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Infraserv Höchst investiert in Zukunftstechnologien

Neue Gasturbinenanlagen und eine Wasserstofftankstelle für Züge entstehen im Industriepark

08.12.2020 - Im Industriepark Höchst wird viel investiert: Die Industriepark-Unternehmen investieren in Forschungs- und Produktionsanlagen und der Standortbetreiber hat dabei die umweltfreundliche Energieerzeugung im Fokus.

Im Industriepark Höchst wird viel investiert: Es gibt derzeit einige Großbaustellen, die von der Weiterentwicklung des Standortes zeugen. Die Industriepark-Unternehmen investieren in Forschungs- und Produktionsanlagen und der Standortbetreiber hat dabei die umweltfreundliche Energieerzeugung im Fokus. Ein Meilenstein für die Zukunftssicherung des Industrieparks ist die Investition eines dreistelligen Millionenbetrags in den Bau zweier neuer Gasturbinen und die Modernisierung einer bestehenden Anlage. Die Gasturbinen nutzen die Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung und sind damit besonders effizient. Mit dem derzeit größten Investitionsprojekt kann künftig bei der Nutzenergieerzeugung komplett auf Kohle als Energieträger verzichtet werden. Mit dem Kohleausstieg, der nach Inbetriebnahme der Anlagen in 2022 Realität wird, können klimaschädliche CO2-Emissionen in einer Größenordnung von rund 1 Mio. t/ a vermieden werden.


Ein aus 60 Experten unterschiedlicher Bereiche bestehendes Projektteam arbeitet daran, Bau und Modernisierung der Anlagen plangemäß umzusetzen. Im Nordteil des Industrieparks werden die beiden neuen Gasturbinenanlagen entstehen, unweit der bestehenden Anlage, deren Modernisierung Anfang 2021 abgeschlossen sein wird. Die neuen Anlagen haben eine elektrische Leistung von jeweils 88 MW. Nachgeschaltet sind zwei nachgefeuerte Abhitze-Dampf­erzeuger, die jeweils pro Stunde bis zu 200 t, mehr als 500 °C heißen Hochdruckdampf sowie max. 22 t Niederdruckdampf erzeugen können.

Hocheffiziente Energieerzeugung
Mit den neuen Gasturbinen wird die Stromerzeugungskapazität um 60 % auf 478 MW erhöht. Noch wichtiger als der Strom ist allerdings die Wärme, denn produzierende Unternehmen brauchen bekanntlich Prozessdampf für ihre Anlagen. Infraserv Höchst setzt nicht nur auf die Vorteile der Kraft-Wärme-Kopplung, sondern speist außerdem die Abwärme aus Produktions- und Verbrennungsanlagen in die Versorgungsnetze ein. Die Nutzenergie­erzeugung ist somit schon heute hocheffizient und umweltfreundlich, denn der Bedarf an fossilen Brennstoffen und der damit verbundene CO2-Ausstoß fallen deutlich geringer aus. Rund 500.000 t CO2-Emissionen werden bisher pro Jahr allein durch Kraft-Wärme-Kopplung und Abwärmenutzung vermieden.

Die Bedeutung der Gasturbinen-­Anlagen geht zudem weit über die Grenzen des Industrieparks hinaus. Der Strom aus diesen Anlagen wird in das Netz der allgemeinen Versorgung ausgespeist und unterstützt damit die Versorgungssicherheit des deutschen Stromnetzes, die durch die geplante Abschaltung bestehender Kraftwerke in den nächsten Jahren vor Herausforderungen gestellt wird. Darüber hinaus ermöglicht die Anlage eine hochflexible Fahrweise: Die Stromproduktion kann in Zeiten von Stromüberschuss – unabhängig vom Dampfbedarf – heruntergefahren werden, um den Vorrang von Strom aus erneuerbaren Energieanlagen zu unterstützen und die Stabilität des Stromnetzes zu stärken. In Zeiten niedriger Produktion von erneuerbaren Energien kann die Stromproduktion dieser Anlage erhöht werden.

Erste Wasserstofftankstelle für Züge in Hessen

Ein weiteres zukunftsweisendes Projekt ist die Errichtung der ersten Wasserstofftankstelle für Passagierzüge in Hessen, an der ab 2022 die weltweit größte Brennstoffzellen-Flotte im Personenverkehr mit Wasserstoff versorgt werden soll. Mit diesem Bau entwickelt das Dienstleistungsunternehmen die Infrastruktur für diese Schlüsseltechnologie im Rhein-Main-Gebiet weiter.

Für die Versorgung der Brennstoffzellen-Triebfahrzeuge werden neue Verdichter-, Speicher- und Abfüllanlagen für Wasserstoff errichtet und das Gleisnetz erweitert. Täglich werden 2.400 kg Wasserstoff für 27 Züge zur Verfügung stehen. Der Wasserstoff, mit dem die Brennstoffzellenzüge betankt werden, entsteht bei chemischen Produktionsprozessen als Koppelprodukt. Der Standortbetreiber wird zusätzlich einen Wasser-Elektrolyseur errichten. Die Firma Alstom liefert die Brennstoffzellenzüge, die der Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV) auf mehreren Linien einsetzen wird. Die Züge des Typs Coradia iLint, die dank einer Reichweite von bis zu 1.000 km einen Tag lang im Netz des RMV fahren können, werden mit Diesel betriebene Loks ersetzen. Der weltweit erste Personenzug, der mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle betrieben wird, fährt emissionsfrei, ist geräuscharm und gibt nur Wasserdampf und Kondenswasser ab.
Das Serviceunternehmen engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie. Im Süden des Standorts gibt es eine Wasserstofftankstelle für Kraftfahrzeuge. An dieser Tankstelle, die seit 2006 im Betrieb ist, werden u.a. Busse mit Brennstoffzellenantrieb betankt, die im Linienverkehr eingesetzt werden.

 

Chemieindustrie braucht zukunftsfähige Rahmenbedingungen

Dank der effizienten Erzeugungs- und Versorgungsstrukturen konnte sich der Industriepark im globalen Wettbewerb bislang sehr gut behaupten und wird durch die Großprojekte einen Spitzenplatz unter den europäischen Produktionsstandorten der Chemie- und Pharmaindustrie einnehmen. Damit sind die Investitionen in die neue Energieerzeugung nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch von großer Bedeutung.

International wettbewerbsfähige Energiepreise sind für die produzierenden Kunden in der energieintensiven Chemieindus­trie entscheidende Erfolgsfaktoren. Aber Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit sind nur zwei der Bedingungen für Investitionsentscheidungen. Ebenso wichtig für Investitionen mit langfristiger Bindungswirkung ist das Vertrauen in die Gültigkeit wirtschaftlicher und gesetzlicher Rahmenbedingungen.

Wasserstoffnutzung, Elektromobilität, die Speicherung und Weiterleitung von umweltfreundlich erzeugter Nutzenergie – nur im Zusammenspiel mit der Chemie­industrie kann der Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig sozio-ökonomisch nachhaltig entwickelt, können ökologisch relevante Zukunftstechnologien bereitgestellt und die Klimaschutzziele erreicht werden.

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