim Gao, der zusammen mit Katherine Hoffman und Vedavyas Panneer­shelvam das Unternehmen gegründet hat: „Unsere frühere Arbeit bei DeepMind – wo wir den Energiebedarf für die Kühlung der Google-Rechenzentren um 40 % gesenkt haben – hat uns geholfen, die enormen Auswirkungen zu erkennen, die Verstärkungslernen bei der Steuerung komplexer industrieller Systeme haben kann. Wir haben jedoch auch erkannt, dass Fachwissen der Schlüssel für den Einsatz von KI-Lösungen in der Praxis ist.“ Das Tool soll den Fachleuten dabei helfen, Anlagen sicher und effizient zu betreiben.

Pro-AspectX: Prozessrobuste Sensoren für die Echtzeit-Analytik
Die Ramanspektroskopie ist ein vielseitiges Instrument, das für die Inline-Überwachung von zahlreichen Prozessen von der Katalyse über den Bioprozess bis zur Kristallisation eingesetzt werden kann. In gängigen Ramanspektrometern sind Sensor und Messgerät meist zwei eigenständige Komponenten, die durch lichtleitende Fasern miteinander verbunden sind. Das macht ihren Einsatz besonders in explosionsgeschützten Bereichen häufig aufwändig. 

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Frank Braun, Andreas Hien und Sebastian Schwolow möchten mit dem selbst gegründeten Start-up Pro-AspectX einen prozessrobusten Sensor für die Echtzeit-Analytik in chemischen Produktionsanlagen entwickeln, um die Prozesseffizienz zu steigern und die Prozesssicherheit durch die Vorhersage kritischer Situationen zu erhöhen. „Bei der Technologie handelt es sich um einen nicht-invasiven Raman-Sensor, welcher quasi über Nacht in den industriellen Prozess implementiert werden kann. Dies ist dadurch möglich, dass der Sensor an vorhandene Durchflussschauglas­armaturen angebracht wird und sämtliche Komponenten beinhaltet, um völlig eigenständig im explosionsgeschützten Bereich zu arbeiten. Das Gerät ist in der Lage, spektrale Daten geräteintern auszuwerten und direkt die prozessrelevante Zielgröße auszugeben“, beschreiben die drei Gründer ihre Technologie.

Die zehn Achema-Gründerpreis-Finalisten
Bis zur Achema 2022 vom 22. bis zum 26. August 2022 stellt CHEManager je zwei der Finalisten vor. Deren Bandbreite ist so groß wie die Themenvielfalt der Prozessindustrie und reicht von Nachhaltigkeitsanalysen über Point-of-Care-Tests, Elektrosynthesen und Antikörper-Isolation über Transportsysteme für Oligonucleotide und eine Wirkstoffplattform für bisher nicht-behandelbare Krankheiten bis zu künstlicher Intelligenz für die Prozessoptimierung, Echtzeitanalytik in chemischen Prozessen oder Predictive-Maintenance-Lösungen für Rohrsysteme. Hier ist die Übersicht in alphabetischer Reihenfolge:

Carbon Minds nutzt ein digitales Modell der weltweiten Chemieindustrie, um Transparenz zu den ökologischen Auswirkungen globaler Lieferketten zu schaffen.

Cenios konzentriert sich auf die Entwicklung der nächsten Generation von POCT-Kits (Point-of-Care-Tests) zur absoluten Quantifizierung der Analyte.

ESy-Labs entwickelt Prozesse für die Elektrosynthese organischer Chemikalien mit Hilfe von Hochdurchsatz-Screening und künstlicher Intelligenz.

Lumatix Biotech arbeitet daran, die Verfügbarkeit und Erschwinglichkeit von Antikörpern zu erhöhen, indem es eine effektive Isolationsmethode auf Basis einer lichtgesteuerten Affinitätsmatrix entwickelt.

Phaidra entwickelt Kontrollsysteme für industrielle Prozesse auf Basis künstlicher Intelligenz.

PipePredict bietet ein Predictive Maintenance Tool zur Reduktion von Energie- und Medienverlusten in Rohrnetzen (Wasser, Fernwärme, Chemie).

Pramomolecular hat eine besonders einfache Technologie entwickelt, mit der therapeutische Oligonukleotide wie siRNAs effizient und verträglich in die Zielzelle transportiert werden können.

Pro-AspectX entwickelt einen prozessrobusten Sensor für die Echtzeitanalytik in chemischen Produktionsanlagen.

Prosion entwickelt eine Plattform chemischer Bausteine, die es erstmalig ermöglicht, eine Reihe von krankheitsrelevanten Zielproteinen zu adressieren, welche bislang als nicht therapierbar galten.

Semodia bietet Softwarelösungen für die modulare Prozessindustrie an, die das Prinzip des Plug&Play des Druckertreibers in der IT auf das Plug&Produce mittels Module Type Package auf die modulare Prozessindustrie übertragen

 

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