News

Heyl liefert Wirkstoffe gegen Schwermetall- und Radionuklidvergiftungen

27.08.2013 -

Arsen, Quecksilber, Blei oder Plutonium: Gift für den Körper. Mit der Kapsel Radiogardase begann für Heyl chemisch-pharmazeutische Fabrik eine weltweite Erfolgsgeschichte. Als einziger Anbieter in Deutschland vertreibt die Firma das Gegengift, auch Antidot genannt, das bei einer Cäsium-Vergiftung eingesetzt werden kann. Nach der Reaktorhaverie in Fukushima lieferte Heyl das Antidot auch in die japanische Region, denn neben radioaktivem Iod wurde damals vor allem Cäsium freigesetzt.

Es ist wohl eine der schrecklichsten Vorstellungen, die man sich ausmalen kann. Ein Atomreaktorunfall kontaminiert alle Bewohner einer Stadt, wie 1986 in Tschernobyl in der Ukraine geschehen. Den Super-GAU, oder auch „größten anzunehmenden Unfall", möchte niemand erleben. Zu den Radionukliden, die dabei in großer Menge freigesetzt werden gehören u.a. Cs-134 und Cs-137.
Gelangt radioaktives Cäsium in den Körper, egal ob nach einem Atomreaktorunfall, nach einem Terroranschlag auf ein Atomkraftwerk oder nach Explosion einer schmutzigen Bombe („dirty bomb"), gibt es nur ein zugelassenes Gegengift bei der Aufnahme von radioaktivem Cäsium, den Wirkstoff Berliner Blau, auch Preußisch Blau genannt.
Benannt ist der Wirkstoff nach dem tiefblauen Farbpigment, welches früher die Uniformen der Preußischen Soldaten färbte und 1706 vom Farbenhersteller Johann Jacob Diesbach erfunden wurde. Heute stellt die Laborchemie Apolda, eine Tochterfirma von Heyl, als einziger deutscher Hersteller das Farbpigment in pharmazeutischer Qualität her. Heyl vertreibt das Antidot unter dem Namen „Radiogardase" in alle Kontinente.
Wirkstoff gegen radioaktives Cäsium - made in Germany
Die Wirkung des kristallinen Farbstoffs Preußisch Blau ist ebenso einfach, wie genial. Wie ein poröser Schwamm saugt der Preußisch-Blau-Kristall die radioaktiven Teilchen auf und unterbricht damit den sonst nicht enden wollenden Kreislauf durch den Körper über Darm, Blut, Leber und Galle, denn anders als organische Giftstoffmoleküle kann man giftige oder radioaktive Metalle nicht einfach zerstören. Das Berliner Blau ist risikoarm, da es nicht resorbiert wird und deshalb keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufweist.
Es verlässt in seinem ursprünglichen chemischen Zustand den Körper wieder, nur beladen mit den radioaktiven Substanzen. „Daher können es auch schon Kinder einnehmen", erklärt Ruprecht.
Eine der effektivsten therapeutischen Maßnahmen besteht darin, Berliner Blau nach einer Kontamination so schnell wie möglich einzunehmen. Denn bei sofortiger Einnahme von Berliner Blau würden bis zu 75 % des oral aufgenommenen Cäsiums erst gar nicht resorbiert. Aber auch beim späteren Behandlungsbeginn ist es noch wirksam. „Die Strahlenbelastung und die daraus folgenden gesundheitlichen Schädigungen und Folgeerkrankungen sind dadurch wesentlich geringer", sagt Ruprecht. Eine Fülle an Erfahrungswerten gibt es - zum Glück - nicht. Dies macht Prognosen über den Vergiftungsverlauf und mögliche Spätschäden schwierig.
Durch die Besonderheit, dass bei akuten Vergiftungsfällen aus ethischen Gründen keine kontrollierten Studien möglich sind, können nur Fallberichte als Informationsquelle für Studien und Forschung dienen. Der Informationsaustausch mit Vergiftungszentralen und Krankenhäusern stellt für das Unternehmen Heyl eine wichtige Quelle zur Weiterentwicklung der Antidota und ihrem Einsatz dar. Und der Austausch erfolgt weltweit. In der Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Forschungsinstituten sowie Universitäten entstanden so weitere Antidota in der Produktpalette von Heyl.

Einsatz weltweit
Seit dem 11. September 2001 hat Heyl einen großen Abnehmer dazugewonnen. Die USA decken sich besonders mit Berliner Blau ein. Vertreter der US-Gesundheitsbehörde auditierten das Werk, um sich ein Bild von der Produktionsstätte in Apolda zu machen. Aber auch andere Länder in Europa und weltweit lagern Vorräte des Antidots ein, um im radioaktiven Notfall vorbereitet zu sein", weiß Ruprecht. Anschläge mit schmutzigen Bomben oder Angriffe auf Atomkraftmeiler seien längst zu einer realen Bedrohung geworden, gegen die sich Länder wappnen möchten.
Schlagzeilen machte 1987 ein historischer Zwischenfall in der brasilianischen Stadt Goiania, an die sich die Mitarbeiter von Heyl noch gut erinnern. Hierbei kam es zum ersten großen Einsatz des Präparats. Damals wurde in Brasilien aus einer verlassenen Klinik ein Strahlentherapiegerät gestohlen, das eine hochradioaktive weiße Cäsium-Verbindung enthielt. Unwissende Finder waren von dem bläulichen Leuchten der Substanz fasziniert und schmierten sich teilweise mit dem Pulver ein.
250 Personen wurden dabei kontaminiert, 20 davon mussten in Spezialkliniken gebracht werden, vier Menschen starben. Über eine Vergiftungszentrale nahmen die brasilianischen Ärzte Kontakt mit Heyl auf, so dass 46 Personen mit Radiogardase behandelt werden konnten.
Aber auch für Vergiftungen mit anderen Schwermetallen wie Quecksilber, Blei, Arsen, Kobalt, Plutonium oder Americium stellt Heyl geeignete Antidota zur Verfügung, sogenannte Chelatbildner. Chelat leitet sich vom griechischen Wort „chele" für Zange, Krebsschere ab. Diese packen zu wie die Scheren des Krebses. Sie binden an Schwermetall und werden zusammen mit diesem meist über die Nieren im Urin ausgeschieden.

Unternehmen mit Tradition
Heyl war schon immer bemüht, die wichtigsten Wirkstoffe für seine Arzneimittel selbst herzustellen. Heute erfolgt dies im thüringischen Apolda bei der Tochterfirma Laborchemie Apolda. Rund 90 Angestellte sind dort beschäftigt, ein Ausbau der Produktionshallen für hochaktive Wirkstoffe ist bereits in Arbeit. Neben dem Berliner Firmensitz hat die Firma Heyl internationale Vertretungen in USA und Japan.
Wichtig ist die Familientradition. Zurzeit leitet Dr. Eduard Heyl in zweiter Generation zusammen mit seinem Sohn Alexander Heyl das Unternehmen. Es bietet mit seinen fünf Geschäftsfeldern Antirheumatika, Antibiotika, Lebertran-Präparate und Vitamine verschiedene Nischenprodukte an. Schwerpunkt ist jedoch der Bereich der Antidota. Dass international immer wieder Berliner Blau und andere Antidota Heyl nachgefragt werden, macht deutlich, welche Marktführerschaft das Unternehmen in dem Bereich einnimmt.

Wasserstoff für die Prozessindustrie

News & Hintergrundberichte

CITplus Insight

Aktuelle Themen aus der Prozess- und Verfahrensindustrie

Registrieren Sie sich hier

CHEMonitor

Meinungsbarometer für die Chemieindustrie

> Zur Registrierung

> CHEMonitor - Alle Ausgaben

Social Media

LinkedIn | Twitter | Xing

Wasserstoff für die Prozessindustrie

News & Hintergrundberichte

CITplus Insight

Aktuelle Themen aus der Prozess- und Verfahrensindustrie

Registrieren Sie sich hier

CHEMonitor

Meinungsbarometer für die Chemieindustrie

> Zur Registrierung

> CHEMonitor - Alle Ausgaben

Social Media

LinkedIn | Twitter | Xing